Deutsche Premium-Autobauer Wie Daimler, Audi und BMW durch die Krise kommen

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BMW tut sich in der Krise leichter – unter anderem wegen seiner E-Autos. Foto: dpa/Lino Mirgeler

Der Münchner Autobauer BMW steht trotz Corona-Pandemie aktuell besser als die Konkurrenten Audi und Daimler da, unter anderem wegen seiner E-Autos. Der Autobauer aus Stuttgart hat es deutlich schwerer als die Konkurrenz.

München - Die Corona-Pandemie hat fast die komplette Automobilbranche in die Verlustzone gestürzt. An roten Zahlen im Umfang von 212 Millionen im Quartal von April bis Juni ist auch der deutsche Premiumhersteller BMW nicht vorbeigekommen. Aber zum Halbjahr haben die Münchner 362 Millionen Euro Überschuss geschafft. Die operativen Gewinne vor Steuern und Zinsen liegen sogar über der 700-Millionen-Euro-Marke.

Das können die wenigsten Autobauer derzeit bieten. Beim Premiumkonkurrent Audi stehen nach sechs Monaten rund 750 Millionen Euro operativer Verlust zu Buche, bei Daimlers Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars sind es 615 Millionen Euro Miese. Mindestens eine schwarze Null will BMW auch bis Jahresende schaffen, was machbar scheint.

China macht Hoffnung

„Wir blicken mit vorsichtiger Zuversicht auf das zweite Halbjahr und streben für 2020 weiterhin eine operative Marge im Segment Automobile zwischen null und drei Prozent an“, sagte Konzernchef Oliver Zipse zur ­Vorlage eines Zwischenberichts. Ohne eine zweite Infektionswelle mit harten Einschränkungen für die Wirtschaft werde BMW 2020 ein positives Konzernergebnis erreichen, stellte der Finanzchef Nicolas ­Peter klar.

Hoffnung macht vor allem das Geschäft in China, wo der Absatz zwischen April und Juni um satte 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gesteigert werden konnte. Im Juli lägen die Verkäufe dort „deutlich“ über dem Vorjahr, betonte Zipse. Dazu kommt ein anziehender Absatz von elektrisch angetriebenen Autos.

Während die Bayern konzernweit über alle drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce zum Halbjahr mit 962 000 Autos knapp ein Viertel weniger verkauft haben, hat der Absatz von Stromern aller Art unterm Strich um gut drei Prozent auf knapp 62 000 Fahrzeuge zugelegt.

Speziell in Deutschland profitiert BMW aktuell von den staatlichen Boni dafür. „Bei Beantragungen für die Umweltprämie ist BMW weit vorn“, erklärte Zipse. Im Juli habe der Elektroautoabsatz global um die Hälfte zugelegt und werde bis Jahresende wohl nahe an 200 000 verkaufte Elektromobile kommen.

Neue Rekordwerte

Auf Basis von Einzelmodellen reklamiert allerdings mittlerweile Audi mit dem vollelektrischen e-Tron unter deutschen Premiumherstellern die Marktführerschaft im globalen Maßstab für sich. Vom Audi e-Tron haben die Ingolstädter zum Halbjahr knapp 17 000 Fahrzeuge abgesetzt. Wie BMW profitiert auch Audi vom anziehenden Chinageschäft. Der Mai und der Juni haben gegenüber den Vorjahresmonaten für die Marke mit den vier Ringen dort neue Rekordwerte gebracht.

Davon gestützt hat Audi den Absatzschwund im ersten Halbjahr global auf 22 Prozent beschränken können. Das bedeutet gut 707 000 Verkäufe. Bei Mercedes ist der Absatz mit gleicher Rate auf 879 000 Fahrzeuge im ersten Halbjahr geschrumpft. Die Stuttgarter liegen damit im Vergleich der Einzelmarken nur noch knapp vor der Marke BMW mit gut 842 000 Verkäufen im ersten Halbjahr.

Alle drei großen deutschen Premiumhersteller haben sich im Absatz jedoch besser geschlagen als der Gesamtmarkt, wo Auslieferungen Corona-bedingt global um 28 Prozent rückläufig waren.

Kein weiterer Jobabbau

Während nicht nur BMW, sondern auch Audi am Jahresende ein positives operatives Ergebnis erwartet, dürfte das bei Mercedes schwierig werden. Wie unterschiedlich sich das Premiumtrio in der Corona-Krise schlägt, spiegeln auch die Zahlen für den ­geplanten Stellenabbau wider. BMW glaubt mit dem Abschmelzen von rund 6000 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen und zeigt auch keine Regung, das Sparprogramm zu verschärfen.

Bei Audi hat der neue Konzernchef gerade betont, dass über den schon angekündigten Abbau von 9500 Jobs keine weiteren Arbeitsplätze gestrichen werden. Daimler indes, wo mehr als 20 000 Stellen auf dem Spiel stehen, hat erst kürzlich sein Sparprogramm coronabedingt verschärfen müssen.

Auch bei der Begrenzung des Schadstoffausstoßes marschiert der Münchner Automobilkonzern voran. Verschärfte EU-Abgasgrenzwerte werde sein Konzern bis Ende 2020 übererfüllen und keine Strafen zahlen müssen, betonte Oliver Zipse. Dazu senke BMW den Schadstoffausstoß der Neuwagenflotte dieses Jahr vor allem durch seinen deutlich gesteigerten Elektroautoabsatz um ein Fünftel. Derartiges hört man von Audi und Daimler nicht.