Blickwinkel Wen soll ich nur wählen?

Von Andreas Hennings
Bis zur Wahl sind’s nur noch vier Wochen. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Bei dieser Bundestagswahl fällt’s bislang besonders schwer, eine Entscheidung zu treffen. Was auch an den fehlenden Perspektiven bei einzelnen Themen liegt.

Marbach/Bottwartal - Vier Wochen sind’s noch hin, bis große personelle Veränderungen anstehen. Mit der Bundestagswahl Ende September endet die 16-jährige Kanzlerschaft von Angela Merkel. Und auch Eberhard Gienger kandidiert nicht mehr. 19  Jahre lang war er Abgeordneter unseres Wahlkreises. Wie lange Merkel und Gienger ihre Posten inne hatten, zeigt der Rückblick auf das, was kurz vor oder nach ihren Amtsantritten los war: der Anschlag aufs World Trade Center, der Euro als neue Währung, Griechenland als Fußball-Europameister und eine gewisse Greta Thunberg, die das Licht der Welt erblickte. Das ist also eine ganze Weile her.

Andreas Hennings

Jetzt stellt sich die schwierige Frage, welche Parteien und Personen die nächsten vier Jahre regieren werden. Selten dürfte der Ausgang einer Bundestagswahl so ungewiss gewesen sein. Natürlich gab es viele knappe Rennen um die meisten Stimmen. Auf Bundesebene waren es aber stets zwei Parteien, die sich ums größte Stück vom Kuchen duellierten. Inzwischen scheint das Feld breiter geworden, die Vorherrschaft der Altparteien noch weiter geschrumpft zu sein.

Wahl nach dem Ausschlussprinzip?

Klar ist also: Es wird richtig spannend. Aber für den Wähler auch nicht einfacher. Vor keiner anderen Wahl, so zumindest mein Eindruck, hörte ich so häufig, dass Mann oder Frau nicht wissen, wem sie ihr Kreuzchen geben werden. Erst vorgestern erzählte mir das auch eine Kollegin. Zwar gehe es ihr wieder um ihre Überzeugungen, diesmal aber irgendwie auch einfach nach dem Ausschlussprinzip. Mit dieser Ungewissheit ist sie sicher nicht die einzige. Was allgemein daran liegen dürfte, dass sich die drei aussichtsreichsten Parteien schwer tun. Die CDU befindet sich im Umfrage-Sturzflug. Die SPD ist bis auf Kanzlerkandidat Scholz so unsichtbar wie in den Jahren zuvor. Und den Grünen bringen, anders als bei Fukushima vor zehn Jahren, nicht mal die verheerenden Hochwasser und Waldbrände mehr Zustimmung ein. Dazu kommt, dass auch die weiteren Parteien bisher nicht spürbar von dieser Gemengelage profitieren.

Um Themen geht’s bislang kaum

Auch ich tue mich schwer mit meiner Entscheidung. Was mir fehlt, ist die Perspektive, welche Partei was auf welche Weise anpacken will. Bislang geht’s fast nur darum, wer am ehesten als Kanzler geeignet ist. Ohne Frage ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Um Themen geht’s aber kaum. Leider. Ob sich sich das noch ändern wird? Vorerst bleibt nur die Erkenntnis, dass bei dem knappen Rennen jede Stimme Gewicht haben wird. Trotz allem also mein Aufruf im Sinn der Demokratie: Gehen Sie wählen! Auch wenn’s vielleicht schwer fällt.