Blickwinkel Gut so!

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Viele Menschen interessieren sich für die Natur und den Umweltschutz. Foto: Laura Buschhaus

Marbach - Ich kann mich nicht erinnern, dass das Thema Umwelt schon einmal so viele Menschen in meinem direkten Umfeld bewegt hat. Ein Beispiel ist der große Zulauf, den die Veranstaltung der Schiller Volkshochschule und der Buchhandlung Taube am Dienstagabend hatte. Wie viel Zeit bleibt uns noch, um die Klimakatastrophe zu verhindern? Was sind die Ursachen und wie lässt sie sich noch verhindern? Claus-Peter Hutter, Autor von unzähligen Büchern und Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg, ist in Marbach und Umgebung nun wahrlich kein Unbekannter. Dennoch oder vielleicht ja auch gerade deshalb sorgte er für einen vollen Schlosskeller. Und zwar so voll, dass sogar Leute weggeschickt werden mussten.

Ein Thema, das am Dienstag keine Rolle spielte, aber vielen Menschen auf den Nägeln brennt, ist das Thema Müll. Stichwort Plastikmüll. An den Überbleibseln unserer Wegwerfgesellschaft sterben jedes Jahr bis zu hunderttausend Meerestiere und eine Million Meeresvögel. Die Bilder von mit Plastik übersäten Stränden und Landschaften haben sich in mein Hirn eingebrannt – und sensibel gemacht. Der Gang durch den Supermarkt lässt bisweilen verzweifeln und macht wütend. Plastikverpackung, wo man nur hinschaut. Selbst Bio-Obst und Gemüse liegen in viel zu vielen Supermärkten eingeschweißt in den Regalen. Ein Irrsinn.

Das Umdenken vieler Kunden zwingt den Handel zu reagieren. Und er reagiert – teilweise und in kleinen Schritten. Die zur Schwarz-Gruppe gehörenden Supermärkte und Discounter Kaufland und Lidl haben angekündigt, den Kunststoffverbrauch bis 2025 um mindestens 20 Prozent zu senken. Bis dahin sollen Eigenmarken-Verpackungen 100 Prozent recyclingfähig sein. Immer mehr Supermärkte testen an Wurst- und Käsetheken den Verkauf von Waren in Mehrwegdosen. Das ist ein wichtiges Signal – und doch erst ein erster Schritt.

Handlungsbedarf besteht aber auch in den Kommunen. Die könnten mit gutem Beispiel vorangehen und beispielsweise durch Auflagen dafür sorgen, dass bei Festen Plastikmüll tabu sein muss. Kommunen wie Rostock machen es vor. Seit diesem Jahr greift das Verbot.

Wobei ich an dieser Stelle nicht nur mosern möchte. Denn in Marbach tut sich zur Zeit einiges in punkto Nachhaltigkeit. Allerdings sind es vor allem engagierte Bürger, die vieles in Bewegung bringen: der Mit-Mach-Garten, die Nachhaltigkeitsgruppe, das Repair-Café oder auch die Foodsharing-Gruppe im Hörnle. Letztere funktioniert recht simpel: In einer Whats-App-Gruppe wird hineingestellt, was man gerade abzugeben hat, außerdem werden Lebensmittel regelmäßig im Hof der evangelischen Kirchengemeinde platziert und die Nachricht darüber per Internet verbreitet. In Marbach tut sich viel – und zwar viel Richtiges. Gut so!

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