Blickwinkel Gut gemacht!

Von
Die Gemeinderäte haben über die Zukunft des ehemaligen Kinos beraten. Foto: Sandra Brock

Marbach - Die Rechnung war simpel: Die Allianz aus Freien Wählern, SPD und Bürgermeister Jan Trost reichen für eine Mehrheit zum Abriss des alten Kinos. Doch wie das so ist mit theoretischen Zahlenspielen: Am Ende kommt es anders als gedacht. Am Ende der sehr langen und sehr emotionalen Debatte und dem Nein zum schnellen Abriss schien es am Donnerstagabend jedenfalls fast so, als würde sich SPD-Mann Jürgen Schmiedel bei FW-Mann Dr. Michael Herzog für das Umkippen seiner Fraktion entschuldigen.

Durcheinander gebracht hat das Rechenspiel Hans Martin Gündner. Er wird, das wurde in der Sitzung einmal mehr bewusst, dem Marbacher Ratsgremium fehlen. Stets besonnen, ungebunden und an der Sache orientiert gelang dem Sozialdemokraten der Turnaround. Vielleicht hätte es auch eine Mehrheit für den Antrag der Liste Puls gegeben, die zuvor dafür geworben hatte, dem Abriss nicht zuzustimmen, sondern stattdessen eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich Gedanken über eine Nutzung macht, die dann wiederum von Experten geprüft wird. Die Grünen und auch die CDU signalisierten Rückendeckung.

Das muss auch die Verwaltungsriege um Bürgermeister Jan Trost, Bauamtsleiter Dieter Wanner und dem Ersten Beigeorndeten Gerhard Heim gespürt haben. Anders lässt sich kaum erklären, warum das Trio plötzlich ein Schreckensszenario zeichnete, das den ein oder anderen doch ins Wanken brachte. Die Botschaft: Das Kino kann nicht weiter genutzt werden. Aus Sicherheitsgründen. Man sah den Stadtchef schon hinter Gittern ob des verbotenen Tuns. Die Argumentation, dass man immer beide Augen zugedrückt habe, was das Thema Sicherheit angehe, hinterließ einen faden Beigeschmack, wenn man weiß, dass beispielsweise die Gymnasiasten gerade dabei sind eine Ausstellungseröffnung für den 10. Mai vorzubereiten. Auch die lange Kunstnacht soll im Sommer erneut unter anderem im alten Kino stattfinden. Wie das, fragt man sich da?

Da lobe ich mir die Haltung der Freien Wähler, die sich treu blieben und aus Überzeugung für den Abriss und für eine Interimslösung in Form einer Schotterfläche beziehungsweise 20 Parkplätzen aussprachen. Am Ende konnte Gündner die Mehrheit davon überzeugen, erst einmal auf die Bremse zu treten. Wenn am Ende herauskommen sollte, dass nur 70 Personen zu einer Veranstaltung in das Gebäude dürfen, und nicht wie bislang von der Verwaltungden Kreativen zugestanden 100, zu einer Veranstaltung dürfen, dann muss der 71. Gast eben weggeschickt werden. So wie im Schlosskeller der 100. Das ist für mich immer noch besser als eine Schotterfläche, auf der dann 20 Autos an einer verkehrlich höchst sensiblen Stelle ein- und ausfahren. Zeigt besagter Externer einer generellen Nutzung die rote Karte, muss neu überlegt werden. Das erst einmal abzuwarten und sich von dem Schreckensszenario nicht instrumentalisieren zu lassen, war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.