Das war der mz3athlon shorti Vieles ist anders, die Freude umso größer

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Familien und Freunde feuerten zum Teil außerhalb an. Foto: avanti

Der mz3athlon shorti wird bei strahlend blauem Himmel von den rund 160 Teilnehmern durchweg mit Begeisterung aufgenommen. Viele Triathleten bestreiten ihren ersten Wettkampf des Jahres, coronabedingt gibt es dabei viele Änderungen

Steinheim - Eigentlich ist es nicht ungewöhnlich, dass Triathleten beim Steinheimer mz3athlon ihren ersten Wettkampf des Jahres bestreiten. Doch normalerweise findet der mz3athlon ja auch im Mai statt und nicht Mitte September – obwohl das Wetter am Sonntag auch locker in den Juli gepasst hätte. Aber normal ist am mz3athlon shorti 2020 ohnehin nicht viel gewesen – natürlich Corona geschuldet.

Wer sich vom Kaufland-Parkplatz dem Wellarium nähert, hört zwar früh die gewohnten Ansagen des Sprechers. Aber es fehlen die Geräuschkulisse der Zuschauer sowie die Menschenmassen, die sich rund um das Areal normalerweise tummeln. Das Becken wirkt auffallend leer, geschuldet dem Jagdstart. Alle 60 Sekunden geht ein Starter auf die „nur“ 250 Meter lange Strecke, kaum einmal wird es bei einem Überholmanöver eng. „Das ist natürlich viel entspannter“, sagt ein Teilnehmer wenige Minuten vor seinem Start. Ein anderes Problem hat er aber dafür ausgemacht: „Ich muss genau schauen, wo ich denn nachher lang muss. Man kann halt nicht mehr der großen Masse hinterher.“

Es gibt dieses Jahr nur eine Distanz. Kein heavy, classic und light – eben einfach nur den shorti: 250 Meter Schwimmen, 18 Kilometer Radfahren und 5,4 Kilometer Laufen. „Die kürzere Schwimmstrecke kommt mir natürlich entgegen“, sagt Melanie Altenbeck. Vor einigen Jahren kam die frühere Marathon-Läuferin über das Rookie-Projekt der Marbacher Zeitung zum Triathlon. Mittlerweile ist sie voll in der Szene drin, hat schon den Ironman auf Hawaii absolviert und startet mit Erfolg für das Murrer Team Silla Hopp. In 1:07:42 Stunde ist sie die schnellste Frau des Rennens, 41 Sekunden vor der Ludwigsburgerin Sophia Salzwedel – auf die Siegerehrung muss sie aber verzichten. Coronabedingt fällt diese aus, die Preise werden im Nachhinein zugeschickt. So bekommt also auch Männer-Sieger Julian Großkopf vom VfL Waiblingen demnächst Post. Er gewinnt mit 41 Sekunden Abstand auf Michael Haas vom VfL Pfulingen.

Für Siegerin Melanie Altenbeck war es nicht der erste Triathlon des Jahres. „Ich bin vor einer Woche in der Schweiz gestartet“, sagt sie. Geplant waren eigentlich noch viel mehr Rennen, aber sie freut sich über jedes einzelne. „Es ist hier natürlich viel ruhiger als sonst beim mz3athlon, da ja kaum Zuschauer dabei sind. Aber immerhin bekomme ich durch den Jagdstart viel mehr von den anderen mit. Und vor allem ist es einfach schön, dass wir überhaupt wieder alle zusammen Sport treiben können.“ Damit spricht sie wohl allen rund 160 Startern aus der Seele – so zum Beispiel auch Max Maier aus Weil der Stadt. In Ermangelung von Zuschauern hat er seine Frau und die beiden Kindern mitgebracht, die ihn gehörig anfeuern. Das würden sie sonst vermutlich auch machen. „Aber so sind sie viel näher dran, was für die Kleinen natürlich schön ist.“ Veranstaltungen in Ingolstadt oder Frankfurt standen eigentlich auf seinem Plan für 2020. Nun ist aber Steinheim die Wettkampfpremiere. „Ich bin froh, dass Achim Seiter das hier auf die Beine gestellt hat.“

Der angesprochene Organisationschef hat „einen holprigen Tag, was aber von den Startern hoffentlich kaum jemand mitbekommen hat“. Es gibt zunächst Probleme mit der Zeitmessung, am Ende funktioniert aber alles ordnungsgemäß. Auch hätte er sich ein paar mehr Teilnehmer gewünscht. „Aber das würde ich nicht einmal als Wermutstropfen bezeichnen. Ich weiß selbst nicht, ob ich heute gestartet wäre“, gibt er zu. „Ziel war es, den 160 Leuten, die an den Start gegangen sind, einen tollen Tag zu bereiten.“ Die vielen Dankeschöns, die er zum Ende der Veranstaltung stellvertretend für sein Team bekommt, belegen, dass dies geklappt hat.

Dankbar ist auch Sebastian Hess, der am Ziel die Moderation übernommen hat. „Ursprünglich standen mehr als 40 Veranstaltungen auf meinem Plan für 2020. Tatsächlich ist das jetzt die erste. Ich habe das Glück, dass ich mit meiner Firma noch andere Betätigungsfelder habe. Aber es gibt Kollegen, die das noch viel härter trifft“, weiß er. Und es scheint, als sei auch die Technik aus der Übung gekommen, denn zwischendurch verstummen die Boxen. „Wir sind es halt alle nicht mehr gewohnt – auch das Mikro nicht“, scherzt Hess und trifft den Nagel auf den Kopf, als er sagt: „Es ist für alle etwas ganz Besonderes, endlich wieder ein Rad in die Wechselzone zu schieben und eine Startnummer anzubringen. Und wenn es 2021 wieder normal läuft, sehen wir uns ja schon in gut einem halben Jahr hier wieder.“ Möglicherweise, so kündigt Achim Seiter an, werden einige der Änderungen der „Corona-Ausgabe“ des mz3athlon dann sogar übernommen.

Stimmen zum mz3athlon shorti:

„Es gab vermutlich nur eine Person, die heute richtig sauer war. Das war eine Dame, die wegen der Streckenabsperrung nicht ihre gewohnte Sonntagmorgen-Radstrecke fahren konnte.“ Achim Seiter, Organisationschef

 „Ich war heute als ,Feuerwehrmann’ eingeplant und gehe daher extra als Letzte ins Wasser. Aber ich bin arbeitslos, es ist alles ruhig und läuft.“ Heike Barkhorn, Mitglied im Organisationsteam, die am Ende Sechste wird

„Vielen Dank an Achim Seiter  fürs Organisieren. Ich habe heute meinen ersten Triathlon absolviert. Wie ein paar andere aus dem Team wollte ich nicht bis Mai warten. Zwischendurch war es wirklich hart, aber aufgeben kam nicht in Frage!“ Regine Meißner, Mitglied im Team der  neuformtür Rookies 

„Schauen wir mal, wie lange wir jetzt auf Sendung bleiben.“ Moderator Sebastian Hess nachdem zum zweiten Mal die Boxen kurzzeitig ausgefallen waren – drei Sekunden später war erneut vorübergehend Stille

„Das war sicher der bislang ungewöhnlichste mz3athlon, und da ich kein Lauftraining hatte, kam es mir vor, als müsste ich vier statt nur drei Runden rennen. Aber die Radstrecke war sehr schön, die darf gerne so bleiben. Ich werde bestimmt auch beim 22. Mal dabei sein. Erst wenn ich irgendwann mal Letzter werde, dann höre ich auf.“ Thomas Friedl, der seinen 21. mz3athlon absolviert hat und nun der einzige ist, der bei allen Auflagen gestartet (und ins Ziel gekommen) ist. 

„Ich hatte extra eine spätere Startzeit ausgewählt, damit ich ausschlafen kann. Doch das hat sich als Fehler herausgestellt. Aber wer konnte schon ahnen, dass wir am 13. September fast 30 Grad haben.“ Teilnehmer Thomas Rudszuck 

„Lasst nix im Bad liegen, ihr dürft nachher nicht wieder rein.“ Hinweis von Martin Schugt, Moderator im Wellarium, zu den Corona-Regeln.