BM-Wahl Beilstein: Interview mit Barbara Schoenfeld „Es gab sehr viele unangemessene Herabsetzungen“

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Barbara Schoenfeld hat den Tag nach ihrer Wahl viel damit verbracht, Glückwünsche anzunehmen. Foto: Werner Kuhnle

Einen Tag, nachdem Barbara Schoenfeld mit 49,5 Prozent zur neuen Bürgermeisterin von Beilstein gewählt worden ist, überwiegt die Freude. Kritik äußert sie im Interview dennoch am Verhalten ihres Kontrahenten.

Beilstein -

Ein langatmiger und zum Teil sehr schmutziger Wahlkampf hat am Sonntag sein Ende gefunden – mit Barbara Schoenfeld als strahlender Siegerin und Georg Kobiela als einem Zweitplatzierten, den gerade einmal 18 Stimmen trennten. Wie Barbara Schoenfeld den Abend nach ihrer Wahl zur Bürgermeisterin noch verbracht hat, wie sie die vergangenen Wochen einordnet und was sie als Erstes in ihrem Amt angehen will, hat sie am Montagvormittag im Interview verraten.

Wie verlief der gestrige Abend noch?

Der Abend ging noch sehr lang, bis Mitternacht etwa. Ich habe viele Glückwünsche über Whatsapp, SMS und E-Mails bekommen. Natürlich ist man da bewegt. Deshalb habe ich heute Morgen auch nicht sehr lange geschlafen.

Wie fühlen Sie sich heute?

Es ist ein Gefühl des Getragenseins, ich habe gute Laune und bin froh, dass diese Phase jetzt wirklich vorbei ist.

Das heißt, der Wahlkampf hat gezehrt?

Ich bin froh, dass eine Entscheidung herbeigeführt worden ist und dass diese Entscheidung zu meinen Gunsten ausgegangen ist. Darüber freue ich mich. Dass so ein langer Wahlkampf anstrengend ist, hatte ich ja aber auch schon angedeutet.

Haben Sie denn wirklich immer daran geglaubt, dass Sie den Rückstand von rund 15 Prozent nach dem ersten Wahlgang noch aufholen können?

Die mehr als 1000 Stimmen beim ersten Wahlgang kamen ja von null. Deswegen war klar, dass es rechnerisch möglich ist. Ich kenne meine eigene Motivationslage und weiß, dass ich extrem ausdauernd und belastbar bin. Dazu hatte ich tolle Unterstützer. Es haben mich viele Bürger von sich aus unterstützt. Alleine hätte ich es sicherlich nicht geschafft. Aber mit der Hilfe vieler war es möglich.

Das heißt, Sie sind am Sonntag optimistisch in die Stadthalle gekommen?

Mir war klar, dass beide Varianten möglich sind, dass es eng wird und dass es theoretisch an nur einer Stimme hängen kann. Jetzt kann ich nur sagen: Ich bin froh über das Ergebnis. Ich freue mich, in Beilstein zu sein. Es fühlt sich gut an.

Wie erklären Sie sich die Aufholjagd? Lag es an den vielen Einzelgesprächen, die Sie geführt haben und mit denen Sie wohl gepunktet haben?

Die Einzelgespräche habe ich ja weiter fortgeführt, weil sie sich bewährt hatten. Deshalb glaube ich, dass ich einen Großteil der Stimmen darüber bekommen habe. Aber es lag auch an Bürgern, die mich unterstützt haben in der Überzeugungsarbeit.

Es war ein heftiger Wahlkampf. Teilweise eine Schlammschlacht. Wie haben Sie ihn empfunden?

Ich habe den Wahlkampf vor allem als Attacke gegen mich empfunden. Es gab sehr viele unangemessene Herabsetzungen. Jeden Tag. Ich habe diese nicht gemacht. Jetzt hoffe ich einfach nur, dass sich die verhärten Positionen wieder geben und es allgemein akzeptiert wird, dass es ein demokratisches Ergebnis ist.

Hochgeschaukelt hat sich die Stimmung vor allem in den vergangenen Wochen, also nach dem ersten Wahlgang . . .

Bis zum ersten Wahlgang bin hauptsächlich ich angegangen worden – über alle Kanäle. Aber ich habe es nicht publik gemacht, weil es nicht mein Stil ist.

Ergeben hat sie sich trotzdem. Und über eines wird auch immer wieder diskutiert: Warum haben Sie das Angebot von Georg Kobiela zu einem gemeinsamen Aufruf zu einem fairen Wahlkampf nicht angenommen?

Noch einmal, ich habe mich nicht an diesen Attacken beteiligt. Herr Kobiela hatte mindestes 50 Mal die Möglichkeit gehabt, seine Freunde zu mäßigen. Er hat es nicht getan und vieles billigend in Kauf genommen. Warum soll ein Spieler, der gefoult wurde zu einem fairen Wahlkampf aufrufen? Herr Kobiela hätte es tun sollen. Der Ball lag bei ihm.

Ein Gespräch zwischen Ihnen beiden wird es nun aber trotzdem noch geben?

Ich bin offen und gesprächsbereit, klar.

Sie selbst standen wegen ihres Beraters ab und an in der Kritik...

Warum eigentlich? Mein Berater hat an meiner Seite gestanden und mir vor allem zwei Dinge gesagt: Viel mit Menschen reden, fair bleiben, nicht provozieren lassen. Und übrigens, jedes Fußball-Team der F-Jugend hat einen Trainer. Welches Problem sollte hier erfunden werden?

Ihr Coach hat sich jedoch auch in den sozialen Medien geäußert und versucht Werbung zu machen und wurde dafür dann kritisiert. War das vielleicht zu viel des Guten?

Er hat einmal eine Frage gestellt. Und nicht mehr. Eine in vier Monaten. Ich werde bei Facebook seit vier Monaten attackiert, beleidigt und es wurden Lügen verbreitet. Wenn dann mal einer schreibt: ‚Gut gemacht’, das ist doch nicht so schlimm, oder?

Lassen wir den unschönen Wahlkampf hinter uns. Wie wollen Sie in den kommenden Wochen die Wogen glätten und wieder ein Stück weit Ruhe in die Stadt reinbringen?

Jetzt sind zunächst ja einmal Fristen abzuwarten. Insgesamt sind das fünf Wochen. Ich nehme gerne Gespräche mit jedem, der das möchte, auf. Ich bin immer ansprechbar, absolut gerne. Nach dem Termin der Vereidigung möchte ich dann alle Mitarbeiter systematisch kennenlernen, mit ihnen wie auch mit den Gemeinderäten ins Gespräch kommen und mich dann schnellstens in Themen einarbeiten und starten.

Sie rechnen also mit einem Start zum 1.  Juni?

Ich brauche noch das Okay von meinem Dienstherren. Aber das wäre mein Wunsch.

Gibt es konkret gleich ein Projekt, mit dem Sie anfangen wollen?

Ja – die Bedarfsabfrage der Kita-Plätze. Das drängt, damit wir dann schnell in die personelle und organisatorische Planung reingehen können.

Wie verbringen Sie den heutigen Tag noch? Feiernd?

Hauptsächlich damit, auf die vielen Glückwünsche zu antworten. Ich freue mich sehr darüber. Heute Morgen war ich für einen kurzen Erstkontakt auch im Rathaus und auf dem Bauhof, um Brezeln abzugeben. Ich wollte ein erstes Hallo sagen.

Das Gespräch führte Julia Spors

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