Energiewende in Großbottwar Idee für Wärmenetz unter Radweg

Von
In Wärmepumpen werden bei der Energiewende große Hoffnungen gesetzt. Foto: Archiv (dpa/Viessmann)

Die Stadt Großbottwar will ermitteln lassen, wo welche alternativen Energiequellen eingesetzt werden könnten. In Winzerhausen geht man sogar schon einen Schritt weiter.

Die Zahlen, die Anna Proß von der Ludwigsburger Energieagentur (LEA) jetzt mit in den Gemeinderat von Großbottwar brachte, sind wahrlich kein Ruhmesblatt für die Stadt. Lediglich 12,2 Prozent der Wärme, die in der Kommune 2016 verbraucht wurde, stammte demnach aus grünen Quellen. Doch dieser Wert – aktuellere gibt es laut Proß noch nicht – soll perspektivisch schlagartig hoch gefahren werden. Die Kommune möchte sich in puncto Heiztechnik komplett neu aufstellen.

Aus Sicht des Experten läuft es auf zwei Technologien hinaus

Als Basis dafür soll für die Gemarkung eine Art Roadmap erstellt werden. Darauf kann man dann ablesen, für welches Gebiet sich welches System am besten eignet, erklärte Raphael Gruseck von der LEA. Wobei aus seiner Sicht in aller Regel überhaupt nur zwei Technologien für den allgemeinen Hausgebrauch infrage kommen. „Wir sehen die Lösungen ganz klar bei Wärmepumpen oder Wärmenetzen“, betonte der Fachmann. Beide Modelle zeichneten sich durch eine hohe Effizienz aus. Wobei es im Detail Unterschiede gebe. Solitäre Wärmepumpen, die einen gewissen Geräuschpegel und einen bestimmten Platzbedarf mit sich brächten, sehen Gruseck und sein Kollege Steffen Petruch eher in weniger dicht bebauten Siedlungen. Netze könnten hingegen in engen Bereichen wie dem Stadtkern das Maß der Dinge sein.

Schnell den Energieträger wechseln

Der große Vorteil der Verbünde sei, dass das Wasser über verschiedene Quellen erhitzt werden könne. „Ich kann zum Beispiel die Abwärme nutzen von der Industrie oder einer Biogasanlage oder eine Freiflächensolarthermieanlage oder Wärmepumpen einbinden“, erklärte Gruseck. Außerdem könne man zügig auf Marktentwicklungen reagieren. Stelle man dann den Energieträger um, geschehe das obendrein auf einen Schlag für hunderte Haushalte.

Geduld gefragt

Bis in Großbottwar aber tatsächlich der erste Schalter für so ein Netz umgelegt wird, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Bürgermeister Ralf Zimmermann betonte, dass zunächst geplant, investiert und gebaut werden müsse. Die jeweils passende Heizquelle müsse ebenfalls ermittelt werden. „Das dauert fünf Jahre, wenn es ganz schnell geht“, prognostizierte er. In einem allerersten Schritt will sich die Kommune nun um Fördermittel für die Planungen bewerben und sich Angebote von Fachbüros einholen.

Kann Winzerhausen an Ilsfeld angedockt werden?

Weiter ist man in Winzerhausen. Für den Stadtteil wird bei der LEA eine Machbarkeitsstudie für ein Wärmenetz in Auftrag gegeben. Dieses Vorpreschen hängt damit zusammen, dass sich dort just jetzt über ein anderes Projekt eine wohl einmalige Chance auftut: Wenn der anvisierte Radweg zum Abstetterhof gebaut wird, könnte man unter Umständen Rohre unter der Trasse verlegen – und sich an das bestehende Wärmenetz von Ilsfeld andocken, das von der Biogasanlage in Beilstein gespeist wird. „Mit dem Radweg hätte man schon die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Und der Tiefbau ist bei einem Wärmenetz einer der größten Kostenpunkte“, erläuterte Raphael Gruseck, warum man die Gelegenheit beim Schopfe packen sollte. Die Biogasanlage habe außerdem noch Kapazitäten für Abnehmer. Aber noch weitaus spannender sei, dass Ilsfeld stark auf erneuerbare Energien setze und große technologische Innovationen wie eine Solarthermieanlage ins Auge fasse, über die das Netz mit Wärme gefüttert werden könnte.

Alternative zum Gas

Umgekehrt habe Winzerhausen kein Gasnetz, weshalb mutmaßlich überwiegend mit Öl geheizt werde, sagte Ralf Zimmermann. Insofern könne es sich dort lohnen, mit der Nahwärme eine Alternative anzubieten – so auch die politisch Verantwortlichen in Ilsfeld am Ende einverstanden seien, bei denen man schon vorgefühlt habe. Ob der Anschluss an die vorhandenen Leitungen aber tatsächlich ökologisch und ökonomisch Sinn ergeben würde, soll eben nun von der LEA untersucht werden.