Biergärten öffnen nach Corona-Pause Mit einem Piccolo durch den Schnelltest

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Endlich wieder Rockkonzerte möchte Bernd Feinauer auf 7 Eichen in Affalterbach veranstalten. Foto: Werner Kuhnle

Ein Rockkonzert im Freien oder ein Biergartenbesuch werden dank sinkender Corona-Inzidenzwerte wieder möglich. Doch die Veranstalter müssen die Gäste kontrollieren.

Affalterbach - Der Corona-Inzidenzwert ist auch im Landkreis Ludwigsburg im Sinkflug. Die Betreiber von Biergärten und anderen Freizeiteinrichtungen wittern Morgenluft. Sie hoffen, dass sie nach einem stabilisierten Unterschreiten der 100er-Marke wieder öffnen dürfen. Das erste Mal wird das laut Landratsamt Ludwigsburg am kommenden Montag sein – nach der langen Leidenszeit für die Betriebe ein Lichtblick. Wir haben mit drei von ihnen über ihre Erfahrungen und Erwartungen gesprochen.

Auf 7 Eichen in Affalterbach öffnet Bernd Feinauer den Biergarten für die Gastronomie baldmöglichst – das erste Konzert dort will er aber erst am 18. Juni starten. „Ich freue mich mega auf die Gigs und telefoniere gerade viel mit den Musikern.“ Beim Gedanken daran, dass auf dem Lemberg wieder Rockkonzerte stattfinden, schlägt Feinauers Puls höher. „Viele Musiker mussten während der Coronapandemie ihren Beruf aufgeben und eine andere Arbeit annehmen“, weiß er. Und auch der Kulturbiergarten lag lange brach. Keine Frage: „Feini“, wie er von Stammgästen und Freunden genannt wird, musste den Gürtel enger schnallen und sich als Vollblut-Musikveranstalter in Geduld üben.

Der 7-Eichen-Chef will so kontrollieren, dass die Gäste die Freude behalten

Der neuerliche Rückgang der Inzidenzzahlen stimmt Bernd Feinauer jedoch optimistisch. Eigentlich könnte er schon von Montag an Konzerte mit bis zu 100 Gästen veranstalten, doch will er noch warten, bis der Inzidenzwert 14 Tage lang unter der magischen Marke von 100 liegt. Dann könne er am Freitag, 18. Juni, in der zweiten Corona-Öffnungsstufe das erste Konzert mit bis zu 250 Besuchern über die Bühne gehen lassen. Planet Floyd, eine Coverband zu Pink Floyd, soll den Anfang machen. Einen Tag später wäre die Udo Lindenberg Tribute Band zu Gast. Feinauer hofft, dass Hannes Bauer, Gitarrist des Hamburger Stars, zu Besuch kommt.

Das Landratsamt Ludwigsburg bestätigt das Corona-Wissen des 7-Eichen-Chefs, doch schränkt der LRA-Pressesprecher Andreas Fritz ein: „Die Sieben-Tage-Inzidenz muss nicht nur 14 Tage lang nach Eingreifen der Öffnungsstufe eins unter 100  liegen, es muss auch zusätzlich eine sinkende Tendenz bestehen.“

Die Coronavorschriften verlangen dem Musikveranstalter auf dem Lemberg einiges ab. „Ich muss noch viel organisieren“, erzählt Bernd Feinauer. Die drei G’s – geimpft, genesen oder getestet – müsse er schon jetzt kontrollieren, wenn Gäste nicht to go bedient werden, sondern im Biergarten Platz nehmen. „Wir wollen den Leuten nicht die Freude am Besuch nehmen und machen das, was notwendig ist, aber wir wollen es schön gestalten“, sagt er im Hinblick auf die Konzerte. Er will den Gästen einen Piccolo anbieten, für den sie inklusive des Schnelltestes einen kleinen Obolus bezahlen. Das aufgelockerte Prozedere dürfte die Wartezeit bis zum Testergebnis verkürzen. „Ich möchte das auch trennen und werde diese Sachen eher im Wald anbieten.“ Mit einem Stempel könnten die Besucher sich dann auch auf dem Gelände bewegen.

Der Aufwand ist den Betreibern des Campo del Sol zu hoch

Noch ungewiss ist, wann die Erlebnis-Freizeitanlage Campo del Sol in Großbottwar öffnet. Dort, wo ganze Firmenbelegschaften und Geburtstagsgesellschaften sich sonst in einem Fußball-Golfparcours messen, haben erst mal die Handwerker die Platzhoheit. „Wir haben uns entschlossen, unseren Barfuß-Parcours zu renovieren“, erklärt die Betriebsleiterin Sokratula Kalliafa. Zwar sei der Campo schon an zwei Wochenenden geöffnet gewesen, doch dann seien die Corona-Bestimmungen noch einmal geändert worden, was zur Schließung führte.

Mit der Kontrollpflicht für die drei G’s seien zu viele Umstände verbunden, bestätigt Kalliafas Chefin, die Campo-del-Sol-Geschäftsführerin Franziska Gebhardt. „Der Aufwand ist erheblich, und wir möchten selbst auch keinen Testcenter anbieten.“ Insgesamt wirkten die Coronavorschriften lähmend, denn man könne weder dem Personal noch den Kunden verlässlich sagen, ob Termine, etwa für Kindergeburtstage, eingehalten werden können. „Als wir vor zwei Wochen öffneten, kamen nur wenige, weil niemand richtig Bescheid wusste und die Saison erst anlaufen muss.“ Mit der Folge, dass zu viel Personal da war und eingekaufte Ware nicht verbraucht wurde. Jetzt hofft Franziska Gebhardt, dass der Inzidenzwert bald fünf Tage lang unter 50  liegt. Laut Landratsamt bleibt die Kontrollpflicht aber bestehen. Mehr als 20 Gäste dürfen erst in der dritten Öffnungsstufe kommen.

Am Biergarten des Marbacher Bootshauses werden Zäune errichtet

Zäune an zwei Seiten des Biergartens sind am Marbacher Bootshaus
errichtet worden, um die vorgeschriebene Nachverfolgung der Gäste zu wahren, berichtet der Juniorwirt Christos Cherakis. Auch sein Team hofft auf Verständnis, wenn es am Eingang Impfpässe, Genesungsnachweise und Schnelltestbescheinigungen überprüfe. „Sicher wird es beim ein oder anderen Diskussionen geben, aber wir halten uns lieber an das, was Landratsamt und Ordnungsamt vorgeben, auch mit den Abständen der Tische – da müssen wir jetzt alle miteinander durch.“

Das Bootshaus war seit November geschlossen, im März startete das To-go-Geschäft. „Das lief bisher ganz gut“ ist Cherakis zufrieden. Er hofft, dass bei einer Öffnung in der nächsten Woche Gäste nicht durch das Testprozedere abgehalten werden zu kommen. „Der Aufwand, sich erst testen zu lassen, könnte manchen hindern.“ Auch für Gastronomen sei es eine schwere Zeit. „Wir bestellen die ganze Ware und wollen durch eine Schließung nicht darauf sitzen bleiben – da muss man sicher planen können.“