Blickwinkel zur Sanierung der Burg Lichtenberg Schade!

Von Karin Götz
Der Verputz des rechtes Turm sticht dem Betrachter der Burg Lichtenberg ins Auge. Foto: Archiv (dpa)

Die Sanierung einer Fassade der Burg Lichtenberg lässt jegliche Sensibilität missen.

Oberstenfeld - Sie ist für mich so etwas wie das Wahrzeichen des Bottwartals: die Burg Lichtenberg. Gilt es, ein Tagesprogramm für Besuch der Verwandtschaft aus Bayern oder aus dem Hohen Norden auszuarbeiten, darf ein Spaziergang durch die Weinberge und verbunden damit ein Blick auf und bisweilen auch in die denkmalgeschützte Burganlage nicht fehlen. Doch auch ohne Besuch sind der Stopp nahe der Burg und das Eintauchen in die Ruhe und die Natur Balsam für die Seele.

Als die Redaktion Anfang März die Nachricht über die Biergarten-Pläne von Investor Christoph Wichmann erreichte, wurde unter den Kollegen durchaus kontrovers diskutiert. Ich gebe zu – ich zählte damals zu den Zweiflern, ob die Zukunftspläne für das Tal an dieser Stelle die richtigen sind. Natürlich ist der Platz unterhalb des Gemäuers ein wunderbarer Ort. Natürlich ist die Vorstellung, dort nach einer Wanderung oder Radtour eine Erfrischung zu bekommen und dabei einen der schönsten Ausblicke im Bottwartal zu genießen, verlockend. Ein Biergarten würde viele Menschen aus nah und fern anziehen. Und genau da setzt mein gedankliches Problem ein. Bei der Vorstellung, mehrere hundert Leute prosten sich in dieser einzigartigen Wein-Landschafts-Idylle die Biergläser zu, schaudert es mich noch immer ein wenig.

Ja, ich hätte die ursprüngliche Idee charmanter gefunden, nach der der Landkreis und die Gemeinde Oberstenfeld mit Geld der Kreissparkassen Stiftung „Kunst, Kultur und Bildung“ die Burg erhalten wollten. Doch der Burgherr machte nach unzähligen Absprachen und einer schriftlichen Absichtserklärung einen Rückzieher und gründete mit dem Beilsteiner Investor eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Das ist sein gutes Recht. Ohne Frage. Doch die jüngsten Ereignisse nähren meine anfänglichen Zweifel. Noch im März hatte der Investor von einer „behutsamen“ Baumaßnahme „ohne Druck, unter Wahrung der wundervollen Bausubstanz“ gesprochen. Wer dieser Tage vom Tal gen Burg blickt, den muss es schaudern. Der jahrhundertealte Turm sei unsachgemäß auf eine Art und Weise verputzt worden, die dem besonderen Denkmal nicht gerecht werde, poltert der Präsident der Stiftung NatureLife-International. Und auch wenn ich nicht immer mit Claus-Peter Hutter einig bin, so trifft er mit seiner Kritik in diesem Punkt ins Schwarze. Unabhängig davon, ob die Arbeiten mit der Denkmalbehörde abgesprochen waren oder nicht, lassen sie jegliche Sensibilität im Umgang mit einer Burg missen, die als eine der besterhaltenen stauferzeitlichen Burgen Deutschlands gilt. Selbst wenn der Verputz nachdunkeln sollte, wie der Investor betont, wird die Wand ein Schandfleck bleiben und nährt die Zweifel mehr, als dass sie sie nimmt. Schade!