Erdrausch in Erdmannhausen Vom Hobby zum Erntekörbe-Lieferanten

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Markus und Andrea Wagner stecken Salat-Setzlinge. Die beiden haben im Gärtnern ihre große Leidenschaft entdeckt. Foto: Julia Spors

Die Marbacher Andrea und Markus Wagner haben sich in Erdmannhausen ihren Traum vom eigenen Beet erfüllt. Mit ihrem Gemüse aus regenerativem Anbau wollen sie auch andere beliefern. Market Gardening nennt sich das und soll zu einem Standbein werden.

Erdmannhausen - In der Erde wühlen und dabei ganz mit der Natur verbunden sein – das ist etwas, das Andrea und Markus Wagner aus Marbach so richtig gepackt hat und das ihnen nun im Nebenerwerb einen Teil ihrer Lebensgrundlage sichern soll. Denn das Hobby soll nicht mehr nur Hobby sein. Mit dem Gärtnern will das Ehepaar nun auch etwas verdienen. Unter dem Namen „Erdrausch“ betreiben die beiden auf einem Demeter-Acker der Familie Bay in Erdmannhausen seit vergangenem Jahr regenerativen Gemüseanbau. Mit der Ernte wollen sie in diesem Jahr von Juni bis etwa Ende Oktober nun auch Gemüsekörbe anbieten – und nicht nur ihre eigene, sondern auch andere Familien glücklich machen.

„Etwa 35 bis 40 Kisten können wir Familien zum Start wöchentlich anbieten. Die Abos sollen uns etwas Planungssicherheit geben und sollen dafür sorgen, dass nichts kaputt geht oder weggeworfen werden muss“, sagt Andrea Wagner. Bestückt werden sollen die Körbe je mit einem Mix der rund 25 gängigsten Gemüsesorten. Paprika, Brokkoli, Tomaten, Gurken oder Rote Beete etwa. Aber auch mit essbaren Blüten und Gewürzen. „Wir wollen eine Geschmacks-Vielfalt“, erklären die beiden. Abgeholt werden können die Körbe dann immer donnerstags direkt am Feld – sodass die Abonnenten eine Bindung zu ihrem Gemüse bekommen. „Schau wie dein Gemüse wächst“, heißt es deshalb auch auf einem Schild an dem Feld außerhalb der Gemeinde. Wer will, kann sich die Beete auch anschauen und mit den beiden ins Gespräch kommen. Und nicht nur das. Auch Workshops wollen Andrea und Markus Wagner anbieten – sobald Corona es zulässt. „Für uns stellt es einen Wert dar, draußen zu sein und das Wachstum sowie die Kreisläufe der Natur zu sehen. Das wollen wir anderen Menschen auch näher bringen“, so der 31-Jährige.

Mit einem Schrebergarten hat alles angefangen

Die Leidenschaft zum Gärtnern begann vor acht Jahren. Damals kaufte sich das Ehepaar einen Schrebergarten. „Und auf dem stand ein Gewächshaus“, erzählt die zweifache Mama. „Wir haben dann angefangen, dort etwas Gemüse anzubauen, und waren total angetan davon. Wir haben gemerkt, dass uns das richtig glücklich macht“, sagt die 33-Jährige. Was folgte, waren viele Lehrstunden und auch Tagungen. Unter anderem eine zum Thema Market Gardening – und die hat ihnen das enorme Potenzial aufgezeigt, das mit dieser Art des Anbauens einhergeht. Market Gardening bedeutet: viel Gemüse auf wenig Fläche und Direktvermarktung über Wochenmärkte oder über solidarische Landwirtschaft. „Für uns ist es der kleine Einstieg in die Landwirtschaft“, erklärt Markus Wagner, für den die Arbeit nicht nur Ausgleich zu seinem Job als Berufsschullehrer ist, sondern zugleich auch die perfekte Art, um seinen Kindern, aber bald auch anderen Menschen die Natur wieder näherzubringen. Ein perfektes Modell, um mehr Zeit mit der Familie zu haben und draußen zu sein.

Die beiden arbeiten kaum mit Werkzeugen. Das meiste passiert händisch

„Es ist faszinierend, was alles in einem lebendigen Boden stattfindet“, sagt er. Sein Motto: „Gesunder Boden – gesunde Pflanze – gesunder Mensch.“ Auf rund 315  Quadratmetern haben die Wagners inzwischen ihre Beete angelegt. Das Besondere dabei: Sie arbeiten kaum mit Werkzeugen. Das meiste passiert händisch, also quasi „wie früher“, wie er sagt. Und vor allem: ohne Chemie. „Wir richten unseren Fokus auf die Bodenfruchtbarkeit“, erklärt das Paar, für das die schwierigste Hürde nicht etwa war, biozertifizierten Kompost zu bekommen, sondern einen Anbauplan zu erstellen. „Es ist Wahnsinn, wie viel Rechenarbeit es benötigt, damit wir später jede Woche frisches Gemüse haben“, verraten die beiden schmunzelnd.

Mit der Landwirtschaft soll ein Standbein aufgebaut werden

Mit dem Ertrag des Gemüses wollen sich Andrea und Markus Wagner langfristig ein kleines Standbein aufbauen. „Bislang machen wir das nebenher. Aber unser großen Ziel ist es, zudem einen Miet-Acker anzubieten, auf dem Menschen sich einzelne Beete mieten können. Vielleicht in der Nähe von Stuttgart“, sagen sie. Einen Ort der Begegnung und des Ausprobierens würden sie dort gerne schaffen. Einen Ort, an dem in der Erde gewühlt werden kann und man mit der Natur verbunden ist.

Alle Informationen  zu „Erdrausch“ gibt es im Internet unter www.erdrausch.de. Hier kann unter anderem auch das  Erntekorb-Abo bestellt werden.