Blickwinkel zum 11. September Terror? Das muss ein Computerspiel sein

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Diese Bilder haben sich uns allen wohl tief eingebrannt. Foto: Archiv (dpa/Richard Drew)

Für Redakteur Andreas Hennings ist es kaum zu glauben, dass die Anschläge von 9/11 schon 20 Jahre zurückliegen. Sie beendeten für ihn eine kindliche und naive Hoffnung . . .

Marbach - Wie teils auch heute war der 11. September vor 20 Jahren – wenn die Vorhersage stimmt – ein schöner, spätsommerlicher Tag. Dass der 11. September 2001 trotzdem mit keinem anderen Tag zu vergleichen ist, brauche ich Ihnen nicht zu erzählen. Wohl an kein anderes Datum in diesem Jahrtausend erinnern wir uns alle, die wir über 30 Jahre alt sind, so genau. Wissen im Detail, wie unser Tagesablauf war, wo und wie wir von den Anschlägen in Manhattan, Washington und Pittsburgh erfuhren. Dass das alles schon 20 Jahre zurückliegt, erschreckt mich ein wenig. Fühlt es sich doch gar nicht so weit entfernt an.

Terror, Explosionen? Das muss ein neues PC-Spiel sein...

Dazu muss ich sagen: Mit meinen damals zwölf Jahren kannte ich das World Trade Center gar nicht. Zwar hing im Zimmer meines Bruders ein Poster mit der Skyline Manhattans. Wirklich Beachtung schenkte ich dem aber erst nach 9/11. Und so realisierte ich in den ersten Stunden auch gar nicht, was da in den USA passierte. Wir kickten in kleiner Runde auf dem Murrer Sportplatz, als ein älterer Kumpel dazukam. Er sprach ganz aufgebracht von Terror, Explosionen und Hochhäusern. Da ich diese Hochhäuser ja nicht kannte und ich mir so etwas in der Realität gar nicht vorstellen konnte, dachte ich, hier geht’s gerade um irgendein Computerspiel. Was mich nicht interessierte. Weshalb ich nicht näher zuhörte.

Ist das der Beginn des Dritten Weltkriegs?

Erst Stunden später vorm Fernseher wurde mir klar, was los ist. Ich weiß noch, wie ein Freund und ich uns später fragten, ob das jetzt der Beginn des Dritten Weltkriegs ist. Die nächsten Tage hing ich, abgesehen von den Vormittagen in der Schule, quasi nur vor der Glotze und lauschte der tiefen Stimme Peter Klöppels. Und auch in der Schule gab’s natürlich kein anderes Thema. Was mit daran lag, dass wir bis kurz zuvor für mehr als ein Jahr einen Mitschüler aus Pittsburgh in der Klasse hatten, der inzwischen mit seiner Familie in die Heimat zurückgekehrt war. Lange war ja unklar, was genau beim dortigen Flugzeugabsturz geschah. Entsprechend besorgt waren wir.

Die Menschheit wird nicht vernünftig

Über den 11. September und seine Folgen wird bis heute viel gesprochen. Für mich bleibt es der Tag, an dem mir klar wurde, dass die Menschheit nicht vernünftig werden würde, bis ich mal erwachsen bin. Als Kind malt man sich ja gerne aus, dass es auf der ganzen Welt zu Frieden kommen wird und niemand mehr Hunger leiden muss. 9/11 und der folgende Krieg im Irak, dessen erste Stunden live im Fernsehen übertragen wurden, woran ich mich erinnere, als wäre es gestern gewesen, beendeten in mir diese kindlich naive, und doch so große Hoffnung.