Bürgermeisterwahl Beilstein Machbarkeit und Wünsche im Einklang

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Gottfried Göbbel stellt mit seiner Ehefrau gerne selbst Likör oder Eingemachtes her. Foto: KS-Images.de

Gottfried Göbbel will Beilstein auch in Zukunft als „lebens- und liebenswerte“ Stadt erhalten und mitgestalten - gerne auch für mehrere Amtszeiten.

Es gibt Schwimmer, die bei jedem Wetter ins Mineralfreibad pilgern. Ein Besuch im März ist dennoch ungewöhnlich – doch Gottfried Göbbel hat den Treffpunkt auch sowieso nicht aus sportlichen Gründen ausgewählt. Es hängt Nostalgie in der Luft: „Das Bad war als Kind mein erster Berührungspunkt mit Beilstein.“ Doch nicht nur das Planschen führte den gebürtigen Heilbronner gen Bottwartal, es folgten Fußball-Derbys, Wanderungen und mehr: „Bis heute ist Beilstein für mich die schönste Stadt.“ Und die habe er im Wahlkampf noch einmal sehr viel besser kennenlernen dürfen.

Vom Freibad führt ein Weg zwischen den Streuobstwiesen in Richtung Stadt, immer wieder grüßen Radler und Spaziergänger den Kandidaten. „Ich war zum Flyer verteilen überall unterwegs“, so Göbbel. Selbstverständlich auch in allen elf Teilorten, die er prompt mithilfe der Finger aufzählt: „Die Teilorte gehören zu Beilstein, Beilstein hört nicht am Rand der Kernstadt auf.“ Die Hauptprobleme, die unterscheiden sich dann aber doch ziemlich, hat der 38-Jährige festgestellt.

Internetversorgung und Wohnungsnot sind große Problemfelder
Das Hauptproblem in den Teilorten sei klar Internet und Mobilfunk, hat Göbbel selbst hautnah festgestellt: „Die Balken sinken auf der Fahrt stetig.“ Ein Zustand, der vor allem in Zeiten von Homeoffice mehr als nur problematisch sei. Zwar sei hier mit der Syna-Trasse Stocksberg und der IKZ mit Spiegelberg, Aspach und Oberstenfeld schon der Stein ins Rollen gekommen, „doch jetzt gilt es, die Planung auch so schnell wie möglich umzusetzen“. Er selbst sehe den Bürgermeister da in einer „Treiberrolle“.

Was die Kernstadt angeht, da seien die Bürger häufig mit der Wohnraumnot auf ihn zugekommen – sowohl was bezahlbare Mietwohnungen angeht, als auch mit Bauplätzen: „Die Menschen wollen gerne in Beilstein bleiben.“ Es sei wichtig, hier Gebiete zu entwickeln und parallel dazu auch innerstädtische Flächen anzugehen. Aber eben immer mit sehr viel „Fingerspitzengefühl“ und Rücksichtnahme auf den Flächenverbrauch.

Ganzheitliche Lösung für den Verkehr
Und dann sei da natürlich der Verkehr. Der Spaziergang soll zum verbleibenden Gleisstück der Bottwartalbahn führen, doch die Überquerung der Straße am Eingang von Beilstein erfordert Geduld. Eine Umgehungsstraße sei als ein Baustein des Gesamtkonzepts unumgänglich, aber daneben müssten auch kurzfristigere Maßnahmen her, betont Göbbel: „Eine Radschnellstraße ist nicht erst seit Corona angebracht.“ Und auch die Busverbindung ließe sich sicher noch weiter optimieren. Wie bei allem strebe er in dieser Angelegenheit auch eine ganzheitliche Lösung an, die aber wirtschaftlich realisierbar sein muss und die „mit dem tollen Gemeinderat und den Bürgern“ entstehen muss.

Bürgerliche Werte und Beständigkeit
Doch erst ist Zeit für eine kleine Rast beim Rundgang, eine Holzbank lädt zum Verweilen ein. Gottfried Göbbel zaubert dazu statt einer Flasche Wein zwei Fläschchen aus dem Jackett hervor: Selbst gemachter Sauerkirschlikör. „Den habe ich immer mit meinen Eltern gemacht, der hier ist fast ein Jahrzehnt alt“, erklärt Göbbel, der die Familientradition mit seiner Ehefrau weiterführt. Sein Mitbringsel sei daher nicht nur lecker, sondern stehe auch für ihn als Menschen: „Diese Beständigkeit und Verbundenheit zur Region steht für meine bürgerlichen Werte.“ Extreme Ideologien liegen ihm gänzlich fern, er will ein Rathauschef sein, der mit den Bürgern entscheidet und Beständigkeit bietet. Er strebe daher mehrere Amtszeiten an: „Was die Kandidatur zum Bürgermeister angeht, mache ich mir schon ein paar Jahre Gedanken. Jetzt hat aber alles gepasst, ich identifiziere mich mit Beilstein.“

Bis zur Wahl will er weiter so präsent sein wie bisher: „Gleitzeit und Urlaubstage machen es möglich.“ Noch lieber würde er aber künftig seine gesamte Zeit dieser „lebens- und liebenswerten“ Stadt widmen.