Blickwinkel zum Warnstreik der Kitas Wertschätzen

Von Karin Götz
Die Arbeit von Erziehern ist von immenser gesellschaftlicher Bedeutung. Foto: Archiv (dpa)

Das pädagogische Personal an den Kindertageseinrichtungen fordert Unterstützung – zu Recht.

Marbach - Ein entscheidender Eckpfeiler guter frühkindlicher Bildung ist die Arbeit, die tagtäglich die zig Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertageseinrichtungen landauf, landab leisten. Sie ist mit die Basis, damit wir unseren Nachwuchs gut gerüstet in die Schule und später in die erwachsene Welt entlassen. Die Arbeit, die das Personal in den Einrichtungen leistet, ist von immenser gesellschaftlicher Bedeutung. Und dennoch fehlt es an Anerkennung für eben diese Arbeit.

Am 15. Oktober hatte Verdi zum Warnstreik der Kitas im Kreis Ludwigsburg aufgerufen. Die 64 pädagogischen Fachkräfte an den sieben Einrichtungen der Stadt Marbach hatten drei Tage vor dem Streik beschlossen, in die benachbarte Barockstadt zu fahren und daran teilzunehmen. Als jedoch in den beiden Tagen vor dem Streik die Corona–Fallzahlen im Kreis rasant in die Höhe schossen, entschied man sich kurzfristig gegen die Teilnahme des Streiks, um auszuschließen, dass bei einer eventuellen Ansteckung mit Covid 19 eine Schließung der Marbacher Kitas die Folge gewesen wäre.

Anstatt der Teilnahme am Warnstreik haben die Mitarbeiter der Einrichtungen ein Schreiben an Verwaltung und Gemeinderäte aufgesetzt, um deutlich zu machen, dass man dennoch hinter den Forderungen des Streiks steht. Als da wären eine finanzielle Aufwertung sowie eine personelle Aufstockung. Die Aufgaben, führen die Erzieherinnen im Schreiben an, werden immer mehr. Und zwar nicht nur die Arbeit am Kind, die in ihrer Individualität die pädagogische Arbeit der Kräfte sehr beansprucht. Auch die Anzahl der Kinder mit Fluchterfahrung mit teilweiser Traumatisierung nimmt stetig zu. Und auch die Eltern brauchen zunehmend Unterstützung und fachliche Begleitung.

Was also tun? Im jüngsten Verwaltungsausschuss kam aus dem Gremium heraus der Auftrag an die Verwaltung, sich dem Anliegen der Erzieher anzunehmen. Und Franziska Wunschik, die Beigeordnete der Stadt, reagiert. Sie will sich zusammen mit der Kindergartenfachberaterin, Elke Vogelsang-Haase, mit dem pädagogischen Personal zusammensetzen und hören, welche Unterstützung und welche Art von Anerkennung sich die Mitarbeiter wünschen. Mitarbeiter, die wie sie betont, gerade auch in Coronazeiten ein hohes Maß an Flexibilität und Verantwortung gezeigt haben.

Die Stadt Stuttgart bezahlt dem pädagogischen Personal in den Kindertageseinrichtungen seit 2014 eine freiwillige Prämie von monatlich 100 Euro brutto. Wer nicht 100 Prozent arbeitet, bekommt entsprechend weniger. Das ist nicht die Welt, aber es ist ein Signal von vielen, das möglich ist. Prämie, zusätzlicher Urlaub, Freistellung für Vorbereitungszeit – vieles ist denkbar. Man muss es nur wollen.