Blickwinkel Sommer, wo bleibst du bloß?

Von Karin Götz
Wettertechnisch hat der Sommer bisher zu Wünschen übriggelassen. Foto: Archiv (fotolia)

Es fällt schwer gute Laune zu haben, wenn Regen die Sonne verdrängt. Doch für die nächsten Wochen gibt es offenbar Hoffnung.

Marbach/Bottwartal - Über sich selbst ein Urteil zu bilden, sollte man tunlichst vermeiden. In der Regel ist der Blick anderer auf einen der ehrlichere und zutreffendere. Und doch wage ich zumindest eine Einschätzung: Ich zähle nicht zu den Menschen, die ständig miese Laune vor sich hertragen. Und ich zähle auch nicht zu denjenigen, die alles immer schlecht reden.

Eigentlich. Denn seit einigen Wochen kommt mir die gute Laune von Tag zu Tag, von Wolkenbruch zu Wolkenbruch, von Gewitter zu Gewitter mehr und mehr abhanden. Wie ging das noch mal mit dem Hochsommer? Wie hat es sich angefühlt, in der Mittagspause bei 30 Grad mit dem Team einen Eiscafé zu genießen? Oder sich im Feierabend im Wasser abzukühlen? Die Erinnerung verblasst von Woche zu Woche mehr.

Die Vögel ziehen schon nach Afrika

Vor ein paar Tagen habe ich in meiner Verzweiflung unseren MZ-Wetterexperten gefragt, ob die dritte Jahreszeit heuer komplett auf Tauchkurs geht oder es doch noch Hoffnung gibt. Hoffnung für Menschen wie mich, die sich nach Sonne sehnen – und zwar ein paar Wochen am Stück. Unter der Woche wie am Wochenende. Und eben nicht nur für ein Stündchen am Tag – denn meist ist genau das die Zeit, in der man eben nicht mal kurz ne Pause machen kann, sondern am Schreibtisch sitzt oder in Konferenzen hängt. Ich hab ihn satt, diesen Sommer.

Und nicht nur ich. Mauersegler und Kuckuck machen sich dieser Tag schon auf den Weg nach Afrika, informiert der Präsident der Umweltstiftung NatureLife-International, Claus-Peter Hutter. Auch sie scheinen genug zu haben vom deutschen Sommer 2021. Wer kann es ihnen verdenken? Ich nicht. Der Vogelzug sei ein Zeichen dafür, dass sich die Natur langsam auf den Herbst einstelle. Na denn.

Der Blick aufs Grün entschädigt

Doch Wetterprofi Yannick machte mir Mut. Er habe Hoffnung, schrieb er mir, dass es einen schönen Spätsommer geben wird und der Sommer von Mitte August an etwas konstanter zu Gast sein werde. Das hört sich gut an. Daran halte ich mich. Denn wie heißt es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Außerdem bekommen Miesepeter bekanntlich schneller Falten. Und wer will die schon?

Also erfreu ich mich an dem satten Grün im Garten, sag mir jeden Tag, dass wir uns eine halbe Stunde Gießen – und damit Zeit und Geld – sparen, die neuen Sommerklamotten geschont werden, und bin darüber hinaus dankbar, dass ich mir nicht jeden Tag das Gejammer unseres Jüngsten anhören muss, für den Temperaturen über 25 Grad eine Zumutung sind. Motzende Kinder sind fast so schlimm wie Regen im Sommer.

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