Blickwinkel Danke!

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Christof Martin nahm auch beim Leserforum der Marbacher Zeitung Anfang des Jahres teil. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Marbach - Jeder ist ersetzbar. Auch ein Schulleiter. Und doch hat mich die Nachricht, dass Christof Martin das Friedrich-Schiller-Gymnasium zum Ende des Schuljahres verlassen wird, beschäftigt. Die Entscheidung des 58-Jährigen, in seinen letzten sechs Berufsjahren Rektor an der Deutsch Europäischen Schule in Singapur zu werden, ist menschlich nachvollziehbar. Das riesige Marbacher Gymnasium mit seinen mehr als 2000 Schülern zu leiten, ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Noch einmal im Ausland an verantwortlicher Position zu walten, aber sicher noch einmal eine größere.

Doch bei allem rationalen Verständnis für den Wechsel bedauere ich den bevorstehenden Abschied über die Maßen. Die Fußstapfen, die sein Vorgänger Günter Offermann hinterlassen hat, waren groß. 24 Jahre lang hatte er das Gymnasium, das er gerne als Schiff bezeichnete, geleitet. Die Lehrer waren die Crew und die Schüler die Passagiere – so Offermanns Bild. Unerschütterlich arbeitete er daran, dass das FSG über die Stadt hinaus an Bedeutung gewann und das Angebot immer vielfältiger wurde. Aber das FSG ohne Offermann? Es ging. Und wie.

Martin drehte von seinem Vorgänger begonnene Projekte weiter und verbreiterte das Angebot sogar noch: Seit dem Schuljahr 2016/2017 kann Russisch als Zweite Fremdsprache gewählt werden. Außerdem bietet das FSG seitdem das Fach NwT auch als Hauptfach in der Oberstufe an. 2017 startete das Projekt „Abitur + Gesellenbrief“. Als wohl erstes allgemeinbildendes Gymnasium in Deutschland bietet die Schule ein Programm an, mit dem Mädchen und Jungs ihr Abitur machen und zugleich eine Ausbildung absolvieren können. Seit dem Schuljahr 2018/19 ergänzt das International Baccalaureate das Portfolio. Seit dem gibt es am FSG auch das neue Wahlpflichtfach Informatik, Mathematik, Physik (IMP), das neben dem Fach Naturwissenschaft und Technik (NwT) gewählt werden kann, wenn in Klassenstufe 6 eine zweite Fremdsprache begonnen wurde. Und und und.

Das ist die eine Seite. Christof Martin steht aber auch noch für etwas anderes. Bei allem was man tue, sollte man sich nicht nur als Lehrer, sondern auch als Erzieher verstehen und den Menschen in den Mittelpunkt stellen, hatte Martin ein paar Wochen nach seinem Antritt im Gespräch mit mir betont. Und er hat Wort gehalten. Der Mensch stand bei Christof Martin im Mittelpunkt. Unaufgeregt, verlässlich, humorvoll, wertschätzend und dem Gegenüber zugewandt – so habe ich ihn in den vergangenen sechs Jahren kennen und schätzen gelernt. Als Mutter und Journalistin.

Der 58-Jährige hat dem FSG gutgetan, weil er den Fokus nicht nur auf die äußere, sondern vor allem auch auf die innere Weiterentwicklung der Schule legte. Was man in zehn Jahren über ihn sagen solle, habe ich Martin im Interview 2013 gefragt. Seine Antwort: Die Schule ist gut organisiert und er ist ein Mann mit klarer Vorstellung – manchmal kantig, aber immer fair und gerecht. Jetzt zieht es den 58-Jährigen bereits nach sechs Jahren weiter, aber sein Ziel hat er definitiv erreicht. Er wird fehlen.