Cassia im Wizemann Ein musikalisches Vakzin zum Herzerwärmen

Von Jan Sellner
Cassia-Sänger Rob Ellis und die Freude am Spiel im Wizemann. Foto: jse

Leichtfüßig und authentisch: Die junge britische Band Cassia hat Sonne ins Stuttgarter Wizemann gebracht und damit das Publikum begeistert.

Der Sommer ist vorbei? Von wegen. Er gastiert im Wizemann. Oder besser, er gastierte dort am Montagabend. Und zwar unter dem Namen Cassia. Die junge Indie-Band, die sich nach dem Holz der Röhren-Kassie nennt, aus der die Djembé-Trommel ihres Schlagzeugers Jacob Leff geschnitzt ist, bringt all das zurück, was im Herbst wegzufallen droht – vorweg Freude. Doch darf man das überhaupt im Indie-Gewerbe und dann noch in diesen Zeiten? Einfach fröhlich sein? Cassia sind es einfach, und das wirkt kein bisschen unangenehm oder oberflächlich, sondern höchst authentisch. „Wir kommen aus einem Dorf bei Manchester, doch wir sagen lieber, wir kommen aus Manchester. Das klingt cooler“, witzelt Frontman und Gitarrist Rob Ellis in Anspielung auf die vielen großartigen Bands, die aus der Industriestadt im Nordwesten Englands hervorgegangen sind – von The Smiths bis Oasis.

Unbekümmertheit und Reife müssen kein Gegensatz sein

Cool sind Rob Ellis, Jacob Leff und der Bassist Lou Cotterill aber auch so und darüber hinaus so gut, dass sie in der BBC als „the biggest band to come from our area in a generation“ gepriesen werden. Im Cassia-Sound steckt vieles drin: Afrika zum Beispiel. Der Vater von Ellis hat längere Zeit in Sambia verbracht, seine Plattensammlung hat beim Junior hörbar Spuren hinterlassen. Dazu kommen Funk, Calypso, das große Vorbild Fela Kuti, Vampire Weekend, Giant Rooks und etwas Phoenix. Cassia mischen daraus etwas ziemlich leichtfüßig Eigenes und beweisen, dass Unbekümmertheit und Reife kein Gegensatz sein müssen. Zwei Alben hat das 2016 gegründete Trio bisher vorgelegt. Das Jüngste „Why you lacking Energy?“ ist im Juli erschienen. Ein musikalisches Vakzin zum Herzerwärmen, Kopffreikriegen oder einfach nur zum Tanzen. Und wenn Rob Ellis nach eineinhalb Stunden Hautnah-Konzert im Wizemann „the final song“ ankündigt, muss es um den Sommer noch nicht geschehen sein. Einfach mal Cassia einlegen („Do right“), und das Leben geht fröhlich weiter.