Deutsch-Australierin, die in Erdmannhausen lebt: „Es tut mir in der Seele weh“

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Die Buschbrände lassen auch hier in Deutschland lebende Australier nicht kalt. Foto: dpa

Stephanie Siebert lebt mit australischem Pass in Erdmannhausen. Die Buschbrände in dem Kontinent schockieren sie.

Erdmannhausen - Zehn Jahre hat Stephanie Siebert in Australien gelebt, in der Tourismusbranche gearbeitet und ist mit einem australischen Pass nach Deutschland zurückgekommen. Auch heute hat sie noch Kontakt zu Freunden, Arbeitskollegen, Geschäftspartnern, die mit den verheerenden Bränden leben müssen.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie die apokalyptischen Bilder aus Australien sehen?

Es tut mir in der Seele weh zu sehen, wie diese Brände Hab und Gut von Menschen zerstören, diese sogar Menschenleben kosten, Tiere verenden. Es ist in manchen Regionen dramatisch.

Haben Sie aktuell Kontakt zu Freunden?

Ein guter Freund hat auf Facebook berichtet, dass es endlich Regen gegeben hat und sein Haus gerettet werden konnte, die Freude war riesig. Eine andere Freundin reist gerade mit ihrer Familie durchs Land und musste vereinzelt die Route ändern, um sich nicht in Gefahr zu bringen.

Wie ist die Stimmung im Land? Sind die Menschen verzweifelt?

Die Australier haben grundsätzlich eine sehr positive Haltung zum Leben. Sie halten zusammen und helfen sich gegenseitig. Es gibt auch eine sehr große Spendenbereitschaft für Opfer der Brände.

Wie ist die Stimmung im Land in Bezug auf die Regierung? Premierminister Morrison hat sich nicht mit Ruhm bekleckert . . .

Morrison hat spät reagiert und Fehler gemacht, bei der Bekämpfung der Waldbrände, mittlerweile aber auch zugegeben, dass nicht alles richtig verlief. Er ist tatsächlich in einer schwierigen Situation und zurzeit nicht sehr beliebt.

Er war bis zum Wochenende der Ansicht, dass der Klimawandel nichts mit den Bränden zu tun hat. Wie sehen das Australier?

Die sind schon länger anderer Ansicht. Waldbrände gehören seit jeher zu Australien. Aber die Hitze, Dürre und der Wind 2019 haben die Situation stark angefacht – und das sind auch Folgen des Klimawandels. Viele sind nicht einverstanden mit dem, was die Regierung in Bezug auf den Klimawandel bis jetzt getan hat.

Erst jetzt hat Morrison angekündigt, dass er die Klimapolitik Australiens, dem größten Kohleexporteur der Welt, ändern möchte. Wird sich etwas ändern?

Ich kann mir vorstellen, dass die Klimadebatte jetzt noch intensiver wird. Angesichts der Brände ist der Druck der Opposition und auch der Bevölkerung auf die Regierung noch stärker geworden. Die Menschen wollen mehr Klimaschutz. Es muss gehandelt werden, mehr für erneuerbare Energien getan werden. Das Land hat zum Beispiel Sonne pur.

Ist der Tourismus gefährdet?

Australien ist ein Sehnsuchtsland für viele, und der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Das Land kennenzulernen ist ein einzigartiges Reiseerlebnis. Man kann sich informieren, in welche Gebiete man unbesorgt reisen kann. Australien ist 21-mal so groß wie Deutschland: Es gibt also viele Regionen, die trotz Bränden in anderen Teilen Australiens sicher bereist werden können.