Bewährungsstrafe in Marbach Ermittler stoßen zufällig auf dealendes Pärchen

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Verhandlung im Amtsgericht Marbach: Bewährungsstrafe für das Paar. Foto: KS-Images.de

Ein Mann und eine Frau haben Bewährungsstrafen bekommen, da sie noch nie straffällig geworden waren

Marbach - Einen interessanten Zufallsfund hat die Polizei bei einem jungen Marbacher Pärchen gemacht: Eigentlich durchsuchten die Ermittler die Wohnung der Beiden nach einem Schlagstock, der einem Kollegen beim Einsatz gestohlen worden war. Tatsächlich stießen die Beamten jedoch auf eine ordentliche Menge Marihuana und einen Schlagring. Nun mussten sich die beiden jungen Leute vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Marbach verantworten.

Ausgangspunkt des Falls war eine Auseinandersetzung vor einer Eisdiele in Marbach vor etwas mehr als zwei Jahren, die mit einer Schlägerei und anschließend mit einer Anklage wegen versuchten Totschlags endete. Dabei war einem Einsatzbeamten der Schlagstock gestohlen worden. Als die Polizei den 25-jährige Mann an seiner Arbeitsstelle festnahm, verdächtigte sie ihn, an der Schlägerei und dem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein.

Doch bei der Wohnungsdurchsuchung fanden die Ermittler fast 600 Gramm Marihuana mit einem Wirkstoffgehalt von rund zehn Prozent und einen Schlagring. Die Staatsanwaltschaft klagte den Mann und seine ein Jahr jüngere Freundin des gemeinschaftlichen Rauschgifthandels in nicht geringer Menge sowie des Waffenbesitzes an.

Bei der Vernehmung durch die Polizei packte der 25-Jährige ohne zu zögern aus. Er räumte ein, mehrere Male bei einem Kumpel jeweils zwischen 100 und 500 Gramm Marihuana gekauft zu haben. Darüber hinaus nannte er den Ermittlern Verkäufer und Abnehmer des Rauschmittels. Ein Drogenscreening bei ihm ergab ein negatives Ergebnis.

„Ohne selbst zu konsumieren, bin ich durch meinen Bekanntenkreis da reingerutscht, habe nur den Vorteil gesehen und war so blöd, nicht über die Konsequenten nachzudenken“, erzählte der gelernte Lagerarbeiter mit leiser Stimme im Gerichtssaal. „Sie haben einen schwunghaften Handel in Marbach aufgezogen und andere Menschen in ihrer Sucht unterstützt“, lautete das Fazit der Staatsanwaltschaft.

Laut Anklage hat die 24-Jährige, die vor einem Jahr ihren Freund geheiratet hat, bei den Drogengeschäften in Absprache mit ihm gehandelt, lediglich vom Vorwurf des unerlaubten Waffenbesitzes war sie ausgenommen. Die kaufmännische Angestellte wies eine Mittäterschaft zurück. „Ich habe mich im Bekanntenkreis immer von Drogen distanziert. Ich wusste es, ich tolerierte es, aber ich habe nichts organisiert“, beteuerte die 24-Jährige in der Hauptverhandlung am Dienstag.

Für die Staatsanwaltschaft stand die Frage im Raum, ob die Strafe überhaupt noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Das Betäubungsmittelgesetz sieht bei gewerbsmäßigem Drogenhandel mit nicht geringen Mengen eine Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren vor, in minder schweren Fällen reicht der Strafrahmen von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Das Schöffengericht verurteilte den Marbacher zu einem Jahr und sechs Monaten, seine Frau wegen Beihilfe zu einem Jahr Freiheitsstrafe. Da beide noch nie straffällig waren und ein ansonsten geordnetes Leben mit festen Berufen führen, setzte das Gericht die Strafe zur Bewährung aus.

Darüber hinaus müssen beide insgesamt 2750 Euro an den Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr bezahlen. Da Verteidigung und Staatsanwaltschaft noch im Gerichtssaal den Verzicht auf Rechtsmittel erklärten, ist das Urteil nun rechtskräftig.