Bottwartal/Handball „Ich bin stolz auf das, was alle gemacht haben“

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Bernd Rempfer hofft darauf, dass im ersten Jahr alle Mannschaften ihre Ligen halten. Foto: Sandra Brock

Bottwartal - Im Dezember vergangenen Jahres haben sich der TV Großbottwar, der TSG Steinheim und der GSV Kleinbottwar zur Handballspielgemeinschaft Bottwar (HABO SG) zusammengeschlossen. Was sich seitdem getan hat und wie es weitergeht, das erklärt der erste Vorsitzende Bernd Rempfer.

Vor rund einem halben Jahr ist die HABO SG gegründet worden. Was hat sich seitdem getan?

Das Wort furchtbar soll nicht negativ belegt sein. Aber es hat sich furchtbar viel getan. Wir haben eine räumliche Heimat gefunden und sind nun mit in der Geschäftsstelle des TV Großbottwar in der Kreuzstraße 14. Das war mit ein Meilenstein. Außerdem haben wir eine richtig gute Trainermannschaft zusammenbekommen, bei der bei den Herren 1 vorne Jürgen Buck steht und bei den Frauen 1 Timo Peter. Die zweite Herrenmannschaft wird von Simon Friedl und die zweite Frauenmannschaft von Janine Zieker betreut. Und dann haben wir viel in Form von Sponsorensuche gemacht. Wir haben versucht, ein gutes Sponsorenteam zu finden. Ich denke, das haben wir auch. Einige Sponsoren machen das mit verbunden mit dem Wunsch, dass es die HABO SG mal in der gleichen Form gibt wie die HABO JSG. Aber das ist ein anderes Blatt.

Da hake ich aber doch direkt mal kurz ein. Das heißt, es gab keine weiteren Gespräche mit dem SKV Oberstenfeld?

Man sieht sich immer wieder mal in den Hallen, aber wir haben ja ausgemacht, dass wir uns erst wieder treffen, wenn alles abgeschlossen ist. Heißt: Wenn die Saison beginnt, dann wird man wohl mal zusammenkommen und sich unterhalten. Dann wird auch der SKV Oberstenfeld sehen, wie wir uns organisatorisch und mannschaftstechnisch aufgestellt haben.

Wie habt Ihr euch denn aufgestellt?

Wir starten mit vier Männermannschaften im Aktivenbereich. Die Vorstellung war ursprünglich mal drei oder vier. Dass es dann vier geworden sind, ist gut. Und das ist das Positive an dieser ganzen Geschichte: Wir haben kaum Schwund. Man hat eigentlich gedacht, es gibt Reibereien und manche hören auf. Aber das Gegenteil ist der Fall. Es gibt sogar Spieler, die gesagt haben: ‚Eigentlich wollte ich aufhören, aber in der Herren 4 oder Frauen 3 spiele ich doch noch gerne mit.’

Und neben den Männerteams?

Wir werden noch eine AH-Mannschaft, eine AD-Mannschaft und drei Frauenmannschaften stellen. Bei den Frauen waren wir lange am überlegen, ob wir eine dritte Mannschaft ins Rennen schicken, ob es personell reicht. Wir haben aber gesagt, wir müssen eine Tür für die Jugendlichen auflassen, die aus der A- oder B-Jugend kommen. Diese müssen schon etwas in den Aktivenbereich reinschnuppern können.

In welchen Ligen werden die Teams zukünftig spielen?

Bei den Herren besetzen wir die Landesliga, die Bezirksliga, die Bezirksklasse und die Kreisklasse. Bei den Frauen wird es die Landesliga, die Bezirksliga und die Bezirksklasse sein. Das war ja unser Ziel: Wir wollten in jeder dieser Ligen ein Team haben. Es ist sehr schön, dass das so geklappt hat.

Wie sieht es aus mit neuen Trikots? Was wird Eure Farbe?

Spielfarbe ist schwarz – angelehnt an die HABO JSG, weil wir doch zeigen wollen, dass wir zusammen gehören. Wir haben die HABO JSG damals ja auch hauptsächlich dafür gegründet, damit die Spieler später bei der HABO SG spielen können. Was sehr positiv ist: Es kommen bereits Spieler zurück, die früher bei der HABO JSG gespielt haben. Das beste Beispiel ist Julian Stingel aus Kleinbottwar. Er war bei der HABO bis zur C-Jugend, ist dann zur SG BBM Bietigheim gegangen und kommt jetzt wieder zurück. Er wird dann bei den Aktiven spielen. Neben ihm gibt es noch ein paar andere. Das zeigt, dass viele sehen: Es geht was. Da entsteht was. Da will man mitmachen.

Heißt das im Umkehrschluss, dass negative Reaktionen ausblieben?

Es lief tatsächlich alles sehr positiv. Sowohl in der Vorarbeit bis hin zur Gründungsfeier, als auch danach. Ich muss ehrlich sagen: Ich hätte nicht gedacht, dass alles so harmonisch über die Bühne geht. Dass die Leute selbst im Aktivenbereich sagen: ‚Ja, das packen wir.’ Dass der eine euphorischer ist als der andere, ist klar. Es gibt welche, die den Gedanken von Anfang an mitgegangen sind. Andere mussten überzeugt werden. Aber sie haben sich überzeugen lassen. Das ist großartig. Wenn Spieler gegangen sind, dann hatte das sportliche Gründe, wie etwa bei Timm Buck, der nach Oppenweiler geht, oder bei Lars Eisele und Yannick Zieker, die beide zum SKV Oberstenfeld gewechselt sind. Alle dürfen sehr gerne jederzeit wieder zurückkommen.

Die beiden haben in der A-Jugend gespielt, die ja die Qualifikation zur Bundesliga verpasst hat. Wie geht es mit diesem Team weiter – jetzt wo Jürgen Buck als Trainer zu den Aktiven wechselt?

Die männliche A-Jugend der HABO JSG wird zukünftig von Sven Bühler zusammen mit Jonathan Siegler und Max Körner trainiert. Und ich bin mir sicher, sie werden eine gute Württemberg-Oberliga-Saison spielen.

Blicken wir noch einmal kurz zurück. Was war die schwierigste Aufgabe im vergangenen halben Jahr, die es zu bewältigen gab?

Die schwierigsten Aufgaben waren und sind die ganzen vertraglichen und rechtlichen Dinge. Die Formalien, die mit der Gründung der Spielgemeinschaft zusammen hängen. Sowie das ganze Formularwesen drum herum, um das sich das Marketingteam hervorragend gekümmert hat.

Das heißt das Sportliche – wie etwa das Zusammenstellen der Mannschaften – lief komplett rund?

Die Herren- als auch die Frauenmannschaften haben Anfang Juni bereits die ersten Trainingseinheiten aufgenommen. Jetzt sind gerade Ferien, aber danach geht es direkt weiter. Bei allen ist es so: Die Trainer haben schon ihre Ideen, wie die Teams aussehen sollen. Aber man macht eine gemeinsame Vorbereitung und dabei entdeckt man vielleicht doch den ein oder anderen, den man zuvor in einer anderen Mannschaft gesehen hat. Ein positiver Nebeneffekt ist: Wenn man die gleichen Spielzüge übt, kann man auch leichter einmal auf jemanden aus einer anderen Mannschaft zurückgreifen und jeder weiß gleich, wie der Hase läuft.

Gab es bei den Spielern die Befürchtung, dass nach dem Zusammenschluss beispielsweise die ersten TVG-Mannschaften eins zu eins auch die ersten HABO-Mannschaften werden?

Dass die Befürchtung bei dem ein oder anderen da war, das will ich nicht abstreiten. Aber man hat ja in den Gesprächen von Anfang an klar gemacht, dass man eine gemeinsame Vorbereitung macht. So wusste jeder, dass er die Chance hat, sich zu zeigen. Die Leute sind diesbezüglich echt immer offen gewesen.

Bei der Gründungsfeier wurde von dem Ziel „plus eins“ gesprochen. Heißt: Der Wunsch ist, dass jedes Team irgendwann eine Liga höher spielt. Wollt Ihr das nun direkt schon im ersten Jahr angehen?

Das wäre zu vermessen. Es ergeben sich ja neue Mannschaften, deshalb muss man erst einmal Neues einüben. Unser Ziel ist, diese Ligen zu halten, die wir haben. Und das ist mit neuen Mannschaften sicherlich nicht einfach. Vor allem im Landesliga-Bereich. Und wenn man dann noch bedenkt, dass zur Saison 2020/21 die Ligen-Reform kommen wird, ist die Landesliga-Saison dieses Jahr eminent wichtig. Da wird der Kampf um die Plätze eins bis sieben intensiver sein. Da werden einige Mannschaften sicherlich noch mehr investieren – die einen finanziell, wir vom Training her, weil wir gesagt haben, wir gehen nicht auf die finanzielle Schiene.

Durch die Ligen-Reform könnte man ja recht schnell – ohne aufzusteigen – in die neu zu gründende Verbandsliga rutschen. Ein gutes Abschneiden würde reichen . . .

Was ein interessanter Nebeneffekt bei dieser Reform wäre: Sollte Oberstenfeld in der Württembergliga nicht unter die ersten Acht kommen und wir in der Landesliga unter die ersten Drei, dann würden wir ohne aufzusteigen und Oberstenfeld ohne abzusteigen plötzlich in derselben Liga spielen. Das ist schon eine pfeffrige Geschichte. Ich wünsche das Oberstenfeld natürlich nicht. Ich wünsche ihnen, dass sie sich für die Württembergliga qualifizieren und auf ihrem Niveau bleiben können. Aber klar ist: Sie werden irgendwann unser Konkurrent werden. Unsere Aufgabe heißt jetzt aber erstmal: Liga halten und wenn wir daraus die Verbandsliga machen könnten, wäre das bombastisch.

Wichtig war Ihnen von Anfang an, dass Sie ein stabiles Fundament für die HABO SG hinbekommen. Steht das Fundament inzwischen oder gibt es noch Positionen, die nicht besetzt sind?

Wir haben sehr viele Positionen besetzen können und haben auch sehr viele Leute, die helfen. Uns fehlt jedoch noch ein Schriftführer. Außerdem fehlt uns jemand, der im Marketing den Hut aufhat. Ich bin aber guter Dinge, dass wir da jemand finden. Ansonsten sind wir sehr gut aufgestellt. Wir haben ein gutes Fundament in der HABO SG geschaffen, haben aber dadurch der HABO JSG etwas das Fundament genommen.

Inwiefern?

Der komplette Vorstand – bis auf Bruno Schillinger – muss neu gewählt werden. Da muss etwas passieren, nachdem neben mir auch einige andere in die HABO SG gewechselt sind oder aufhören. Am 5. Juli ist Hauptversammlung.

Zeichnet sich eine Lösung ab?

Ja. Im ersten Moment sah es nicht so aus, doch dann sind die Gespräche angelaufen und auch die Eltern haben gemerkt, dass etwas passieren muss. Es ist ja in unser allem Sinne, dass das Konstrukt HABO JSG weiterbestückt wird.

Was steht jetzt noch weiteres an bis zum Saisonstart?

Die Trainerverträge müssen vollends fix gemacht werden, wir sind uns aber mit allen einig. Dann geht es darum, dass der Spielbetrieb ins Laufen kommt. Dass das Drumherum funktioniert. Heißt: Wir müssen die Bewirtung organisieren, die Banner neu anbringen und zum Beispiel auch schauen, wie unsere Dauerkarten ab sofort aussehen.

Das alles sind sonst ja ganz eingespielte Sachen in einem Verein.

Ganz genau. Aber wir fangen eben bei null an. Da muss man auch bei vielen Sachen vorsichtig sein, damit man nicht jemanden vor den Kopf stößt. Sponsoren beispielsweise, die schon seit Jahren mit dabei sind bei den Vereinen. Klar ist aber: Wir müssen hier jetzt nicht mehr nur als Verein denken, sondern bei dieser Größe auch an die Wirtschaftlichkeit.

Durschnaufen kann man dann wohl erst am ersten Spieltag mal so richtig, oder?

Ja – dann kann man vielleicht mal gemütlich ein Glas Wein trinken. Doch selbst dabei wird klar sein: Wir müssen stetig weiterarbeiten. Beispielsweise auch daran, wie alles läuft, wenn die Riedhalle in Steinheim nicht zur Verfügung steht. Wir planen aktuell also nicht nur für die kommende Saison, sondern schon darüber hinaus.

Wie läuft denn die Planung bezüglich der Verteilung der Heimspiele?

Wir haben uns mit den Stammvereinen geeinigt, wie die Heimspiele aufgeteilt werden. Das ist im Vertrag geregelt. Wir haben vor, in Großbottwar die meisten Spiele stattfinden zu lassen. Dann in Kleinbottwar und dann in Steinheim. Wir haben versucht einen Schlüssel hinzukriegen, der an das angegliedert ist, was die Stammvereine an finanziellen Mitteln in die HABO SG einbringen müssen. Der TVG kommt mit zwei Landesliga-Mannschaften, da war das Budget schon ganz anders als bei den anderen Vereinen.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Wenn man zwölf Heimspiele in einer Saison hat, dann finden sechs in Großbottwar, vier in Kleinbottwar und zwei in Steinheim statt. Der Versuch war, dass man mit Steinheim und Kleinbottwar, also der ehemaligen HG, 50 Prozent hat. Ich finde, das ist ein fairer Schlüssel. Dieser gilt dann auch für alle aktiven Mannschaften. Wie das letztlich zu managen ist, ist keine leichte Aufgabe, aber ich bin sicher, dass Axel Döttinger und Simone Stegmaier in der Spieltechnik das hinkriegen werden. Die beiden sind ja schon alte Hasen in diesem Geschäft.

Blicken wir einmal voraus: Wie sehe die perfekte erste Saison aus? Was wäre das perfekte Krönchen?

Top wäre es, wenn alle Mannschaften ihre Liga halten könnten. Alles was darüber hinauskommen würde, wäre das genannte Krönchen. Und dann kann man ja noch ein paar bessere Zacken ins Krönchen machen. Wichtig ist, dass wir am Ende dieser Saison sagen können: Es sind alle zufrieden, die Mannschaften haben zusammengefunden, wir haben gute Spiele gezeigt und die HABO SG ist zusammengewachsen. Wenn die Zuschauer zudem sagen würden: ‚Mit der HABO SG habt ihr echt was Gutes hingebracht’, dann wäre ich mehr als glücklich.

Glücklich wirken Sie aber auch jetzt schon.

Ja, ich habe auch schon in den Gremien gesagt: Ich bin stolz auf das, was alle gemacht haben. Da kann sich jeder einzelne auf die Schulter klopfen. Eigentlich könnte man jedes Mal, wenn man an etwas einen Haken macht, ein kleines Fest machen. Aber dann würden wir aus dem Feiern gar nicht mehr herauskommen.

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