Erdmannhausen Massive Beschwerden über Wildpinkler

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Einer von zwei Toilettenwagen – unklar ist, ob mehr Kapazitäten die Wildpinkler abgehalten hätten. Foto: Oliver von Schaewen

Erdmannhausen - Manuel Hendak wohnt seit fünf Jahren im Ortskern von Erdmannhausen. Das Straßenfest kann er nicht genießen. Der Grund sind Wildpinkler, die abends gegen seine Hauswand in der Rathausgasse urinieren. „Wir Anwohner können nicht aufs Fest – wir müssen aufpassen, dass niemand unsere Fassade kaputt pinkelt.“ Das Problem sei die Aggressivität der Leute: Von einem sei er sogar am Samstag gegen 23 Uhr mit dem Tod bedroht worden, er würde ihm mit einem Bierglas den Schädel zertrümmern. Hendak rief die Polizei und konnte den Mann im Fest wiederfinden. Jetzt läuft gegen ihn eine Strafanzeige.

Von der Erdmannhäuser Verwaltung erwartet Manual Hendak beim Straßenfest mehr Unterstützung. Die Einschätzung, „alles sei ruhig“ gewesen (wir berichteten), teile er aufgrund seiner Erfahrungen nicht. Ein Nachbar sei sogar geschlagen worden, als er einen Wildpinkler ansprach. Hendak beobachtet eine Zunahme des Problems: „In diesem Jahr war es besonders schlimm: Der Garten eines Nachbarn war von Fäkalien und Erbrochenem übersät.“ Die Verwaltung habe ihm einen Bauzaun als Prävention in Aussicht gestellt – „passiert ist aber nichts“. Auch die Security habe erst Wildpinkler ermahnt, als die Polizei wegen des Vorfalls auf dem Festgelände eingetroffen sei. Und das Ende des Festabends habe sich auch nach hinten verlagert. „Bis kurz vor 2 Uhr kam noch laut Musik aus einem Zelt.“ Er könne verstehen, dass die Vereine Umsatz machen wollen, aber er wolle auch zur Ruhe finden und werde mit anwaltlicher Hilfe auf ein früheres Festende drängen.

Die Probleme mit Wildpinklern bestätigt Sylke Kraska, Geschäftsführerin des Security-Dienstes aus Marbach. „Es war diesmal richtig massiv“, sagt sie. Ihre Mitarbeiter hätten bis zu 40 Wildpinkler binnen einer halben Stunde ermahnt. „Das Problem war einfach, dass die beiden Toilettenwagen diesmal nicht ausgereicht haben – das Fest war sehr gut besucht, und die Leute haben sich beklagt, sie müssten lange anstehen.“ In Gesprächen hätten die Ermahnten dann einsichtig reagiert.

Entsetzt über das Ausmaß des Wildpinkelns ist die Erdmannhäuser Verwaltung. „Das ist eine Riesenschweinerei und uns auch irgendwie peinlich“, sagt Eberhard Immel, Kämmerer der Gemeinde und Beauftragter fürs Fest. Über die Bedrohung des Nachbarn in der Rathausgasse sei er am Sonntag noch nicht informiert gewesen. „Wir hatten bis dahin weder von der Security noch von der Polizei etwas davon gehört, sondern erst am Montag.“

Dass das Wildpinkeln überhaupt nicht gehe, sei klar und man verstehe den Ärger der Nachbarn, sagt die Bürgermeisterin Birgit Hannemann. Man könne nicht flächendeckend Bauzäune aufstellen, man werde aber den Ein- und Zugang über die Rathausgasse künftig absperren. Ob mehr Toilettenwagen etwas bringen? „Wir hatten bei den bisherigen Straßenfesten ebenfalls zwei Wagen und am Samstag sicherlich nicht mehr Besucher, als dies in den Jahren zuvor der Fall war“, sagt die Bürgermeisterin. „Ich zweifle stark daran, dass den Wildpinklern durch mehr Toilettenwagen Einhalt geboten werden kann.“ Dennoch prüfe die Verwaltung, ob künftig mehr Kapazitäten benötigt werden.

In der Toilettenfrage gab es am Montag noch einen Hinweis aus den Reihen des Gastrupps. Vor dem WC-Wagen in der Pflasterstraße hätten sich Schlangen sowohl vor dem Damen- als auch vor dem Herreneingang gebildet. „In dem Herren-WC früher waren Rinnen mit mehr Stehplätzen, jetzt sind es zwei Einzelpissoirs“, sagte ein Gastrupp-Mitarbeiter.

Über das Festende werde sich die Verwaltung Gedanken machen müssen, sobald die Berichte von Polizei und Security-Dienst vorlägen, teilt Birgit Hannemann mit. Die Vereine hätten nur bis 1 Uhr ausschenken dürfen, aber überzogen. „Dadurch sind die Gäste länger geblieben.“ Man müsse darüber reden, die Zeiten vorzuverlegen, um die Nachbarn besser zu schützen. Das gelte auch für den Festausklang am Montag, für den eine Sperrstunde um 24 Uhr vorgesehen sei. „Viele müssen am nächsten Tag arbeiten.“ Dem Security-Dienst, den man zum zweiten Mal eingesetzt habe, bescheinigt Birgit Hannemann eine gute Arbeit.