FC Augsburg gegen VfB Stuttgart Der VfB, die Auswärtsmacht der Liga

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Klare Angelegenheit: Der VfB siegt in Augsburg so deutlich wie verdient. Foto: Baumann

Die beste Auswärtsmannschaft der Bundesliga stellt beim 4:1 in Augsburg ihre Stärken eindrucksvoll unter Beweis. Jetzt soll es endlich mit dem ersten Heimsieg klappen. Trainer Pellegrino Matarazzo hat auch schon eine Idee.

Augsburg - Am Ende war es ein Schaulaufen, das die Männer in ihren grünen Trikots genüsslich zelebrierten. Der 4:1(2:0)-Erfolg beim FC Augsburg war längst unter Dach und Fach, als die Mannschaft von Pellegrino Matarazzo in den Schlussminuten Konterchancen auf teils groteske Weise verspielte, ehe der eingewechselte Daniel Didavi noch einmal den Fuß hinhielt. Mit seinem Treffer zum 4:1 (86.) setzte er den Schlusspunkt für den VfB Stuttgart.

Nach zuvor zwei Niederlagen hat sich der Aufsteiger eindrucksvoll zurückgemeldet und fest im Mittelfeld der Tabelle etabliert. Abwehrspieler Waldemar Anton sprach hinterher von einem „super Spiel. Wir haben gut kombiniert und waren giftig in den Zweikämpfen – das war der Schlüssel.“ Matarazzo analysierte sachlich: „Unterm Strich war es eine gute Leistung. Was mir gefallen hat, war, dass wir nach dem Anschlusstreffer nicht lange gebraucht haben, um uns zu stabilisieren.“

Dabei war der VfB mit keinen guten Erinnerungen angereist. Denn selten gab es in Bayrisch-Schwaben etwas zu holen. Beim letzten Aufeinandertreffen wurden die Jungs aus Cannstatt gar mit 6:0 vermöbelt. Thomas Hitzlsperger nahm danach seine erste Trainerentlassung vor und gab Markus Weinzierl den Laufpass. Der Vorstandschef stand auch jetzt wieder im Mittelpunkt. Sein Rosenkrieg mit Präsident Claus Vogt bestimmt die Schlagzeilen. Vor dem Spiel nach den Querelen befragt, beteuerte Sportdirektor Sven Mislintat: „Uns lenkt das nicht ab. Die beiden haben sich ausgesprochen, und Weiteres soll intern bleiben. Damit sind wir einen guten Schritt weiter als mit den beiden offenen Briefen.“

Während Hitzlsperger und Vogt am Sonntag auf Tauchstation gingen, will sich Mislintat aufs Sportliche konzentrieren. Im Augsburger Eisschrank durfte er bei minus vier Grad bereits nach acht Minuten jubeln. Mateo Klimowicz wurde im Strafraum am Fuß touchiert – Elfmeter.

Eine strittige Szene, mit der die Augsburger heftig haderten. FCA-Coach Heiko Herrlich sprach hinterher vom „Knackpunkt des Spiels“. Nicolas Gonzalez scherte das nicht. Der Argentinier verzögerte wie üblich und traf mit seinem siebten verwandelten Strafstoß in Serie zur Führung. Die aber schnell ins Wanken geriet, weil die Gastgeber mit Wut im Bauch den VfB unter Druck setzten.

Nicht immer sicher wirkte die Abwehr bei hohen Bällen und über die rechte Seite von Pascal Stenzel. Nach vorne ging dafür die Post ab. Wie am Schnürchen liefen die Konter in Richtung des Augsburger Tores. Stark, wie Orel Mangala Bälle eroberte und verteilte. Wie Klimowicz mit seinen Dribblings immer wieder mehrere Gegenspieler abschüttelte. Wie Borna Sosa den Druck hochhielt. Und wie Gonzalez in vorderster Reihe nicht zu stoppen war. Überfordert zeigte sich der FCA von Tempo und Spielwitz des VfB.

Den Videoschiedsrichter auf seiner Seite

Lehrbuchhaft der Angriff nach 29 Minuten: Ein langer Ball von Marc Oliver Kempf landete im Lauf von Sosa. Der Kroate passte mit Übersicht in den Rücken der Abwehr auf Silas Wamangituka, der wenig Mühe mit dem 2:0 hatte. Drei Kontakte, ein Treffer – ein Tor zum Zungeschnalzen für die VfB-Fans, die sich ob des Führungsstreits zuletzt so sehr die Haare gerauft hatten.

Es war eine starke Reaktion, welche die Mannschaft zeigte. Auch auf die jüngsten 0:1-Niederlagen gegen Wolfsburg und Leipzig. Die Sorge vor einem Absturz erwies sich als unbegründet. „Der Sieg tut uns nach den zwei Niederlagen gut“, sagte Matarazzo. „Er gibt uns eine breite Brust und eine positive Aussicht.“

Auch wenn die VfB-Elf in Augsburg arg schlafmützig aus der Halbzeitpause kam. 30 Sekunden dauerte es, ehe die Fuggerstädter den Anschluss durch Marco Richter hergestellt hatten. Auf einmal mussten die Gäste zittern und ihren vielen vergebenen Chancen nachtrauern. Bis sie den Videoschiedsrichter auf ihrer Seite hatten. 61. Minute: Eine Flanke von Gonzalez verwertet Gonzalo Castro direkt. Schiedsrichter Daniel Schlager entscheidet auf Abseits. Erst nach der Kontrolle in Köln dürfen Castro und Co. jubeln – der Treffer zählt. Es war die Vorentscheidung in diesem Spiel, der Rest war Schaulaufen.

Matarazzos Überlegungen für den ersten Heimsieg

Durch den Sieg klettert der Aufsteiger auf Platz zehn – und auf Platz eins der Auswärtstabelle. Am Samstag bietet sich die neuerliche Chance auf den ersten Heimsieg. Auch wenn der Bayern-Bezwinger Mönchengladbach eine hohe Hürde darstellt. Und Matarazzo noch über den Zusammenhang von Auswärtsstärke und Heimschwäche rätselt. Seine Überlegung: „Vielleicht sollten wir zu Hause auch mal im Hotel übernachten.“

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