Bundesverdienstkreuz für Günther Vossler Ein Stratege im Einsatz für die Völkerverständigung

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Landrat Dietmar Allgaier und Bürgermeister Jan Trost haben Günther Vossler (von links) im Rahmen eines bewegenden Festakts für seine Verdienste geehrt. Foto: Werner Kuhnle

Dem Rielingshäuser Günther Vossler ist von Landrat Dietmar Allgaier das Bundesverdienstkreuz verliehen worden. Der Diakon hat früh innovative wohnortnahe Pflegeformen umgesetzt und sich für die Belange der Bessarabiendeutschen eingesetzt.

Marbach-Rielingshausen - Die Stadt Marbach und die Rielingshäuser Verwaltung haben es sich nicht nehmen lassen: Trotz der Corona-Pandemie wurde ein kleiner, aber feiner Rahmen in der Gemeindehalle von Rielingshausen geschaffen, in dem Landrat Dietmar Allgaier Günther Vossler in einem bewegenden Festakt das Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk verliehen hat. „Sie besitzen die optimale Mischung aus sozialen Werten und strategischen und organisatorischen Eigenschaften, die Sie im Beruf und im Ehrenamt einzusetzen gewusst haben“, würdigte der Landrat den Rielingshäuser, der früh innovative wohnortnahe Pflegeformen umgesetzt und sich für die Belange der Bessarabiendeutschen eingesetzt hat.

Leidenschaft für das Menschliche und Soziale

Günther Vossler wurde auf der Karlshöhe in Ludwigsburg zum Diakon ausgebildet und war 35 Jahre lang in der Diakonie tätig. 19 davon als Diakon, später als Diakonie-Geschäftsführer des Rems-Murr-Kreises. „Sie haben Ihre Leidenschaft für das Menschliche und Soziale stets in den Mittelpunkt gestellt“, betonte Allgaier. Zugleich habe er aber seine bessarabiendeutschen Wurzeln nie vergessen und sich als Leiter des Altenpflegeheims Alexanderstift in Großerlach eine Einrichtung mit bessarabischem Hintergrund als berufliche Herausforderung gesucht.

Hilfe in der finanziellen Not

Als der Träger, die evangelisch-lutherische Kirche aus Bessarabien, in finanzielle Schwierigkeiten geriet, klärte Vossler nicht nur die Finanzsituation, sondern richtete die Einrichtung für die Zukunft strategisch aus. Der Rielingshäuser entwickelte das Konzept des Gemeindepflegehauses mit wohnortnahen Pflegeplätzen mit Wohlfühlcharakter – „eine Herzensangelegenheit von Günther Vossler“, wie Allgaier betonte. Dieses Konzept war so erfolgreich, dass es heute an 21 Standorten angewandt wird. Als die Kapazitäten des bessarabischen Hilfskomitees nicht mehr ausreichten, sorgte Vossler 2008 dafür, dass der Alexanderstift in den Verbund der Diakonie Stetten überging.

Geschichte und Kultur weitergetragen

Der Landrat rief zudem in Erinnerung, dass der Rielingshäuser 2011 zum Bundesvorsitzenden des Bessarabiendeutschen Vereins gewählt wurde, um dessen Geschichte und Kultur weiterzutragen. „Sie haben zur Völkerverständigung beigetragen und vor allem die Jugend begeistert“, lobte Allgaier. Marbachs Bürgermeister Jan Trost erinnerte daran, dass Vossler zwischen 1989 und 1996 sieben Jahre lang für die SPD im Ortschaftsrat Rielingshausen tätig war und dabei kritisch aber konstruktiv gewesen sei. „Sie waren offen für neue Lösungen und hatten stets das Machbare im Auge“, so Trost.

Der Gesellschaft etwas zurückgeben

Laut Arnulf Baumann, dem Ehrenvorsitzenden des Bessarabiendeutschen Vereins, der Vossler für die Ehrung vorgeschlagen hatte, hätten die Bessarabier besondere Voraussetzungen zur Völkerverständigung gezeigt, da sie das Zusammenleben verschiedener Völker mit gegenseitigem Respekt und Friedenswillen vorgelebt hätten. Vossler selbst machte dies am Beispiel seiner Eltern anschaulich: Diese seien 1940 im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts aus ihrer Heimat, „einem verlorenen Land, das heute zwischen der Ukraine und der Republik Moldau aufgeteilt ist“, nach Polen zwangsumgesiedelt worden.

Erst 13 Jahre später hätten sie in Bopfingen ihre Heimat gefunden. „Sie haben mich gelehrt, dass man dankbar sein muss für Haus und Arbeit, und dass man der Gesellschaft etwas zurückgeben soll“, so Vossler, der sich auch ins Goldene Buch der Stadt Marbach eintragen durfte. Er habe nie gedacht, dass sein Engagement für das Bundesverdienstkreuz ausreiche. Unter Tränen bedankte er sich bei seinem Bruder, der am Mittwoch seine Arztpraxis geschlossen hatte, um beim Festakt dabei zu sein.