Benningen Im eleganten Bogen über den Neckar

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Das Bauverfahren für die geplante Brücke ist in Deutschland bisher nur einmal durchgeführt worden. Foto: Planungsbüro

Benningen - Das Regierungspräsidium Stuttgart hat den Auftrag für den Bau der 195 Meter langen Benninger Neckarbrücke an das Stuttgarter Unternehmen Wolff und Müller vergeben. Wie berichtet, nimmt der Bau der Umgehungsstraße nach dreijähriger Verzögerung jetzt wieder Schwung auf. Seit dem Jahr 2016 ziert das Baudenkmal der Feldwegunterführung den Benninger Ortseingang.

Grund für die Verzögerung war die notwendige Neuplanung der Brücke, die für Langschiffe bis 135 Meter und 16,5 Meter Breite geeignet sein muss. Der Bund plant den Ausbau der Schleusen in Marbach und Pleidelsheim ab 2023 beziehungsweise ab 2025, sodass der Neckar bis Plochingen für Langschiffe befahrbar ist.

Die erfreuliche Nachricht war: Die bestehende Wegunterführung kann so bleiben wie sie ist. Im Gewerbegebiet Krautlose kommt die Brücke aber sechs Meter höher als ursprünglich gedacht an. Dadurch waren mehr Grundstücke auf der Krautlose-Seite nötig. Die langwierigen Verhandlungen, bei denen auch eine Stützwand statt eines mehr Fläche erfordernden Walls vereinbart worden war, wurden im September 2018 zwischen der Firma Epple und dem Land Baden-Württemberg zum Abschluss gebracht.

Notwendig ist eine vom Wasserstand unabhängige Durchfahrtshöhe von 6,30  Metern, die auf einer Breite von 60  Metern gewährleistet sein muss. Dies erfordert eine besondere Geometrie des insgesamt 195 Meter langen Bauwerks. Die Tragwerksplaner Leonhardt, Andrä und Partner, ebenfalls aus Stuttgart, haben eine geschwungene Form aus drei Feldern entworfen.

Als „gevoutete Rahmenbrücke“ verjüngen sich die Trägerelemente zur Mitte hin, sodass hier am wenigsten Beton für die größtmögliche lichte Höhe zu finden ist. Die Überspannung des Neckars auf den doch beachtlichen 60 Metern wird durch V-förmige Stützen mit Schrägstielen auf jeder Uferseite bewerkstelligt. Das Bauverfahren für die Bohrpfähle sei in Deutschland bisher erst einmal ausgeführt worden, erklärt Stephan Schröther von Wolff und Müller. Die Bohrpfähle werden nicht fest in den Boden eingespannt, sondern bleiben elastisch. Hartschaum und eine Gleitschicht erzeugen eine gewisse „Nachgiebigkeit“ der Bohrpfähle. „Damit können Kräfte ausgeglichen werden, die sonst das Rahmentragwerk aufnehmen müsste“, sagt Stephan Schröther. So spare man auch Baukosten gegenüber den sonst üblichen dickeren Stahlprofilen.

Die Baugruben für die Brücken-Pfeiler auf beiden Seiten des Neckars werden voraussichtlich erst im Frühsommer ausgehoben, da vertraglich auf der Seite des Industriegebiets Krautlose erst im Juni mit dem Bau begonnen werden darf. Eine weitere Besonderheit beim Bau der Pfeiler sei die Verwendung von Unterwasser- und selbstverdichtendem Beton.

Die Fahrbahn wird von der Benninger Seite der Landesstraße Richtung Firma Epple in 15 einzelnen Elementen vorgeschoben. Dabei kommt ein Schalwagen zum Einsatz, das ist eine transportable, fahrbare Konstruktion, die eingesetzt wird, um über eine weite Strecke hinweg das gleiche Stahlbeton-Profil zu erstellen. Insgesamt entstehe durch die innovative Tragwerkstechnik eine nach Ansicht der Erbauer geschwungene und elegante Brückenkonstruktion.

Zeitplan

Das Unternehmen will bereits im April 2021 mit dem Bau der Brücke fertig sein. Der Straßenbau für das restliche rund 1000 Meter lange Straßenstück durch das Gewerbegebiet Krautlose wird nach bisherigem Zeitplan Mitte nächsten Jahres beginnen. Bis Ende 2021 soll dann die Umgehungsstraße fertig sein. An diesem Zeitplan werde man auch festhalten, so Nico Beck vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart, auch wenn die Brücke schon einige Monate früher verkehrsbereit wäre. Es müsse auch noch ein neuer Kreisverkehr für die Einmündung der Umgehung auf die L 1138 Richtung Marbach erstellt werden, was ebenfalls einige Zeit in Anspruch nehme.


Kosten

Die Kalkulation wurde vom Regierungspräsidium ebenfalls überarbeitet: Das Brückenbauwerk wird rund 14 Millionen Euro kosten, für die gesamte Straße rechnet das RP mittlerweile mit 24 Millionen Euro.

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