Charlène von Monaco Die erschöpfte Fürstin

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„We miss you, Mommy“: Fürst Albert II. von Monaco mit den Kindern Gabriella und Jacques – ohne Fürstin Charlène. Foto: imago images/PPE/PPE

Unruhige Zeiten in Monaco: Fürstin Charlène lässt sich im Ausland behandeln – sie leidet unter psychischer und physischer Erschöpfung. Gleichzeitig kämpft ihr Mann gegen eine politische Diffamierungskampagne.

Monaco - Die Botschaft war in kunterbunter, ungelenker Grundschülerschrift verfasst: „We miss you, Mommy“ und „Love you, Mommy“ hatten Prinz Jacques und Prinzessin Gabriella auf die Plakate geschrieben, die sie am monegassischen Nationalfeiertag am vergangenen Freitag, 19. November, auf dem Balkon des fürstlichen Palasts in die Kameras der Fotografen hielten. Die Adressatin, Fürstin Charlène von Monaco, hatte den Stadtstaat da schon wieder verlassen – kaum dass sie aus Südafrika zurückgekehrt war.

Sie befinde sich außerhalb des Stadtstaates am Mittelmeer in medizinischer Behandlung, sagte ihr Ehemann Fürst Albert II. dem „People“-Magazin. Seine 43-jährige Ehefrau leide unter „Erschöpfung – sowohl emotional als auch körperlich“. Die Behandlung werde mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Als Charlène Anfang November nach Monaten nach Europa zurückgekehrt sei, „lief die ersten paar Stunden alles gut, aber dann wurde ganz offensichtlich, dass ihr es nicht gut geht“, schilderte Albert die Situation. „Sie war überfordert und konnte sich weder ihren offiziellen Pflichten stellen noch dem Alltag generell oder sogar dem Familienleben.“

Charlène konnte nicht gut schlafen und essen. Stark abgenommen hat sie auch.

Das klingt nach Burn-out oder Depression, doch der Fürst wollte nicht ins Detail gehen. Er stellte lediglich klar, dass Charlène weder an Covid-19 erkrankt sei noch Krebs habe. Die Fürstin hielt sich monatelang in ihrer alten Heimat Südafrika auf, weil eine hartnäckige Nasennebenhöhleninfektion sie am Heimfliegen gehindert hatte. Diese Erkrankung und die damit einhergehenden Operationen waren „sicherlich ein Faktor“, erklärte Albert. „Sie war fürchterlich erschöpft. Sie konnte nicht gut schlafen und essen. Sie hat stark abgenommen.“

Die Familie – ihr Ehemann, ihre Brüder und ihre Schwägerin – hätten sich dann mit Charlène zusammengesetzt, gemeinsam habe man beschlossen, dass sie sich „anderswo in Europa“ in Behandlung begeben würde. „Sie hatte die Entscheidung bereits getroffen. Sie wollte das.“ Um ihre Privatsphäre zu wahren, sei die Familie übereingekommen, dass die Behandlung außerhalb Monacos stattfinden müsse. „Sie war sehr ruhig und sehr verständnisvoll. Sie hat selbst erkannt, dass sie Hilfe braucht.“ Er und die Kinder würden sie besuchen, wenn die Ärzte ihnen grünes Licht gäben.

Nicht nur privat sind es schwierige Zeiten für Albert – der Fürst und sein Hof sehen sich einer „diffamierenden und anonymen Gerüchtekampagne“ gegenüber. Einflussreiche monegassische Würdenträger werden von Unbekannten der Korruption und illegaler Geschäfte bezichtigt – darunter sind auch enge Vertraute des Fürsten. Das kratzt am seriösen Image, das der Fürst dem einstigen Jetset-Stadtstaat verpassen will. Fürst Albert sprach in seinem „People“-Interview auch die Gerüchte an, es stehe nicht gut um seine Ehe: „Ich möchte das klarstellen: Dies sind keine Probleme, die mit unserer Ehe zu tun haben, nicht mit der Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau. Es dreht sich um etwas anderes.“

Seit Jahren hatte es immer wieder Spekulationen über eine Ehekrise im Hause Grimaldi gegeben – Charlènes lange Abwesenheit hatte da wie Öl im Feuer gewirkt. Der Fürst und die 20 Jahre jüngere Schwimmerin heirateten im Jahr 2011. Damals wurde gemunkelt, die Braut habe kurz vor der Hochzeit kalte Füße bekommen und Monaco verlassen wollen. Wie viel Wahrheitsgehalt in diesen Gerüchten steckte? Unklar. Über die Jahre schien sich Charlène in ihr neues Leben auf dem engen Mittelmeerfelsen einzufinden. 2014 kamen die Zwillinge Jacques und Gabriella zur Welt.

Franziska von Almsick schwärmt von ihrer einstigen Schwimmer-Kollegin.

Kein Geheimnis ist, dass die 43-jährige ehemalige Schwimmerin keine geborene Landesmutter ist. Die Fürstin ist scheu, zurückhaltend, wirkt auf Außenstehende oft kühl. In den vergangenen Jahren blieb sie öffentlichen Terminen immer wieder fern, überließ gerne ihren Schwägerinnen Caroline und Stéphanie das Feld. Jemand, der sie gut kennt, ist die frühere deutsche Leistungsschwimmerin Franziska van Almsick: „Charlène hat ein großes Herz und ist alles andere als kühl“, sagte sie vor ein paar Jahren der „Bild am Sonntag“. „Im Gegenteil, sie ist sehr sensibel, hat lange mit Selbstzweifeln gekämpft. Sie konnte ja lange tun, was sie wollte, und es war nie richtig. Davon hat sie sich vieles zu Herzen genommen.“

Fürst Albert bat die Öffentlichkeit jetzt, seiner Familie Ruhe und Privatsphäre zu gönnen: „Charlène hat um diese Probleme nicht gebeten, aber sie sind leider da, und wir brauchen den Abstand und die Privatsphäre, um damit umzugehen.“

Das Haus Grimaldi

Das Fürstentum Monaco
Das Haus Grimaldi regiert das Fürstentum Monaco mit Unterbrechungen seit mehr als 700 Jahren. Seit dem Tod seines Vaters Rainier 2005 steht der 63-jährige Fürst Albert II. an der Spitze. Verheiratet ist er mit der ehemaligen Schwimmerin Charlène Wittstock. Das Paar hat zwei Kinder: Gabriella und Jacques. Obwohl die Prinzessin zwei Minuten älter ist als ihr Bruder, ist nach der monegassischen Verfassung der Junge der Thronfolger.