Bottwartal/Handball Strukturreform löst im Bottwartal geteilte Reaktionen aus

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Die aktuelle und die künftige Ligen-Aufteilung. Die Größe der Männer-Landesligen ab 2020/21 ist noch unklar. Foto: Marbacher Zeitung

Bottwartal - Seit ein paar Tagen ist es offiziell: Die Spielklassenreform im Handballverband Württemberg (HVW) wird zur Saison 2020/21 kommen. Kernpunkt ist die (Wieder-)Einführung einer Verbandsliga zwischen der Württemberg- und der Landesliga. Dagegen soll die Württembergliga eingleisig werden. Konkret sieht die Planung so aus: Aus den bisher zwei Staffeln der Württembergliga mit derzeit je 15 Mannschaften wird eine 14er-Staffel. Das bedeutet auch, dass in der kommenden Saison nur die jeweils sechs besten Teams der beiden Staffeln auch in der Saison 2020/21 in der Württembergliga spielen.

Darunter kommt eine zweigleisige Verbandsliga mit je 14 Mannschaften, gefolgt von vier Landesligen statt bisher drei. Allerdings sollen die Landesliga-Staffeln von derzeit 14 Mannschaften verkleinert werden. Hier ist nur die Frage, ob auf zwölf oder gar nur auf zehn Teams. Das alles gilt wohlgemerkt nur für die Männer. Bei den Frauen steht fest: Unter einer eingleisigen Württembergliga mit zwölf Mannschaften folgen zwei Zehner-Staffeln in der Verbandsliga und vier Zehner-Staffeln in der Landesliga.

Der ursprüngliche Anstoß zur Reform sei es gewesen, „dass die Relegationsspiele wegfallen“, erklärt HVW-Präsident Hans Artschwager. „Daraus resultierte der Auftrag an die Spieltechnik.“ Dort überlegte man sich, wie man zudem die Gesamtzahl der Spiele auf Verbandsebene reduzieren könnte, um damit den Druck bei den Ansetzungen der Schiedsrichter zu reduzieren. So entstand der jetzige Plan. Denn aus den aktuell 62 Württemberg- und Landesligisten bei den Frauen sollen zwar künftig 72 Württemberg-, Verbands- und Landesligisten werden. Die Gesamtzahl der Spiele sinkt aber durch den Zuschnitt der Staffeln. Ähnlich wäre es im Männerbereich – sofern man sich auf Zehner-Staffeln in der Landesliga einigt.

Doch hier ist Artschwager ein klarer Gegner: „Wir können nicht den Anspruch haben, die zweitgrößte Sportart zu sein, und dann bei den Landesligen kleckern.“ Würde man aber auf Zwölfer-Staffeln gehen, würde nicht nur die Zahl der Mannschaften auf Verbandsebene steigen (von aktuell 72 auf 78), auch der Effekt für die Schiedsrichter würde verpuffen, die Zahl der Spiele sogar leicht steigen. Doch das ist für Artschwager auch nicht der wesentliche Punkt bei der Strukturreform: „Mir geht diese Rechnerei auf den Keks. In drei Jahren kommt das Problem doch eh wieder. Wir haben zu wenig Schiedsrichter, das wird sich nicht von heute auf morgen ändern, es werden eher noch weniger.“ Daher müsse man das Problem im Kern angehen, „und da sind die Vereine in der Pflicht“. Notfalls könne man in den unteren Ligen eben keine Unparteiischen mehr ansetzen und die Vereine müssten sich um die Besetzung kümmern, findet der HVW-Präsident.

Ein weiteres Argument für die Ligareform: Die Württembergliga soll durch die Eingleisigkeit attraktiver werden. Das sieht Michael Walter, Trainer von Württembergligist SKV Oberstenfeld, allerdings nicht gegeben: „Die Württembergliga ist doch derzeit attraktiv. In unserer Staffel kann jeder jeden schlagen. Und man nimmt uns damit einige Derbys“, sagt er. „Die Auswärtsfahrten werden weiter, was ja auch ein Kostenfaktor ist. Und es kommen bei Heimspielen vermutlich nicht mehr so viele Zuschauer der Gastmannschaft mit. Auch dadurch fallen Einnahmen weg“, moniert Walter.

Hinzu kommt natürlich auch der Druck, sich überhaupt für die eingleisige Württembergliga zu qualifizieren. Nach Lage der Dinge müsste man unter den ersten Sechs landen. Das könnte im Bottwartal eine brisante Situation ergeben: Der TV Großbottwar – künftig mit der HG Steinheim-Kleinbottwar in der HABO SG vereint – spielt derzeit in der Landesliga. Sollte der SKV Oberstenfeld, der bei der HABO SG nicht mit einsteigen wollte, sich nicht für die eingleisige Württembergliga qualifizieren, die HABO es hingegen unter die ersten Fünf oder Sechs der Landesliga schaffen, „dann würden beide in der Verbandsliga spielen – ohne dass einer offiziell auf- oder abgestiegen wäre“, sagt HABO-Leiter Bernd Rempfer, der aber auch sieht, „dass gerade für unsere Mannschaften im ersten Jahr, in dem wir uns ja eigentlich erst konsolidieren müssen, gleich ein hoher Druck da ist, weiter oben in der Tabelle zu landen, um es in die Verbandsliga zu schaffen“.

Jürgen Buck, künftiger Trainer derHABO-Männer, sieht die Strukturreform grundsätzlich positiv. „Das Niveau in der Württembergliga wird noch höher, die Auf- und Abstiegsregelung ist klarer. Ganz schlecht würde ich aber Zehner-Staffeln in der Landesliga finden“, ist er mit Hans Artschwager einer Meinung. Allerdings hält er nicht viel davon, für Spiele in unteren Klassen im Ernstfall keine Schiedsrichter mehr anzusetzen. „Damit würde man das Vereinsleben beschneiden, weil man den unteren Mannschaften suggeriert, dass ihr Sport nichts wert ist. Ganz klar: Man muss die Schiedsrichterproblematik anpacken. Vielleicht sollte man den Job einfach dadurch attraktiver machen, dass man mehr zahlt.“ In letzter Konsequenz würden dadurch die Vereinsbeiträge steigen. „Wenn ich das aber mal vergleiche mit dem was zum Beispiel Klavierunterricht kostet, dann sind wir doch eigentlich viel zu billig“, findet Jürgen Buck.

Für Tobias Klisch, Trainer der Württembergliga-Männer der SG Schozach-Bottwartal, macht die Strukturreform „die Sache aus meiner persönlichen Sicht interessanter, weil es dadurch alles etwas professioneller werden sollte. Für einen Verein wie die SG, muss man sehen, wie es sich entwickelt. Der Aufwand wird sicherlich höher, wenn ich an die Fahrten zum Beispiel nach Wangen im Allgäu denke. Dafür fallen eben auch einige Derbys weg“, sieht Klisch ähnlich wie Michael Walter hier ein Problem und fügt an: „Ob der sportliche Mehrwert tatsächlich so hoch ist, dass er den höheren finanziellen Aufwand rechtfertigt, das bleibt abzuwarten.“ Ein ganz klares Plus der Strukturreform ist in den Augen von Klisch der Wegfall der Relegation: „Wenn man als Zweiter der Württembergliga noch aufsteigen wollte, dann war man bisher bis in den Juni hinein am Spielen. Da sollte eigentlich die Vorbereitung auf die neue Saison schon losgehen.“ Mit Vorfreude blickt der SG-Trainer auf die kommende Spielzeit: „Da wird sich keiner mehr am Ende hängen lassen können, so wie es derzeit der Fall ist, weil es für jeden noch um etwas geht.“

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