Fanclub in Berlin Warum der VfB Stuttgart auch im Bundestag präsent ist

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Politiker und VfB-Fans: Christian Kühn, Jan Tielesch und Steffen Bilger (von links) Foto: STZN

Auch unter Politikern gibt es viele Fußballfans, einige sind sogar für den VfB Stuttgart. Im Bundestag haben sie sich zu einem Fanclub zusammengeschlossen – und hoffen aus ganz pragmatischen Gründen, dass ihr Herzensclub möglichst bald wieder international spielt.

Berlin - KSC-Präsident Ingo Wellenreuther hat es in diesen Tagen nicht leicht. Da wäre zum einen die Derbyniederlage gegen den VfB Stuttgart vom vergangenen Wochenende. Zum anderen sind die Karlsruher inzwischen seit acht Spielen ohne Sieg, der Vorsprung auf die Abstiegsränge schmilzt.

Zu allem Überfluss traf der Politiker in dieser Woche in der CDU-Landesgruppe in Berlin dann auch noch auf Vertreter des VfB-Fanclubs im Bundestag. „Dort musste er sich einige Frotzeleien anhören“, berichtet Jan Tielesch (CDU), der Vorsitzende des Fanclubs, mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Klasse sei es beim Derby im Stadion gewesen, sagt Tielesch, der eine Dauerkarte in der Cannstatter Kurve besitzt. Einige Fanclub-Mitglieder haben das Spiel gemeinsam mit dem VfB-Landtags-Fanclub im Stadion verfolgt. „Leider hat die Derbystimmung etwas gefehlt, weil Teile der Fans aus Karlsruhe nicht im Stadion waren. Was zählt, sind aber die drei Punkte für den VfB“, so der Göppinger Stadtrat weiter.

Nicht im Stadion dabei waren Steffen Bilger (CDU) und Christian Kühn (Bündnis 90/Die Grünen). Bilger ist parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Kühn Sprecher für Bau-Wohnungspolitik der Grünen im Bundestag. Beide verbindet die Liebe zum VfB und die Mitgliedschaft im VfB-Bundestags-Fanclub. „Während der Schulzeit und dem Studium hatte ich noch eine Dauerkarte beim VfB“, erzählt Kühn. „Das geht mit den Verpflichtungen, die man als Bundestagsabgeordneter und zwei kleinen Kindern hat, nun nicht mehr.“ Bilger nickt zustimmend. „Viermal in der Saison schaffe ich es circa ins Stadion. Mehr ist leider nicht drin“, sagt er.

Die Idee kam bei der Meisterfeier 2007

Bilger war es, der gemeinsam mit dem CDU-Politiker Sven Vollmering die Idee entwickelt hatte, einen Fanclub im Bundestag zu gründen. „2007 waren wir gemeinsam bei der Meisterfeier in Stuttgart. 2009 haben wir beide für den Bundestag kandidiert und gesagt, dass wir einen Fanclub gründen, wenn wir beide reinkommen“, erzählt Bilger. Er schaffte es, Vollmering nicht. Noch nicht, denn 2013 kam auch der Politiker aus Nordrhein-Westfalen in den Bundestag.

Im Februar 2015 hat sich der Fanclub dann offiziell gegründet. Vom VfB gab es zu Gründung ein Trikot, das jetzt eingerahmt in Bilgers Büro hängt. Neben den Abgeordneten sind auch Bundestagsmitarbeiter im Fanclub dabei, der aktuell 45 Mitglieder zählt. „Wir wollen keine Ausnahmerolle für uns reklamieren“, sagt Bilger. „Als Schwaben in Berlin muss man zusammenhalten, und der Fußball ist ein Thema, der auch über Parteigrenzen hinweg verbindet. Wir wollen so viel wie möglich so machen, wie es andere Fanclubs auch tun.“

Der Fanclub hofft auf mehr Spiele unter der Woche

Doch schon beim gemeinsamen Fußball gucken wird es schwierig. Unter der Woche sind die Abgeordneten meist in Berlin. Am Wochenende haben sie andere parteiliche Verpflichtungen oder sind bei ihren Familien. „Mit den zwei Berliner Vereinen wäre es gerade eigentlich schön, in der Bundesliga zu sein“, sagt Tielesch. „Da hätten wir sicher was auf die Beine stellen können. Mit Freude habe ich jedoch registriert, dass der VfB während einer Sitzungswoche mittwochabends gegen Heidenheim spielt. Da werden wir was organisieren.“ Mehr Spiele unter der Woche würden dem Fanclub zu Gute kommen. „Wir setzen alles daran, dass der VfB schnell aufsteigt und dann hoffentlich auch bald wieder oben mitspielt. Internationale Spiele könnten wir hier zusammen gucken“, sagt Kühn und lacht.

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Bevor es jedoch soweit kommt, muss das Team von Tim Walter erst einmal den Aufstieg in die Bundesliga klar machen. „Ich finde den Spielstil vom Trainer sehr begeisternd“, sagt Tielesch. „Vielleicht waren die vier Niederlagen gegen Wiesbaden, Kiel, Hamburg und Osnabrück ein Weckruf zur richtigen Zeit.“ Für Christian Kühn spielt bei jener Niederlagenserie auch der Druck eine Rolle. „Wir, die Politik machen und ebenfalls in der Öffentlichkeit stehen, wissen, wie schwierig das ist. Wenn man sieht, wie jung die VfB-Spieler teilweise sind, dann machen die einen super Job.“ Und auch Steffen Bilger findet, dass der VfB genug Potenzial im Kader hat, um aufzusteigen.

Auch Cem Özdemir gehört zum VfB-Fanclub

Der Aufstieg wäre auch für den neuen Präsidenten, der bei der Mitgliederversammlung am 15. Dezember gewählt wird, immens wichtig. Rund um die Frage, wer neuer VfB-Präsident wird, geisterte auch immer wieder der Name Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) über die Mercedesstraße. Özdemir ist ebenfalls Mitglied im Bundestags-Fanclub. „Cem ist jemand, der mit Herzblut beim VfB ist. Er lebt den Verein“, sagt sein Parteifreund Kühn. „Wir haben immer wieder Witze darüber gerissen, dass er als Präsident gehandelt wird. Er hat sich ja schon geäußert, dass er bereit wäre etwas zu machen. Aber Leute, die am Verein nah dran sind, stehen in einer anderen Verantwortung.“