Blickwinkel Ungut

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Es wird bald Änderungen im Gemeinderat in Erdmannhausen geben... Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Erdmannhausen - Anfang Oktober verkündet die Erdmannhäuser Bürgermeisterin Birgit Hannemann, dass sie bei der Wahl kommendes Jahr nicht mehr antritt. Gerade mal einen Monat später lässt Franz Pilhartz die Bürger wissen, dass er als Gemeinderat aufhört. Im Laufe dieses Jahres sei die Entscheidung gereift, sagt der Freie Wähler und versichert, dass sie rein gar nichts mit der neuen Lebensplanung der Rathauschefin zu tun hat. Dass er also nicht aufhört, weil die Person an der Spitze der Kommune – mit der er sich gut verstand – bald erneut wechselt. Und er sich dann an den vierten Rathauschef gewöhnen und mit ihm zusammenarbeiten müsste.

Jetzt gilt natürlich auch für Franz Pilhartz das gesprochene Wort. Und wenn der altgediente und sich um die Gemeinde verdient gemachte Gemeinderat das sagt, dann muss ich das nicht nur respektieren sondern auch glauben. Und doch fällt es schwer, die leisen Zweifel nicht lauter werden zu lassen. Sich auf eine Liste zur Kommunalwahl stellen zu lassen ist eine bewusste Entscheidung. Vor allem für jemanden, der nicht zum ersten Mal in den Ring steigt, sondern ein erfahrener Kommunalpolitiker und zudem seit 20 Jahren Bürgermeister-Stellvertreter ist. Kurzum: Für jemanden, der so gut wie sicher sein kann, auch nach dem Urnengang der Bürger wieder am Ratsrund zu sitzen. Franz Pilhartz hat sich entschieden, noch einmal anzutreten und wurde am 26. Mai wieder ins Gremium gewählt. Zwar hat ihn Vanessa Gruber als Stimmenkönigin überholt, doch die Freien Wähler gingen als die prozentual stärkste Fraktion aus dem Rennen.

Und jetzt, gerade mal sechs Monate später, nimmt Franz Pilhartz seinen Hut und beruft sich dabei auf sein Alter und die Formalien aus der Gemeindeordnung, die ihm den Weg für diesen Schritt ebnen. Der Freie Wähler ist seit mehr als zehn Jahren im Gremium und älter als 62 Jahre. Er kann also ohne Weiteres aufhören. Daran gibt es nichts zu rütteln. Aber ist damit alles gut? Ist es nicht.

Die Kommunalwahl ist wie keine andere eine Persönlichkeitswahl. Die Partei- oder Listenzugehörigkeit spielt für viele Wähler eine untergeordnete Rolle. Sie machen ihr Kreuz hinter dem Namen der Person, der sie vertrauen, bei der sie eine große inhaltliche Deckungsgleichheit kommunaler Themen sehen und der sie als Menschen schätzen. 2042 Stimmen haben die Erdmannhäuser Franz Pilhartz Ende Mai geschenkt. Ihm und keinem anderen. In dem Vertrauen darauf, dass er das Amt, für das er sich bewirbt, auch bis zur nächsten Wahl ausfüllt – sofern nicht schon vor der Wahl anders kommuniziert oder sofern nicht gewichtige persönliche Gründe für ein Ausscheiden sprechen.

Insofern empfinde ich es schon als eine Art Wählertäuschung, wenn ein Gemeinderat sich wählen lässt, um dann gerade mal ein halbes Jahr später zu sagen „das war’s“. Nicht falsch verstehen: Die Verdienste, die sich Franz Pilhartz in den vergangenen 35 Jahren erworben hat, schmälert es nicht. Sich so lange ehrenamtlich für eine Gemeinde einzusetzen ist alles andere als selbstverständlich und verdient großen Respekt. Pilhartz’ Abgang hinterlässt aber – zumindest bei mir – einen faden Beigeschmack.