Erdmannhausen „Schmusetier ist kein Kampfhund!“

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Die 14-jährige Hündin Kira ist nach Ansicht ihrer Besitzerin Bianca Konz „unheimlich lieb und verschmust“. Foto: Frank Wittmer

Erdmannhausen - Bianca Konz weiß die sozialen Medien für ihre Zwecke einzusetzen: Ihre Hündin Kira hat eine eigene Facebook-Seite. Seit der private Radiosender „Die Neue 107.7“ mit Sitz in Stuttgart im Rahmen der Aktion „Wir zahlen deine Rechnung“ die Kampfhundesteuer in Höhe von 540 Euro für Kira übernommen hat, ist der Account nahezu explodiert. „Ich habe innerhalb eines Tages 170 Rückmeldungen bekommen. Gut, dass ich gerade Urlaub habe, das Telefon ist nicht still gestanden.“

Die Auseinandersetzung um die Kampfhundesteuer, die Erdmannhausen vergangenes Jahr eingeführt hat, geht also in eine neue Runde mit erweiterter medialer Aufmerksamkeit. Heute kommt der Radiosender mit einem Filmteam, um ein Video zu drehen, das auf der Internetseite veröffentlicht werden soll. Bianca Konz’ Grundaussage ist dieselbe geblieben: „Kira ist ein ganz lieber Hund, sehr schmusebedürftig und unheimlich treu.“ Die Rasse ist ein „Staffordshire Bullterrier“ und habe weder mit dem „American Staffordshire Terrier“ noch dem bekannten Pitbull viel gemeinsam. „Der Staffordshire Bullterrier wird in der Polizeiverordnung als Kategorie II geführt, während American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier als Kategorie I grundsätzlich eine Haltergenehmigung und einen Wesenstest erfordern“, erklärt Konz, die sich mit den Vorschriften ihrer Meinung nach besser auskennt als manche Mitarbeiter in den Ämtern.

Schon bei der Anmeldung vor 14 Jahren habe sie „viel Zeit in Rassegutachten investiert“. Manche Hundehalter machen es sich einfach und melden ihren Rassehund als „Mischling“ an. „Das kann kaum jemand überprüfen, der sich nicht sehr gut mit Hunderassen auskennt. Wer ehrlich ist, wird bestraft.“ Dabei wäre es Bianca Konz weniger um die Einstufung ihres Hundes gegangen, sondern eher darum, dass es eine Art „Bestandschutz“ gegeben hätte. „Was ich nicht verstehe ist, dass Kira jahrelang als normaler Hund gegolten hat, und jetzt auf einmal ein gefährlicher Kampfhund sein soll.“

Wie so oft liege es am Halter, welcher Wesenszug beim Hund dominant wird. So könne man auch einen Schäferhund „scharf“ machen. Die meisten Beißattacken gehen von Schäferhunden, Dobermännern, Rottweilern und große Mischlingshunden aus – was aber auch daran liegt, dass es insgesamt mehr Hunde gibt.

Ihre Kira sei jedenfalls nicht aggressiv. Auch Unbekannte würden, wie Bianca Konz beschreibt, freudig nach dem Motto begrüßt: „Ich will doch nur schmusen.“ In Erdmannhausen seien sie und Kira bestens bekannt, so dass niemand Angst vor der schon etwas betagten Hündin haben müsse. „Was ich schon komisch finde: Ich laufe in Erdmannhausen mit einem gefährlichen Kampfhund los und sobald ich das Ortsschild von Affalterbach erreicht habe, ist Kira wieder ein ganz normaler Hund.“

Mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit will Bianca Konz die Aufmerksamkeit auf das ihrer Meinung nach eigentliche Problem lenken: „Mit Rasselisten erreicht man wenig. Es kommt ja kein Hund böse auf die Welt.“ Vielmehr sollte man die Halter strenger kontrollieren und bei den Zweibeinern am Ende der Leine einen „Wesenstest“ durchführen.

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