Bürgermeister beim Sport Gegenseitiges Frotzeln spornt an

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Bei der Gruppe geht es auch um das Miteinander. Foto: Werner Kuhnle

In der Bürgermeistersportgruppe treffen sich amtierende und ehemalige Verwaltungsleiter, um für das Sportabzeichen zu trainieren. Aber das ist nur ein Aspekt. Der Spaß kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Steinheim - Der Planet sticht an diesem Mittwochnachmittag. Das Thermometer hat die 30-Grad-Marke geknackt, kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen. Auf dem Parkplatz beim Steinheimer Riedstadion reiht sich Auto an Auto. Wer kann und sucht, findet an diesem Sommertag Abkühlung im nur einen Steinwurf entfernten Wellarium. Maximale Entspannung bei minimaler Anstrengung. Davon kann im Riedstadion keine Rede sein. Bernhard Fähnle wartet auf seine Eleven, die sich von Mai bis Oktober zwei bis dreimal im Monat zum gemeinsamen Trainieren treffen, um jedes Jahr mit dem Deutschen Sportabzeichen nach Hause gehen zu können. Besagte „Bürgermeister-Sportgruppe“ wurde in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Herbert Müller, dem langjährigen Affalterbacher Bürgermeister, initiiert. „Er wollte das Sportabzeichen ablegen und bekam mit, dass der damalige Leiter des Polizeireviers Marbach, Heinz Stark, immer mittwochs seine Kollegen trainierte“, erinnert sich Manfred Hollenbach an die Anfänge. Müller klinkte sich ein und mit der Zeit kamen immer mehr Kollegen dazu. Hollenbach, der langjährige Murrer Rathauschef, macht seit 1982 bis auf eine Ausnahme jedes Jahr das Sportabzeichen. Er zählt in der Runde zu den alten Hasen. Ein Umstand, der dem 74-Jährigen an sich nichts ausmacht. Wenn nur der Körper und damit die sportliche Leistungsfähigkeit mit dem Alter nicht nachlassen würde. Das wurmt den Polit-Profi. Ehrgeizig? Nein, sagt Hollenbach, das sei er nicht, während er, als es an den 50-Meter-Lauf geht, als Einziger die Schuhe wechselt und auf Stollen umsteigt. Hollenbach nicht ehrgeizig? Seine Trainingspartner amüsieren sich köstlich und kommen aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus, als der 74-Jährige verbal nachlegt. „Wenn ich zum Sport antrete, dann nicht, um zu verlieren – und mit solchen Sonntagsschuhen wie ihr läuft kein Sprinter“, sagt Hollenbach und zeigt auf die Schuhe der anderen.

Das gegenseitige Frotzeln gehört dazu – das wird schnell klar. Und natürlich der Austausch – über Privates, aber auch über Berufliches. Bernhard Fähnle sorgt dafür, dass der Sport im Fokus bleibt. Der 63-Jährige leitet die Trainingsteilnehmer nicht nur professionell an, ihm gelingt es auch, sie auf lockere Art zu motivieren und das Beste aus ihnen herauszukitzeln – auch bei 30 Grad und mehr.

13 sporteln aktuell unter Bernhard Fähnles Anweisung. Wobei selten alle da sind. Sportdirektor Steffen Döttinger organisiert die Trainingseinheiten und kümmert sich auch darum, dass neu gewählte Bürgermeister von den Fitnessaktivitäten mitbekommen und eingeladen werden. Wobei nicht jeder Gefallen dran findet. Was, wie Steffen Döttinger betont, „völlig okay ist“.

Aktuelle Mitglieder der Bürgermeister-Sportgruppe sind Manfred Hollenbach, Erhard Häußermann (ehemaliger Kirchberger Schultes), Steffen Döttinger aus Affalterbach, Klaus Warthon aus Benningen, Torsten Bartzsch aus Murr, Thomas Winterhalter aus Steinheim sowie der langjährige Bezirksnotar Hartmut Braun, der langjährige Kämmerer der Stadt Steinheim Otto Arnold, der ehemalige Benninger Rathauschef Peter Haaf sowie der Leiter des Polizeireviers Marbach Frank Bartel und sein Vorgänger Peter Kolwe. Weiblichen Charme bringen Elli Voß-Döttinger und Stefanie Bartzsch ins Team.

Inzwischen hat Manfred Hollenbach die Stollenschuhe geschnürt und die Herren positionieren sich zum Start eines 50-Meter-Laufes. Jeweils eine Übung aus den Disziplinen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination müssen für das Sportabzeichen von Fähnle abgenommen werden. Wann, ist egal. Er führt detaillierte Listen und nimmt die Bestleistungen. „Das Abzeichen hat bisher jeder geschafft. Die meisten in Silber oder Gold“, freut sich der Trainer. Klaus Warthon fehlt an diesem Mittwoch – das bedeutet für Steffen Döttinger gute Chancen auf den schnellsten Lauf. „Bei Klaus und Steffen geht es immer darum, wer schneller ist“, erzählt Fähnle von dem nicht ernstzunehmenden Dauer-Duell der beiden Verwaltungsmänner. Dabei, ergänzt Hollenbach mit einem schelmischen Grinsen, sei der Affalterbacher Rathauschef anfangs nicht der Schnellste gewesen. „Da warst du auch so eine lahme Ente wie Joachim Scholz, den musste ich auch übers Ziel ziehen.“ Inzwischen ist der ehemalige Steinheimer Bürgermeister Langstreckenläufer.

Kurz drauf wird’s ernst. Fähnle gibt das Startzeichen, und in der Tat: Jogis 12. Mann, wie Döttinger es auf seinem Shirt stehen hat, kommt mit 7,2 Sekunden ins Ziel. Bei Hollenbach sind es acht Sekunden. Zu viel für den ehrgeizigen Sportler. „Die sieben müsste doch drin sein“, murmelt er und schüttelt den Kopf, aber aufgeben ist nicht seins. Der 74-Jährige will einen zweiten Lauf – mit dem Sportdirektor als Zugpferd. Doch es läuft noch schlechter. Diesmal zeigt die Stoppuhr gar 8,2 Sekunden an und Hollenbach gibt sich geschlagen. Für heute. Für das Sportabzeichen in Gold reicht diese Leistung aber allemal. Respekt die Herren!