Die Freitagsreportage In einem Meer aus Paketen und Briefen

Von Sandra Brock
Pakete, soweit das Auge reicht. Die Mitarbeiter behalten den Überblick. Foto: avanti

Der Zustellstützpunkt der Post in Oberstenfeld ist Drehpunkt für zigtausend Sendungen täglich. Von hier aus werden rund 11 000 Haushalte versorgt.

Oberstenfeld - Kistenweise Briefe, containerweise Pakete, Rollwagen voller Warensendungen, Kartons mit Postwurfsendungen, und, und, und . . . Die schiere Menge macht einen Außenstehenden ein bisschen wirr im Kopf. 10 000 bis 12 000 Briefe und mehr als 3000 Pakete werden jeden Morgen im Zustellstützpunkt in Oberstenfeld sortiert und in die richtigen Bahnen geleitet, sodass die Zusteller in ihren Bezirken in Beilstein, Oberstenfeld und Großbottwar den Bürgern ihre Post bringen können. 11 270 Haushalte sind es insgesamt, die von hier aus versorgt werden.

Und geht es auch Schlag auf Schlag – von Chaos keine Spur. „Man braucht eine gute Organisation, sonst funktioniert es nicht“; sagt Katja Fuchs, die Standortleiterin. Normalerweise kommt der Lastwagen vom Briefzentrum Waiblingen um 7.20 Uhr in Oberstenfeld an. An diesem Tag war er 15 Minuten später dran. Deshalb steht aber im Zustellstützpunkt die Welt nicht still. Im Gegenteil. Die ersten Pakete werden bereits um 5.25 Uhr geliefert, es folgen vier weitere Lastwagen bis um 9 Uhr. Damit es in der eigentlich zu kleinen Halle in den Schafwiesen weiterhin noch ein Durchkommen gibt, müssen die Pakete schnell „verschafft“ werden. Und da helfen alle zusammen.

Am Ende muss die Gangfolge passen

Und dann eben die Briefe. Sie werden auf 22 Bezirke verteilt und sind teilweise bereits in Waiblingen maschinell vorsortiert worden. Besonders große oder dicke Sendungen gilt es aber, händisch in die Fächer zu ordnen, zudem gibt es einige Besonderheiten zu beachten, etwa ob jemand einen Nachsendeauftrag hat. Die Mitarbeiter sind routiniert am Sortieren, sodass am Ende die sogenannte Gangfolge passt – sie also in ihrem Bezirk ein Haus nach dem anderen und eine Straße nach der anderen abklappern können.

Und auch wenn die Zusteller mit Autos unterwegs sind, kommt da einiges an fußläufiger Strecke zusammen. Über 20 000 Schritte pro Tag hat Katja Fuchs auf ihrem Handy. „Und ich habe nur einen kleinen Bezirk“, betont sie. Schließlich gibt es für sie als Standortleiterin noch einiges zusätzlich zu tun. Katja Fuchs kümmert sich um Reklamationen, organisiert Ersatz, wenn ein Kollege krank ist, plant Einarbeitungen . . . Und bereitet wie nebenher ihre Gangfolge vor.

„Ich mag meinen Job und ich genieße den Kundenkontakt“

Weil eine Dame innerhalb des Bezirks umgezogen ist, sortiert die Standortleiterin die Post an sie gleich entsprechend um. „Wenn es über den Nachsendeantrag zurück nach Waiblingen ginge, gäbe es ja eine Verzögerung“, erklärt sie. Katja Fuchs und ihre Kollegen kennen ihre Bezirke. Und die Leute dort. „Wir Zusteller draußen genießen so großes Vertrauen.“ Corona habe offensichtlich das Ansehen bei den Bürgern weiter steigen lassen. „Ich mag meinen Job und ich genieße den Kundenkontakt“, sagt sie. Für viele sei man Ansprechpartner – nicht nur, was Briefe oder Pakete angeht. Früher hat Katja Fuchs in der Gastronomie gearbeitet. „Da ist man alles – vom Seelsorger bis zum Scheidungsanwalt.“ Viel anders sei es nun auch nicht. Manche Senioren wollen gern ein Schwätzle halten, anderswo gibt es ein Täfele Schokolade.

Natürlich gebe es solche und solche. „Diejenigen, die unzufrieden sind, weil man kurz vor ihrer Einfahrt steht, obwohl sie gar nicht raus müssen“ zum Beispiel. Geärgert hat sie sich auch, als eine ganze Europalette mit Marmorkies auszuliefern war. 36 Kartons à 33 Kilo. „Da hätte man eigentlich eine Spedition beauftragen müssen“, stellt sie klar.

„Es gibt nichts, was nicht verschickt wird“

Überhaupt ist das Spektrum, das im Zustellstützpunkt eintrifft und weiterverteilt wird, riesig. „Es gibt nichts, was nicht verschickt wird“, sagt Katja Fuchs. Tierfutter, darunter auch lebendige Tiere wie Grillen oder Mäuse, Staubsauger, Lebkuchen, Blumen, Medikamente, Fernseher, Bürostühle, Wein, Fahrräder . . . Und bei manchen Dingen stoßen die Zusteller durchaus an ihre Grenzen, was Größe und Gewicht angeht.

Aber auch generell. „Seit Corona haben wir hohe Paketmengen.“ Das hohe Arbeitsaufkommen, das normalerweise nach der Weihnachtszeit wieder etwas abflache, sei seit fast zwei Jahren nicht mehr heruntergegangen. „Die Mengen sind gleich geblieben, und ich glaube auch nicht, dass sich das ändert.“ Inzwischen sind weitere Kollegen in Oberstenfeld hinzugekommen, die unter anderem sogenannte Entlastungsfahrten machen. Alle zusammen machen sich zwischen 9.30 und 10 Uhr in ihren gut gefüllten gelben Autos auf den Weg, die Halle ist wie leer gefegt. Die 10 000 Briefe und 3000 Pakete kommen gleich an ihrem Ziel an. „ Ich habe das beste Team der Welt“, sagt Katja Fuchs – und setzt sich ebenfalls ins Auto.