Flamenco-Festival eröffnet Lackmustest mit Bravour bestanden

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Die Organisatorin Catarina Mora Foto: privat/Archiv

Das 11. Flamenco Festival ist eröffnet: Am Sonntag ging beim Kastellsommer die Gala hybrid über Bühne und Multimediawand.

Stuttgart - Die unglaubliche Leichtigkeit des Tanzes! Unfassbar, wie weit sich Macarena Ramírez nach hinten beugt, um höchst elegant den Stuhl auf der Kulturbühne des Kastellsommers abzustellen, den sie zuvor über den Kopf geschwungen hat. Er dient ihr aber nicht nur als Tanzpartner wie ihre Bata de Cola, die Schleppe ihres opulenten Kleides mit Barockmuster, die sie um sich wirbelt oder über den Kopf zieht. Das Sitzmöbel wird auch zum Perkussionsinstrument, wie ihre schnippenden Finger und die Kastagnetten, aus denen die junge Wilde des Flamencos ungewöhnliche wie bekannte Klänge sowie treibende Rhythmen lockt. Das holen auch die Größen des Flamencogesangs, Cantaor Momi de Cádiz und Cantaora Carmen Fernández, aus ihren Kehlen, ebenso Antonio Españadero und Fernando de la Rua aus ihren Gitarren. Sie alle spielen, als ob es um ihr Leben ginge.

Es ist die „Fin de fiesta“, das letzte Stück der „Gala“ des 11. Stuttgarter Flamenco Festivals. Zuvor rissen bereits Miguel Ángel und Carmen Camacho im Wechsel und mit Ramírez das Publikum mit. Ihre rasanten wie gefühlvollen Zapateados und Floreos, die Fuß- und Handbewegungen, Vueltas, also Drehungen, und Posen entlockte den „Aficionados“, den Flamencoadepten, so manches begeisterte „Vale!“. Die „Gala“ des Festivals ist ausverkauft, jeder Liegestuhl, jeder Sitzkorb vor dem Römerkastell ist besetzt. Wer keine der Karten ergattern konnte, ist live per Stream dabei. Drei Kameras fangen das Geschehen in verschiedenen Perspektiven ein, auf der Medienwand neben der Bühne sind die Bewegungen im Detail auszumachen.

„Eine Herausforderung“, so Bailaora Catarina Mora, die 2010 das Stuttgarter Flamenco Festival gründete und leitet. Das wird mittlerweile institutionell gefördert, auch bekam Mora ein Stipendium vom Bund, um ihre Kunst digital umzusetzen. Doch um das Festival in dieser Hybridform zu realisieren, brauchte es noch einige Sponsoren. „Ich bin allen sehr dankbar“, sagt sie. „Hinter diesem Mix aus Live-Performance und Stream steckt viel Organisation und Technik. Das war heute der Lackmustest.“ Der wurde mit Bravour bestanden. Auch die Kunstschaffenden sind glücklich. „Danke für die Chance nach und in dieser Zeit wieder auftreten zu können“, sagt Carmen Camacho im Pauseninterview.

Und das, obwohl Corona so manchen Strich durch das Programm machte. Eigentlich sollte Pedro Sanz singen. Trotz doppelter Impfung wurde er vor der Abreise aus Spanien positiv getestet. Auch der Tänzer Ricardo Moro fiel aus, für ihn sprang Altmeister Miguel Ángel ein. „Der Austausch und das Reisen aus Spanien ist derzeit kompliziert. Was machst du, wenn dir ein Sänger und ein Tänzer ausfallen, eine Woche vor dem Festival, das sowieso in kleinerer Form stattfinden muss?“, so Mora. Moras Netzwerk half – und der Umstand, dass Carmen Fernández sowie Miguel Ángel in Deutschland leben. Nun können die Tanz- und Gitarrenworkshops diese Woche stattfinden. Allein der Tänzer Eduardo Guerrero ist noch nicht im Lande. „Wenn er am Mittwoch landet, fällt mir der letzte Stein vom Herzen“, sagt Mora.

Infos zu Programm und Workshops unter www.stuttgarterflamencofestival.com