Eberhard Zoller wird 80 Kein Unternehmer von Geburt an

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Eberhard Zoller ist im April 1968 ins elterliche Unternehmen eingestiegen Foto: Werner Kuhnle

Eberhard Zoller, Seniorchef der gleichnamigen Firma mit Sitz in Pleidelsheim, feiert seinen 80.  Geburtstag. Obwohl sein Werdegang anders geplant war, sieht er sich bis heute als Glückspilz.

Pleidelsheim - Der Unternehmer und Maschinenbauingenieur Eberhard Zoller wird heute 80 Jahre alt – und blickt zu diesem Anlass auf 50 Jahre in seiner gleichnamigen Firma zurück. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen hat der Jubilar ein Unternehmen mit heute über 880 Mitarbeitern geschaffen. Der „Hidden Champion“ seines Fachbereichs ist Weltmarktführer und an 85 Standorten auf dem Globus vertreten. „Die Chinesen kaufen gerne unsere Einstell- und Messwerkzeuge. Für die sind wir so eine Art Gucci oder wie ein wertvolles Schweizer Chronometer am Handgelenk“, schmunzelt der Seniorchef.

Leben als Jungingenieur gefällt ihm

„Nein, Unternehmer von Geburt an bin ich keiner“, erinnert sich Eberhard Zoller an die Anfänge zurück. Eigentlich hätte er sich ein Leben als angestellter Jungingenieur nach seinem Studium viel besser vorstellen können. Die Nachteile einer Unternehmerfamilie erlebt er schließlich bei seinen Eltern, die manches Problem ins Privatleben hinübertragen, hautnah mit. Fürs Praktikum zieht es ihn daher zu Heidelberger Druck in Wiesloch. Das Leben als junger, talentierter Ingenieur gefällt ihm und seiner damaligen Frau so gut, dass er über Weihnachten 1967 seinem Vater für den Einstieg ins elterliche Unternehmen absagen will.

Doch dazu kommt es nicht, das Leben hat anderes mit Eberhard Zoller vor. Im Januar 1968 erkrankt sein Vater schwer. Da ist es aus mit dem Leben in Anstellung.

Zerreißprobe zwischen Familie und Beruf

Stattdessen steigt Eberhard Zoller also im April ins elterliche Unternehmen ein – mehr von der Pflicht gerufen als aus Überzeugung. Er entwickelt die Vision seines Vaters weiter und das Unternehmen mausert sich zum Spezialisten für das Einstellen und Vermessen von Werkzeugen für Präzisionsprodukte überall dort, wo höchste Qualität gefragt ist. Doch Zoller ist ein Familienmensch ist – und so steht findet er sich in der Zerreißprobe.

Das bleibt nicht ohne Folgen, „denn das viele Schaffen hat seinen Preis“, wie Zoller berichtet. Seine erste Ehe hält dem Druck nicht Stand. Drei Kinder gehen aus dieser Verbindung hervor, die Söhne Christoph und Alexander sind heute die Geschäftsführer und leiten den operativen Betrieb.

Bittere Lektion hat gesundheitliche Folgen

Nicht die einzige bittere Lektion: 1992 beschäftigt Zoller in der eigenen Fertigung rund 150  Menschen. Plötzlich brechen jedoch die Aufträge ein – von 92 verkauften Geräte, bricht der Umsatz auf vier Geräte ein. Zoller muss Leute entlassen: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie hart das ist, denn die Firma ist ja schließlich wie seine Familie.“ Seitdem leidet er unter Bluthochdruck, der ihn fortan durchs Leben begleitet.

Heute ist Zoller wieder glücklich verheiratet und keiner, der klagen würde oder Mitleid will. Obwohl er seit der Jugend nie mehr Handball spielen konnte und auch sonst für Hobbys keine Zeit bleibt, sieht er sich als Glückspilz.

Stolz auf Leistung der Söhne

Mit Stolz schildert er, wie seine Söhne für die Internationalisierung in Richtung Amerika und Asien verantwortlich sind – und damit die Basis des heutigen Erfolgs legten. Sein Credo „Wir machen das einfach“ würden sie voll und ganz leben. Ganz besonders freut Zoller auch, dass seine beiden Nachfolger bei ihrer Arbeit nicht nur das Problem eines Einzelnen angehen, sondern meist eine Gesamtlösung auf den Weg bringen. Das mache sich bezahlt. Anders als Zoller gäbe es heute viele Firmen aus seiner Anfangszeit nicht mehr, oder sie wurden geschluckt.

Traurig macht den Seniorchef hingegen, wie wenig die Politik über sichere Arbeitsplätze oder den Stand der Digitalisierung in Deutschland spreche. Wenn seine beiden Söhne aus dem Ausland berichten, merke er, wie langsam hier Innovation vorankommt. Zoller versucht besser zu sein: Schon 1993 wurde Software selbst entwickelt, die ihm auf Messen aus der Hand gerissen wurden. Heute ist daraus eine Gruppe von Softwareentwicklern geworden, die die bestehenden Produkte ergänzen und den Erfolg am Weltmarkt sichern sollen.