Das Weindörfle in Benningen Dem Rebensaft sei ein Fest

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Der Ehrenvorsitzender des Musikverein, Wolfgang Klein, die Musikvereins-Vorsitzende Daniela Fischer, Bürgermeister Klaus Warthon und Weinkönigin Tamara Elbl (von links) stoßen an. Foto: Ralf Poller

Das Benninger Weindörfle hat wieder zahlreiche Besucher in die Kelter geführt. In den Steillagen lockte ein Überbleibsel aus Pandemiezeiten: der Weinspaziergang.

„Wir freuen uns, endlich wieder ein normales Weinfest zu feiern“, so Daniela Fischer, Erste Vorsitzende des Musikvereins Benningen. Erfreut blickt Fischer dabei in die muntere Runde in der Benninger Kelter, während das Orchester des Musikvereins unter der Leitung von Dirigent Rudi Reindl musizierte und für gute Stimmung sorgte. Traditionell hat der Musikverein am Sonntag nämlich wieder sein jährliches Weindörfle ausgerichtet – dieses Mal ohne Coronabeschränkungen. Die Gäste suchten die Nähe zueinander, steckten die Köpfe zusammen und reichten sich die Hände. Kinder spielten gemeinsam und hier und da erhob mancher Besucher sogar die Stimme und sang mit.

„Wer friert, sollte wandern gehen“

Nachdem der Vormittag wie immer mit einem Gottesdienst begann, hatte die amtierende Württembergische Weinkönigin Tamara Elbl um kurz nach 11.30 Uhr auch den offiziellen Festteil eröffnet. Allen die Zweifel am Wetter hatten gab sie einen Ratschlag mit auf den Weg: „Trinken Sie einfach einen Rotwein. Der wärmt laut einer amerikanischen Studie von innen.“ Daniela Fischer fügte noch hinzu: „Wer friert, sollte wandern gehen.“ Denn wer in Bewegung sei und Wein trinke, dem müsse einfach warm werden . . .

Mit diesem Appell wollten die beiden Frauen die Gäste zum Weinspaziergang am Nachmittag motivieren. Dieses Angebot des Weindörfle ist ein erfolgreiches Überbleibsel der Pandemiezeit. „Das kam im vergangenen Jahr so gut an, das haben wir beibehalten“, erklärte Fischer, die gemeinsam mit Claudia Hausmann den Vorsitz hat. Der Wanderweg führte die Weinfreunde von der Kelter durch die steilen Weinberge und wieder zurück. An drei Stationen konnten die Spaziergänger unterschiedliche Weine verkosten: auch die Weingenossenschaft Marbach durfte sich und eine Auswahl ihrer Tropfen vorstellen. Die erste Station war direkt an der Kelter, die zweite befand sich an der neuen Benninger Aussichtsplattform in den Weinbergen und die letzte Genussstation am Neckar: „Wie ich finde eine tolle Runde, um beim Hinablaufen der Weintrassen wunderbar auf Benningen und die neue Straße zu schauen.“

Das große Gesprächsthema: Die Umgehungsstraße

Letztere, die neue Umgehungsstraße der Gemeinde, war beim Weindörfle eines der Gesprächsthemen „Dieses Fest ist ein Stückweit historisch, denn es ist das letzte Weindörfle vor Eröffnung der Umgehungsstraße“, tat Bürgermeister Klaus Warthon kund. In nicht einmal zwei Wochen soll es nämlich soweit sein. Am Freitag, 30. September, wird die neue Umgehungsstraße eingeweiht. Ab dem darauffolgenden Wochenende können auch die ersten Fahrzeuge darüber rollen. „30 Jahre hat es von den ersten Überlegungen bis zur Fertigstellung gedauert“, blickte Warthon zurück und hielt fest: „Aber was sind schon 30 Jahre, wenn wir in der Region seit fast 2000 Jahren Wein anbauen.“ Damit wünschte er den Gästen einen schönen Sonntag und erhob das Glas: „Auf den Wein.“

Das ließen sich die Benninger nicht zwei Mal sagen und genossen den Rebensaft bei guter Gesellschaft. Glücklicherweise blieben die Tropfen die ganze Zeit über nur im Glas und kamen nicht von oben aus den Wolken. Zwischenzeitlich ließ sich sogar die Sonne blicken und so konnten die Weinfreunde die Weinberge und das Weindörfle genießen.