Erdmannhausen/Tennis „Eine eigene Halle ist nach wie vor unser größtes Projekt“

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Ilona Schondelmaier wird demnächst ihren Posten als Jugendwartin räumen, Roland Beck ist seit 2015 Erster Vorsitzender. Foto: avanti

Erdmannhausen - Der TC Erdmannhausen ist nach dem TC Oberstenfeld der zweitgrößte Tennisverein im Verbreitungsgebiet. Der Erste Vorsitzende Roland Beck und Noch-Jugendwartin Ilona Schondelmaier äußern sich im Interview zur aktuellen Situation des Vereins und zu den drängendsten Problemen.

Wie schätzen Sie die derzeitige Gesamtsituation des TC Erdmannhausen ein?

Roland Beck: Wir sind grundsätzlich zufrieden mit der Situation. Wir haben eine recht konstante Mitgliederzahl knapp unter 400, davon jeweils etwa 100 Jugendliche, 100 über 60 Jahre und 100 zwischen 40 und 60 Jahren. Wir sind also sehr gleichmäßig strukturiert. Allerdings sind wir etwas Männer-lastig, was man auch an den Mannschaften sieht. Wobei das schon besser geworden ist. Als ich im Jahr 2000 nach Erdmannhausen gekommen bin, gab es eine aktive Damenmannschaft, eine Damen 30 und eine Damen 50. Im kommenden Sommer haben wir wahrscheinlich schon drei Damen 40-Teams, und auch im Aktivenbereich tut sich was. Die Entwicklung bei den aktiven Damen ist auch ein Verdienst von Ilona, da sind in den vergangenen Jahren viele aus dem Jugendbereich hochgekommen. Und was ich im Männerbereich sehr schön finde: Wir decken von den Aktiven bis zu den Herren 70 alle Altersklassen ab, mittlerweile haben wir ja auch eine 30er-Mannschaft. Und der Jugendbereich hat sich dank Ilonas Arbeit gut entwickelt. Ich war ja auch mal Jugendleiter und war zu dieser Zeit froh, wenn ich in jedem Bereich wenigstens eine Mannschaft hatte. Heute haben wir in manchen Altersklassen mehrere Teams.
Ilona Schondelmaier: Allerdings haben wir bei den Mädchen derzeit ein dickes Loch ab dem Jahrgang 2002, das zieht sich in den gesamten Juniorinnenbereich hoch. Es kommen solide von unten Kinder nach. Wir hatten 2018 zwölf Schnupperkinder, die ins Wintertraining übernommen wurden. Im Sommer werden wir vermutlich sogar zwei U8-Mannschaften melden können. Wir haben auch viele U12er, da sind es fast mehr Mädchen als Jungen. Aber es wird noch ein bis zwei Jahre dauern, bis wir wieder eine U14-Mädchenmannschaft melden können. Das kann man schwer beeinflussen. Trotz Mädchentag und Werbung in Kindergärten und Schulen – Jungs bleiben eher dabei. Im Jahrgang 2004 ist meine Tochter Leonie inzwischen alleine, wir haben somit in den Jahrgängen 2003 bis 2005 eine Lücke – die bekommt man vermutlich nur schwer geschlossen.

Nun ist Leonie ja kürzlich württembergische Vizemeisterin geworden. Hat sie dann überhaupt noch eine ihrer Spielstärke entsprechende Mannschaft?

Ilona Schondelmaier: Nachdem die Damen vergangene Saison in die Verbandsliga aufgestiegen sind, wird Leonie hier auf einem der vorderen Plätze hoffentlich ihre Punkte holen. Eine Juniorinnenmannschaft haben wir 2019 leider nicht.

Es wird bei der kommenden Hauptversammlung einen Wechsel auf dem Posten des Jugendleiters geben. Was ist da geplant.

Ilona Schondelmaier: Ich werde den Posten abgeben und künftig die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit machen. Ich habe ja bisher auch schon viele Berichte geschrieben, das ist jetzt kein Neuland. Und Karin Marktanner war nicht unglücklich darüber, dass sie diesen Bereich abgeben kann. Mein Nachfolger als Jugendleiter soll Dirk Stottmeister werden. Das ist mein Nachbar, der zwei sehr talentierte Kinder hat. Der ist quasi mit seinen Kindern jetzt in der Situation, in der ich damals war, als ich den Posten übernommen habe. Die sind im U8er- und U10er-Bereich, er selbst ist sehr engagiert, kommt mit dem nötigen Background – idealer kann es nicht sein. Der Jugendleiter steht zwar dieses Jahr nicht turnusmäßig zur Wahl an, aber die Übergabe war seit vergangenem Jahr geplant, und ich habe ihn 2018 sozusagen „eingelernt“.

Neben den Mannschaftsspielen hat in den vergangenen Jahren ja die Anzahl LK-Turniere stark zugenommen – auch beim TCE?

Roland Beck: Auf jeden Fall. Wir haben unser traditionelles LK-Turnier Mitte August für die Herren. Da gibt es mittlerweile drei Felder mit je 32 Teilnehmern. Und auch in den Altersklassen bieten wir mehrere LK-Turniere an. Eine Neuerung ist der Last Hope Cup für Damen und Herren am letzten Tag im September. Das ist dann der letzte Tag, an dem man Ergebnisse für die alte Saison machen kann. Wer also noch dringend Punkte braucht, um seine LK zu halten oder aufzusteigen, der hat hier die letzte Chance.

Vor einigen Jahren gab es ja eine rege Diskussion um einen möglichen Hallenbau. Wie ist denn hier der Stand der Dinge?

Roland Beck: Das war ja 2015 mehr oder weniger der Auslöser dafür, dass ich den Vereinsvorsitz übernommen habe. In der Mitgliederversammlung kamen damals viele Fragen zum Standort und vielem mehr. Als Folge dieser Nachfragen hat mein Vorgänger noch während der Versammlung seinen Rücktritt erklärt.
Ilona Schondelmaier: Ich glaube, dass die Fragen nicht einmal böse gemeint waren. Aber er konnte in dieser Situation damit einfach nicht umgehen. Das war sehr schade, auch um seine Arbeit.
Roland Beck: Es gab dann einen Hallenausschuss, und wir haben das Thema weitergetrieben. Wir hatten dann eine außerordentliche Mitgliederversammlung, auf der sich der Vorstand das Plazet geholt hat, den Hallenbau weiterzuverfolgen. Da ging es vor allem um die Kosten und ob die Mitglieder diese tragen wollen. Wir haben da also grünes Licht bekommen. Die Ampel ging aber dann leider auf rot, als es letztendlich von der Gemeinde aus keine Möglichkeit gab, einen Platz für die Halle zu finden.

Ist das Thema damit also beerdigt?

Ilona Schondelmaier: Nein, wir lassen nicht locker. Roland Beck: Eine erste Idee war es, dass wir am Neubau der Schulturnhalle die Tennishalle quasi andocken. Ilona Schondelmaier: Das war eigentlich eine gute Idee, die aber gleich abgelehnt wurde. Die Gründe weiß ich inzwischen, kann sie allerdings nicht unbedingt nachvollziehen. Aber egal, wir sind weiter am Bohren. Es gibt jetzt Vorschläge, die wir unterbreitet haben, wo wir uns vorstellen könnten, die Halle zu bauen. Die Gemeinde prüft das. Kurzum: Die eigene Halle ist nach wie vor unser größtes Projekt, wir brauchen sie.
Roland Beck: Wir haben den Spieß jetzt ein wenig umgedreht: Wir haben die Gemeinde nicht mehr gefragt, wo denn vielleicht ein Platz wäre, sondern haben selbst Vorschläge gemacht. Und nun muss die Gemeinde schauen, ob es dort geht. Da kommen dann natürlich unterschiedliche Probleme auf: Das eine ist Naturschutzgebiet, beim anderen gibt es bereits anderweitige Planungen oder aber man müsste mehrere Leute fragen, denen die Grundstücke gehören.
Ilona Schondelmaier: Bei der Größe einer Zweifeldhalle bräuchte man halt immer mindestens drei oder vier Flächengrundstücke. Das macht es natürlich schwierig. Unseren favorisierten Standort an der Ostseite der Anlage – also an der Rückseite vom Clubhaus – müssen wir jetzt nach mehreren Anläufen leider begraben.
Roland Beck: Man muss bei dieser Sache aber anmerken, dass Bürgermeisterin Birgit Hannemann wirklich auf unserer Seite ist. Sie unterstützt uns, versucht die entsprechenden Grundstücke zu kaufen oder bietet den Eigentümern Tauschgrundstücke an. Aber wenn jemand das schon seit 25 Jahren hat, jeden Baum persönlich gepflanzt und seine Hütte dort hat, dann möchte der dort nicht unbedingt weg. Ilona Schondelmaier: Direkt an der Anlage hatten wir eigentlich keine wirklich realistische Möglichkeit. Höchstens noch neben Platz 9, also ganz oben. Aber dieses Gelände wird eventuell als Reserve für weitere Freiplätze gebraucht.

Das heißt also, dass ein Standort direkt an der Anlage nicht mehr in der Diskussion ist?

Ilona Schondelmaier: Es gab auch Optionen, die sehr nah an der Anlage waren. Die momentan diskutierten Standorte sind jetzt nicht ganz so nah, aber immer noch fußläufig zu erreichen.
Roland Beck: Der ursprüngliche Vorschlag meines Vorgängers war es ja, die Halle mitten auf die Anlage zu bauen und dafür zwei Freiplätze zu opfern. Aber das wäre nicht gegangen. Im Gegenteil: Wir hatten sogar schon überlegt, einen zehnten Platz zu bauen. Denn während der Verbandsspielsaison – also von Mai bis zu den Sommerferien – ist die Anlage rappelvoll. Allerdings wirklich nur in dieser Zeit und dann erst ab dem späten Nachmittag. Ilona Schondelmaier: Wir haben uns im Vorstand jetzt aber geeinigt, dieses Thema nicht zu bearbeiten, bevor die Hallengeschichte nicht geklärt ist. Denn das ganze Thema Jugendtraining im Winter und die Hallenkapazitäten ist ein viel größeres Problem als ein zehnter Platz. Selbst die Fast-Learning-Kurse haben nicht dazu geführt, dass es große Wartezeiten gibt.

Was steckt denn genau hinter diesen Fast-Learning-Kursen?

Ilona Schondelmaier: Das ist ein Angebot für erwachsene Nicht-Mitglieder. Wir haben das über das Gemeindeblatt und mit ein paar Plakaten in Erdmannhausen publik gemacht. Darauf haben sich im ersten Jahr 25 bis 30 Personen gemeldet. Wir hatten im Vorfeld kalkuliert, dass es sich schon rechnet, wenn wir einen Kurs zusammenbekommen. Aber es waren deutlich mehr, im Herbst hatten wir sogar zwei Dreier-Kurse, also Leute, die das Ganze fortgesetzt haben. Man merkt da die Tendenz, dass die Leute sich nicht gleich binden wollen. Wir haben das jetzt auch für Kinder angeboten, das war dann ein Vier-Wochen-Programm. Die Erwachsenenkurse laufen ja über mindestens fünf und bis zu 22 Wochen. Also die Tendenz, sich nicht gleich eine Vereinsmitgliedschaft ans Bein binden zu wollen, ist einfach der Trend der Zeit. Die Leute wollen frei sein für etwas anderes oder aber, wenn sie Lust haben, den Folgekurs machen. Ich habe sogar von Leuten, die gerade den Dreier-Kurs beendet haben, Anfragen bekommen, ob sie den im Frühjahr nochmal machen können. Die Leute haben Spaß daran, und ich kläre es dann im Vorstand ab, ob wir das weiter anbieten.

Roland Beck: Das ist der richtige Weg, so kann man die Leute langsam reinholen, ohne dass sie gleich Verpflichtungen haben. Ich sehe das auch bei Jugendlichen, die jetzt im Studienalter sind: Sie wollen sich nicht festlegen. Sie gehen lieber für zwei Stunden ins Studio, zahlen dort eine Menge Geld, müssen aber keine Arbeitsstunden oder ähnliches leisten.

Ilona Schondelmaier: Wir haben das vom Preis-Leistungs-Verhältnis mal durchgerechnet, und da muss man ehrlich sagen: Wenn die Leute eine homogene Gruppe finden würden, die durch jemanden gesteuert ist, dann wäre es mit einer Mitgliedschaft nicht teurer – und sie könnten zusätzlich noch nach Lust und Laune spielen. Aber das ist der Trend der Zeit, und wir nähern uns dem weiter an. Wir haben für 2019 aus diesen Fast-Learning-Kursen zehn bis zwölf neue Schnupper-Mitglieder, die dann nach einem Jahr Voll-Mitglieder werden, wenn sie sich nicht explizit dagegen entscheiden.

Roland Beck: Es ist nur wichtig, dass man die Leute dann auch betreut. Es bringt ja nichts, neue Mitglieder zu haben, wenn man diese dann nicht integriert. Das war früher unser Problem mit der Breitensportgruppe, die waren praktisch ein Verein im Verein. Das war fast schon eine geschlossene Gesellschaft. Ilona Schondelmaier: Aber wir bekommen jetzt bei der Hauptversammlung auch wieder einen Breitensportwart. Das Amt war zuletzt unbesetzt. Ich bin sicher, dass der das Thema wieder neu beleben wird. Nur der Wirtschaftsdienst ist leider noch unbesetzt, da sind wir weiter auf der Suche.

Wir hatten über die Problematik der vollen Anlage ab dem Nachmittag während der Saison gesprochen. Spielt es da auch eine Rolle, dass das Jugendtraining aufgrund der Ganztagsschule nicht mehr so früh beginnen kann wie in früheren Zeiten?

Ilona Schondelmaier: Diese Problematik haben wir, und die wird auch immer größer. Wir trainieren mit den Jugendlichen oftmals bis 18 oder 18.30 Uhr, das geht manchmal einfach nicht anders. Wir müssen zwangsläufig in die Schulen gehen. Meine große Aufgabe, nachdem ich die Jugendleitung abgegeben habe, wird es sein, die Kooperationen auszubauen. Die laufen bislang mit der Astrid-Lindgren-Grundschule und dem Kindergarten Kunterbunt. Wir sind mit lizenzierten Trainern ganz gut bestückt, und wir schicken seit Jahren Jugendliche zur Mentorenausbildung. Das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach ist sehr interessiert daran, eine AG einzurichten. An meiner Schule, der Anne-Frank-Ralschule, wird es künftig eine neue Kooperation geben, die eine Kollegin leitet.

Das ist für den Verein aber ein ziemlich großer Aufwand.

Ilona Schondelmaier: Das ist es. Zumal wir ja keine Mentoren alleine eine AG leiten lassen. Es ist immer ein lizenzierter Trainer da, der dann von einem Mentor unterstützt wird. Wir haben jetzt zum Beispiel das Glück, dass an meiner Schule mit Lisa Grewe eine weitere lizenzierte Trainerin die AG leitet und meine Tochter Leonie uns als Mentorin unterstützt. Diese Qualität ist uns wichtig. Mein großer Traum wäre es, die Kapazitäten zu haben, um noch eine Ballschule für Kinder ab vier einzurichten.

Wie ist denn insgesamt die Trainersituation beim TC Erdmannhausen?

Ilona Schondelmaier: Wir haben mit Jakob Novotny einen Trainer, der an zwei bis drei Tagen vor allem den Leistungsbereich abdeckt. Daneben gibt es mit Stephanie Reuter, Lisa Grewe und mir noch drei Trainerinnen, mein Sohn Luca ist studienbedingt jetzt in Karlsruhe und fällt daher weg. Wir sind aber noch auf der Suche nach einem weiteren Trainer für ein oder zwei Tage. Das wäre mit einer eigenen Halle viel einfacher. Denn da hätten wir die Möglichkeit, einen hauptamtlichen Trainer anzustellen.
Roland Beck: Die fehlende Halle ist da der Haupt-Knackpunkt. Wir fangen ja im Sommer an, nach Hallenkapazitäten zu suchen. Derzeit ist unser Training verstreut in Rielingshausen, Tamm, Murr, manche unserer Mitglieder spielen in Freiberg. Man kann ja einen Trainer nicht in der Gegend herumschicken.
Ilona Schondelmaier: Und auch für die Eltern ist das ein großes Problem, wenn sie ihre Kinder im Winter durch die Gegend kutschieren müssen. Wenn es dann vielleicht noch zwei sind und bei diesen Verkehrsverhältnisse, ist es noch schlimmer.
Roland Beck: Wir hatten ja schon Gespräche mit potenziellen hauptamtlichen Trainern. Die sagen ganz klar, dass es zwei Voraussetzungen gibt: viele Jugendliche und eine eigene Halle.

Die vielen Jugendlichen wären ja nicht das Problem.

Ilona Schondelmaier: Nein – und wir haben ja auch seit einigen Jahren einen Fördertopf, mit dem wir talentierte Jugendliche unterstützen. Das beginnt auch schon bei den Kleinen, da sind jetzt schon einige Kinder der Jahrgänge 2010/11 eingebunden, die an den Leistungssport herangeführt werden sollen. Was natürlich auch mit einer eigenen Halle leichter wäre, weil man ihnen dann eher zweimal pro Woche Training anbieten könnte. Man sieht das auf den ersten Blick vielleicht nicht, aber an der eigenen Halle hängt sehr viel.

 

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