Faschingsumzug in Murr Bunt, vielfältig und immer was los

Von
Wie immer haben sehr viele Zuschauer das bunte Treiben verfolgt. Foto: Werner Kuhnle

Beim großen Faschingsumzug am Sonntagnachmittag durch Murr sind 40 Gruppen mit von der Partie gewesen. Allein die Gastgeber von den Carnevalsfreunden waren mit sieben Garden am Start.

Murr - Im Neuen Weg sammelte sich am Sonntag unter lauter Musik, Geratsche und viel Gelächter das bunte, lustige Narrenvolk vor dem Start des Umzugs durch den Ortskern in Murr mit dem Lindenweg als Ziel. Sibylle Szüsz, die Vizepräsidentin der organisierenden Carnevalsfreunde, hat trotz des Tumults um sie herum die Ruhe weg, als sie nach dem Rechten schaut.

Manuela ist wie alle vom MSC Sindelfingen im venezianisch geprägten Engelskostüm unterwegs, schränkt aber sofort etwas ein: „Na, ja, Engel sind wir nicht gerade.“ Evi Öhler von den Ratsweibern Murr sieht etwas übernächtigt aus. Kein Wunder, denn „wir sind von Mittwoch bis Mittwoch unterwegs“, plaudert Jasmina aus dem Nähkästchen. Fasching ist anstrengend und intensiv. „Anstrengend, aber es geht“, meint ein Narr der Murrtalfunken. „Fasching geht immer“, erklärte er lachend. Gänzlich spurlos sind die Anstrengungen an Jasmin und Robert vorbeigegangen. Als Prinzenpaar hatten sie Nehmerqualitäten. Doch nicht alle stecken das so spurlos weg. Gerda von den Schäppsturm-Fetzern aus Hardthausen hat tiefe Ringe unter den Augen. Doch halt, das ist das Ergebnis von täuschend echt aussehender Schminkkunst. Topfit ist die siebenjährige Leonie. Sie darf für die Prinzessin einspringen, die offenbar etwas zu viel gefeiert hat. So sitzt sie stolz im offenen Wagen von KG Blau-Weiß aus Stuttgart und freut sich, dass es gleich los geht.

Markus Leibbrandt, Kommandant der Feuerwehr in Murr, hat Humor. Auf Geheiß seiner Mannschaft verkleidet er sich jedes Jahr neu für den Umzug. „Nachher bringe ich ihn in den Schlachthof“, deutet einer seiner Kameraden humorvoll auf sein tierisches Kostüm. Die Unterweissacher Juniorgarde hat eine Kanone dabei, die nicht für Verteidigungszwecke gedacht ist. Mit Konfetti gefüllt, dient sie als Stimmungskanone. Amy mit ihren zwölf Jahren jedenfalls freut sich, „wenn die Leute Konfetti in den Kragen kriegen“. Die Kameraden von der Feuerwehr aus Poppenweiler sind als Schneemänner und -frauen verkleidet. „Nur die Männer haben Besen, sonst würden wir ihnen ja davon fliegen“, zwinkert Angela verschmitzt.

Andi war Hahn im Korb unter vielen Hennen, wie Kerstin von den Verrückten Hühnern in Althütte. „Da muss man schwierige Prüfungen ablegen, bevor man zum Gockel unter so vielen Hennen werden darf“, verrät Andi.

Es ist bunt, es ist vielfältig, und es ist laut. Das schätzen die zahlreichen Zuschauer entlang der Straße. Es sind viele Familien mit kleinen Kindern, die das schrille Treiben verfolgen. Doch sie waren nicht nur Zuschauer, sondern wurden von den Narren eng eingebunden. Immer wieder necken Hexen die Kleinen. Und die reagieren ganz unterschiedlich auf die teils furchterregenden Masken. Ayla hat mit ihren sieben Jahren „keine Angst.“ Immer wieder tanzt sie mit einer vorbeikommenden Hexe auf der Straße. Rebecca, acht Jahre, hat schon ein bisschen Bammel und hält sich mit Celina und Hannah lieber dezent etwas im Hintergrund.

Mama Saskia ist mit ihrem einjährigen Sohn Shane jedes Jahr hier. „Unsere Große hat panische Angst vor den Hexen“ und deutet auf die Tochter, die sich eng an ihren Papa anschmiegt. Und manch einer ist durch gar nichts zu erschüttern. Die jüngste Tochter von Nicole aus Murr schläft im Kinderwagen. Ihre Eltern „lieben Faschingsumzüge und sind extra von Winnenden hierhergekommen“.

Viele Anwohner sorgen sich rührend um das leibliche Wohlergehen der Narren. Angelika und Franziska wohnen hier. „Die geben sich doch so viel Mühe“ begründet Angelika ihre Verpflegungsstation.

Für alle anderen Besucher und deren leibliches Wohl sorgen örtliche Vereine, so wie beim Musikverein. Drei Helferinnen „sind zufrieden für das vorhergesagte Wetter“.

An der Ecke von Hindenburg- in die Friedrich-Ebert-Straße steht die Polizei, die für Straßensperrung und Sicherheit sorgte. „Es ist alles vollkommen ruhig und friedlich. Bisher hat noch kein Kind Schutz vor Hexen bei ihnen suchen müssen“, gibt das Streifenteam freundlich Auskunft.