Das Wellarium unter besonderen Bedingungen Anerkennung auf der ganzen Linie

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Alles schwimmt in geordneten Bahnen – und viele finden das auch ganz entspannend so. Der Spaß im kühlen Nass scheint nicht auszubleiben. Foto: KS-Images.de

Selbst für langjährige Wellarium-Besucher gibt es in diesem Jahr im Freibad Neues zu entdecken. Und das liegt nicht allein an der Corona-Verordnung.

Steinheim - Wir sind ja noch in der Findungsphase“, sagt die Betriebsleiterin des Mineralfreibads Steinheim-Murr, Katrin Schulze an Tag 2 der diesjährigen Öffnung. Dass die Besucher „noch Orientierungsprobleme“ haben, ist verständlich: Schließlich ist es zu Corona-Zeiten kein ganz normaler Freibadbesuch. „Es wird viel gefragt und geguckt, doch die meisten sind sehr geduldig“, konstatiert Katrin Schulze, die freilich auch mit kritischen Kommentaren konfrontiert wird, für deren Ursache sie persönlich aber nichts kann.

Das Thema Duschen etwa kommt immer wieder hoch: „Das ist schon saublöd, ein echtes No-Go“, meint etwa das Murrer Ehepaar Stieber, das die Betriebsleiterin dazu befragt, weshalb das Duschen mit warmem Wasser vor dem Schwimmen zwingend nötig, aber hinterher nicht mehr erlaubt sei. Ansteckungsschutz lautet immer wieder die Devise. Nicht unerwähnt lässt die Bademeisterin jedoch, dass – sollte das Zusammenspiel von Personal, Corona-Anforderungen und Gästeverhalten klappen, durchaus eine Erweiterung des Angebots denkbar wäre: Möglicherweise könnten der Sprungturm oder auch die Großrutsche freigegeben werden. Attraktionen, die besonders die jugendlichen Besucher begeistern. Die Massagedüsen oder die Sprudelliegen im Nichtschwimmerbecken wären dann auch eine denkbare Option.

Die Freibad-Besucher nehmen die auf Tafeln nachzulesenden Einschränkungen derweil entspannt hin. Sie zeigen Verständnis gegenüber den Beschäftigten und tolerieren selbst die Tatsache, dass im Corona-Jahr 2020 keine Jahreskarte zum Einsatz kommt. Auch Gunnar Klein weiß, dass es dadurch teurer wird, „doch ich honoriere sehr, dass hier überhaupt aufgemacht wurde. Man gibt sonst so viel Geld für Unnötiges aus“, erklärt der Erdmannhäuser Badefan nachdenklich und freut sich aufs erfrischende Nass. So wie er zeigen sich an diesem Dienstag auch die anderen Gäste der ersten von stets zwei Bade-Schichten erleichtert über den Entschluss, das Bad zu öffnen. Bei herrlichstem Sonnenschein tummeln sie sich im Wasser. Die glücklichen Gäste schwimmen etwa im Sportbecken, das mithilfe von Bahnleinen in drei Bahnen aufgeteilt wurde: für Genuss-Schwimmer, für gemäßigte und für Sportschwimmer.

Diszipliniert geht es dort zu, denn freilich muss auch hier auf Abstand geachtet werden. Zudem springt keiner von der Seite hinein. Kein lautes Geschrei, keine Turbulenzen: nur friedliche Schwimmzüge im individuell präferierten Tempo. Ideale Zustände auch für Ursel Hartmann, „weil ich jetzt ohne Sorge rückwärts schwimmen kann“. Gemeinsam mit ihrem Mann Jürgen ist die Steinheimerin gekommen, um „neugierig zu schauen, wie es hier klappt und auch, um das Angebot zu unterstützen“. Darin bezieht das Paar auch den Freibad-Kiosk ein: „Mit einem Glas Latte Macchiato fühlen wir uns hier wie im Urlaub“.

Fremd gegangen ist Dietmar Gärtner. Der Rentner ist Vielschwimmer und in den Jahren zuvor „eigentlich täglich im überschaubaren Ilsfelder Freibad zu Gast gewesen. Hier ist alles viel größer. Doch ich bin sehr froh, dass überhaupt ein Bad offen hat“, strahlt der Schwimmer und zieht eifrig seine Bahnen. Michael Schimmack war schon außerhalb der Becken sportlich unterwegs: „In 13 Minuten mit dem Rad hier her“, ist der aus Murr kommende Musiklehrer gefahren, der während des Corona-Stillstands „mit Online-Unterricht die Hölle durchgemacht“ habe und nun den Besuch des Freibads als Belohnung betrachtet. „Die erschwerten Bedingungen nehme ich gerne in Kauf. Es ist immer wieder ein Gewinn, hier zu sein“, sagt er dankbar. Und weil auch die Umgestaltung des Bades, also Sanitäreinrichtungen und Umkleiden neu sind und „man sich ohnehin erst mal orientieren muss“, packt Schimmack die Corona-Auflagen ganz pragmatisch in die generelle Kennlernphase mit hinein.

Katrin Zieker und Tochter Johanna genießen ebenfalls das Steinheimer Bad: Die Gäste aus Stammheim schätzen es sehr, wie „ruhig und angenehm es hier ist“ und erfreuen sich besonders am Wellenbad. „Bei uns ist das Freibad morgens nicht geöffnet. Wie schön, dass wir hier sein können, wenn man nachmittags wieder arbeiten muss“, freut sich Katrin Zieker, die noch öfter kommen will. Mit dem Nachwuchs ist auch Jennifer Grymlas gekommen. Die beiden Söhne Johann (vier Jahre) und der zweijährige Paul haben beim Kinderbecken, jeder für sich, etwas Spannendes entdeckt, das sie fasziniert. Johann ist eifrig am Klettern; Paul haben es die kleinen Springfontänen angetan. Die Marbacherin ist dankbar dafür, dass es „hier so viele gepflegte und zeckenfreie Grünflächen gibt“. Ihre wäre es am liebsten, wenn die anderen Bäder auch öffnen würden.

Die Oberstenfelderin Diana Tritschler hat dagegen ihre ganz eigene Sicht auf die unterschiedliche Handhabung in den betroffenen Gemeinden. Das Bad in ihrer Kommune bleibt zu. „Wir haben wohl wieder den falschen Gemeinderat gewählt“, erklärt sie schlichtweg enttäuscht. „Es ist einfach schade: Wenn es schon keinen richtigen Urlaub gibt, dann sollten wenigstens die Bäder geöffnet haben.“

Und allen Unkenrufen zum Trotz findet Besucher Berthold Lander „es richtig gut, wie es nun tatsächlich läuft. Alles klappt bestens und es gibt keine Kollisionen“, konstatiert der Kleinbottwarer, der zudem von der Liegewiese des Wellariums schwärmt: „Die ist einfach ein Traum.“