Blickwinkel Hoffnung lebt

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Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Marbach - Allzu gern erinnere ich mich daran, wie ich als Kind und Jugendlicher Jahr für Jahr im Januar aufs Schlachtfest in die Murrer Gemeindehalle gegangen bin. Denke ich zurück, habe ich direkt die proppenvolle Halle vor Augen, in der die Erwachsenen an den Tischen lebhaft ein „Schwätzchen“ halten, und in der wir Kinder in den schmalen Gängen zwischen den Tischen umherflitzen oder uns in der Aula an der wohl einzigartigen Mini-Kegelbahn der Freizeitsportgruppe II. Weg ausprobieren. Für die Moderatoren, Musiker und weiteren Gäste auf der Bühne ist es oft ganz schön schwierig gewesen, gegen diesen Lautstärkepegel vom Publikum anzukommen. Schon das Geklimper von hunderten Messern und Gabeln war unüberhörbar. Und apropos Besteck: In die Nase steigt mir beim Gedanke daran sofort der Duft von deftigen Leckereien, die auf prall gefüllten Tellern von eifrigen Bedienungen auf Wagen zu den Besuchern gefahren werden. Wohl niemand verließ später die Gemeindehalle, ohne dass seine Kleidung nach Sauerkraut roch.

Andreas Hennings

Doch genug der Erinnerung. Zumal ich generell tunlichst vermeide, zu sagen, dass etwas schöner war als es heute ist. Schließlich ist auch die Gegenwart schön. Doch das Schlachtfest ist kein Teil dieser Gegenwart mehr – leider. Weil nicht mehr genügend Helfer gefunden wurden, musste es vor fast elf Jahren abgeblasen werden. Kein Wunder, dass bei mir die Alarmglocken schrillten, als es in dieser Woche um die Zukunft des Bürgerfestes in Marbach ging. Das wird 2019 ebenfalls nicht stattfinden. Zum einen ist es der anstehenden Baustelle am Rathaus geschuldet, zum anderen war aber auch hier immer wieder die Hoffnung aufgekommen, dass sich mehr Vereine und Ehrenamtliche für eine Teilnahme begeistern lassen. Zusätzlich braucht es nun eine neue Hauptorganisation, da Wolfgang Böhm nach fast 30 verdienten Jahren nicht mehr in erster Reihe stehen möchte. Wer möchte es ihm verdenken.

Dem Bürgerfestverein ist zu wünschen, dass er die Pause nutzen und das Fest bei der angestrebten Neuauflage im neuen Jahrzehnt – frühestens 2021 – tatsächlich „in neuem Glanz“ erstrahlen kann, wie es Bürgermeister Jan Trost ausdrückt. Die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, kann ein Weg sein – lassen sich diese Schultern denn finden. In Vereinen ist zwar oft zu spüren, dass die Mitglieder gerne anpacken, vor einer verantwortungsvolleren Aufgabe aber zurückschrecken.

Mit seinen Ständen in der Fußgängerzone hat das Bürgerfest sein eigenes Flair. Es bietet Unterhaltung und ist ein beliebter Treffpunkt der Bürger. Es wäre schade, wenn dieses gesellschaftlich wichtige Angebot einmal aus dem Veranstaltungskalender verschwinden und nur aus Erinnerungen bestehen würde. So wie das inzwischen beim Murrer Schlachtfest der Fall ist.

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