Ehrenamt in der Krise Hemmschwelle in Altenheimen senken

Von Oliver von Schaewen
Schülerinnen spielen mit Bewohnerinnen „Mensch ärgere dich nicht“. Foto: Archiv (privat)

Jeder Einzelne, aber auch die Politik muss gegensteuern und dem Trend zum Wegschauen bei Altenpflegeheimen entgegenwirken.

Was wäre unsere Gesellschaft ohne das Ehrenamt? Eindeutige Antwort: arm! Sichtbar wird das an der Rolli-Gruppe in Oberstenfeld. Viele freiwillige Schieber bedeuten viele glückliche Gesichter. Ohne Zupacken passiert nichts. Es muss beunruhigen, dass die Fördervereine der Kleeblatt-Heime im Landkreis Ludwigsburg massive Nachwuchsprobleme haben. Wohl gemerkt: Die Rolli-Gruppe, die sich 14-tägig trifft, stellt noch ein niederschwelliges Angebot dar, das dem einzelnen Helfer nicht all zu viele Pflichten aufbürdet. Ein Café im Altenheim in Schwung zu halten oder im Verein als Kassierer Verantwortung zu übernehmen – das möchten sich die meisten Menschen nicht mehr geben. Die Coronapolitik mit der Schutzstrategie für die Altenheime – wie auch immer man sie bewerten mag – hat diesen Trend noch verstärkt. Wo Angst im Spiel ist, fehlt der Mut zur Tat.

Beim Blick nach vorne fällt auf: Wer ins Altenheim geht und sich einsamen Menschen ohne Angehörigen zuwendet, bekommt auch selbst viel zurück. Die Motivation für einen solchen Herzensdienst muss aber von innen kommen und kann nicht verordnet werden. Die Kleeblatt-Fördervereine sind nach wie vor eine gute Basis, um sich als Einzelner anzudocken. Ähnliches gilt für andere Altenpflegeheime: Der persönliche Kontakt mit einer verständnisvollen Heimleitung oder einem erfahrenen Netzwerker im Förderverein schafft eine einladende Atmosphäre und ermöglicht eine Beheimatung des ehrenamtlichen Engagements.

Die Hemmschwelle zu den Altenheimen senken könnte aber auch die Politik. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fordert zu Recht ein soziales Pflichtjahr für alle Menschen in der Gesellschaft. Zwar ist nicht jeder persönlich geeignet, um auf einer Pflegestation für Abwechslung zu sorgen. Doch es würde mehr Menschen geben, die sich in den chronisch überlasteten Heimen ausprobieren würden. Und es könnte unter den jungen Leuten mehr Begeisterung für den Pflegeberuf entstehen. Wenn die Träger dann noch die Bezahlung verbessern, würde das die Probleme der demografischen Entwicklung vermindern. Eine Ehrenamtskarte mit verbilligten Eintritten ist ein netter Schulterklopfer, wird die Situation in Altenheimen aber kaum verändern.