Beilsteiner Bürgermeisterin „Ich werde durchweg freundlich begrüßt“

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Barbara Schoenfeld möchte mit ihrer Arbeit auch die Einwohner überzeugen, die sie nicht gewählt haben. Foto: avanti/Ralf Poller

Nach ihrem hauchdünnen Wahlsieg ist die Beilsteiner Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld seit wenigen Tagen im Amt. Sie strebt ein harmonisches Miteinander an.

Beilstein - Die neue Beilsteiner Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld hat nach ihrer Wahl im April den Dienst im Rathaus angetreten. Wir haben uns mit der ehemaligen Schulamtsdirektorin aus Frankfurt über ihre neue Aufgabe in der 6200-Einwohner-Kommune unterhalten.

Wie fühlt sich der Chefsessel in den ersten Tagen für Sie so an?

Wunderbar – wie maßgeschneidert. Ich habe das Gefühl, die Aufgabe passt zu mir.

Was war Ihre erste Tat?

Ich habe für die Kämmerei Unterschriften gegeben, um Zahlungen anzuweisen. Wichtig ist mir in den ersten Tagen vor allem, dass ich möglichst alle meine Mitarbeiter kennenlerne.

Haben Sie schon eine Bleibe in Beilstein gefunden?

(holt ein Mobile mit der Karte Beilsteins). Das ist ein Geschenk der Freien Wähler. Darauf ist zu sehen, dass meine Wohnung in Jettenbach sehr nah am geografischen Mittelpunkt der Beilsteiner Fläche liegt. Ich erfreue mich an dem schönen Wohnort und als Pferdeliebhaberin genieße ich morgens den ersten Blick auf die Weide.

Die Wahl war knapp, der Wahlkampf hart. Spüren Sie davon noch etwas in der Stadt?

Die Lage hat sich vollständig beruhigt. Wenn ich mich in der Stadt bewege, werde ich durchweg freundlich begrüßt. Kinder winken mir zu – das ist schön und tut gut.

Sie hatten einen Vorsprung von nur 18  Stimmen – wie ernst nehmen Sie die Aufgabe, in der Bevölkerung die gemeinsame Blickrichtung zu fördern?

In diesem Zusammenhang ist etwas anderes wichtiger: Ich habe in kürzester Zeit, in nur 120 Tagen, die eine Hälfte der Wähler von Beilstein gewinnen können. Die andere Hälfte möchte ich bis Ende des Jahres mit meiner Arbeit überzeugen. Und ich weiß, dass ich das schaffen kann. Es ist völlig selbstverständlich, dass ich Bürgermeisterin für alle Einwohner in Beilstein bin. Und so nehme ich es auch wahr: dass mir alle, die ich sehe, gratulieren und auf mich zugehen. Ich denke, wir alle sind auf einem guten Weg in eine harmonische Zukunft.

Welche Themen wollen Sie mit dem Gemeinderat zuerst anpacken?

Mit meinem Vorgänger Patrick Holl sind bestimmte Weichen gestellt worden. Als nächstes wollen wir das Busdepot nach Söhlbach verlagern. An der Stelle des alten Busdepots soll dann das neue Pflegeheim entstehen, das baulich modernen Ansprüchen gerecht wird.

Es hat viele Zuzüge gegeben, die Kinderzahlen werden die Kapazitäten der Kitas übersteigen – was werden Sie tun?

Dreh- und Angelpunkt ist der Betreuungsbedarf der Eltern. Die Befragung wollen wir in diesem Monat starten. Wir können damit ein Jahr vor dem betreffenden Kindergartenjahr die Personal- und Raumplanung möglichst präzise definieren. Wenn es zum Beispiel vor allem nachmittags einen Bedarf gibt, muss man nicht zwangsläufig einen neuen Kindergarten bauen. Wir könnten dann vorhandene Räume mit den verschiedenen Gruppen jeweils am Vormittag und am Nachmittag nutzen. Die Umsetzung wird in enger Abstimmung mit Eltern und Mitarbeitern erfolgen.

Beim Verkehr drückt der Schuh. Wie realistisch ist es, auf den Bau einer Ortsumfahrung bei einem grünen Verkehrsminister zu hoffen?

Ich habe herausgefunden, dass die Umgehungsstraße vor längerer Zeit gar nicht in den Maßnahmenplan des Landes mit aufgenommen worden ist. Beilstein ist haarscharf an der Aufnahme gescheitert. Es lohnt sich, das Verfahren noch einmal anzuschauen. Die Grundannahme, dass zwei Lastwagen sich in der Stadt auf einer Breite von 14 Metern – von Hauswand zu Hauswand – begegnen können, trifft in unserer Hauptstraße nicht zu. Das ist damals nicht berücksichtigt worden, obwohl es im Verkehrsgesetz des Landes und im Kriterienkatalog für Umfahrungen stand.

Haben Sie schon mit Ihrem Hausjuristen gesprochen, um den Anspruch notfalls gerichtlich durchzusetzen?

Die Studie geht von unzureichenden Voraussetzungen aus. Und deshalb möchte ich, dass das Verfahren neu aufgenommen wird. Ich werde nicht nach wenigen Tagen im Amt eine Klage einreichen. Die Ortsumfahrung ist aber ein langfristiges Ziel, das wir weiterverfolgen wollen.

Arbeit kommt auf Sie auch im Radverkehr zu. Der Mountainbike-Verkehr im Wald hat zugenommen. Werden Sie die Beteiligten an einen Tisch holen?

Es gibt die Gruppen, die sich an die Regeln halten: Jugendliche, Familien, die sich an offizielle Trails halten. Das ist völlig in Ordnung. Definitiv nicht in Ordnung ist das Verhalten von Fahrern, die wild durch den Wald fahren, illegale Trails entwickeln und damit Fauna und Flora schaden. Diese Sportler möchte ich in die Verantwortung nehmen. Auch höre ich von Bürgern, die sich darüber beklagen, dass mit zu schneller Fahrweise Kinder gefährdet werden. Das wird zu klären sein.

Reichen Appelle oder muss man sich noch mehr einfallen lassen?

Ich weiß, dass die Trailsurfer versucht haben, ihr Klientel zu erreichen. Wir müssen klare Regeln aufstellen und entscheiden, was wir tolerieren und was nicht. Was absolut nicht geht, sind die wilden Fahrten abseits der Trails und dass nachts gefahren wird.

Oft kommen Mountainbiker aus dem Großraum Stuttgart, die nichts mit dem Verein zu tun haben. Ist es nicht schwierig, den Verein dafür in die Pflicht zu nehmen?

Das ist ein entscheidender Punkt. Beim Thema „Verein“ denken wir natürlich in erster Linie an unsere eigenen Bürger, die Mitglieder des Vereins sind. Bei Gästen eines Vereins, die von außerhalb kommen, habe ich den Anspruch, dass diese Personen sich auch wie Gäste verhalten. Und im Zweifel die Vereinsmitglieder intervenieren. Wenn diese das nicht tun, müssen wir als Gemeinde eingreifen. Die Frage ist weiter: Bewerbe ich ein eher offensives Fahren oder einen sanften Familientourismus? Darüber müssen wir reden.

Das Herzog-Christoph-Gymnasium wird für viel Geld saniert. Wie sehr lastet diese Aufgabe auf der Stadtkasse?

Was im Moment ansteht, ist der Abbau der PCB-Belastung. Das muss möglichst schnell und gleichzeitig gründlich gemacht werden, damit wir die Schüler bald wieder unterbringen. Hier will ich sichergestellt wissen, dass die Gesundheit von Schülern und Lehrern gewährleistet wird. Das hat Vorrang vor finanziellen Erwägungen.

Wie sehen Sie die finanzielle Situation nach der Pandemie?

Wir gehen davon aus, dass Steuereinnahmen geringer ausfallen werden im nächsten Haushaltsjahr. Insofern müssen wir die Ausgaben sehr gut überlegen. Es darf aber nicht dazu führen, dass die Kommune brachliegt. Ich möchte Entwicklung aufrechterhalten, aber so, dass es der Haushalt verträgt.

Wo könnte man sparen? Oder wollen Sie die Einnahmen verbessern?

Wir werden Ende des Jahres den Haushaltsplan für 2022 vorstellen. Ich stehe in engem Austausch mit unserem Kämmerer, Herrn Waldenberger. Möglicherweise wird sich an der ein oder anderen Stelle eine Einsparung ergeben. Es muss sinnvoll sein.

Kann sich die Stadt das Hallenbad mit einem Defizit von jährlich 400 000 Euro noch leisten?

So lange das Hallenbad finanzierbar ist, befürworte ich den Erhalt. Es ist eine wunderbare Möglichkeit für alle Altersgruppen – Kinder, Erwachsene und Senioren - , sich fit zu halten.

Geld ist nicht alles. Die Stimmung und das Ehrenamt prägen einen Ort. Was werden Sie ändern?

Herr Holl hatte eine Ehrenamtsehrung eingeführt, bei der hauptsächlich die Blutspender eingeladen wurde. Ich würde mir wünschen, dass dies auf alle verdiente Ehrenamtliche ausgedehnt würde als ein Zeichen der Wertschätzung.

Die Vereine litten unter der Corona-Pandemie. Wie wollen Sie Ihnen helfen?

Ich bin im guten Austausch mit den Vereinen: dem TGV und anderen. Eine Anhebung der Vereinsförderung ist derzeit nicht im Gespräch. Hauptsächlich geht es um Wahrnehmung und Wertschätzung. Wo wir fördern können, machen wir das, aber auch das muss mit dem Haushalt abgestimmt sein.

Der Klimawandel schreitet voran, es gibt Verkehrsprobleme im ÖPNV. Wie eilig haben Sie es mit dem Bau einer Stadtbahn durch das Bottwartal und das Schozachtal?

Es wäre gut, wenn es ein Gesamtkonzept geben würde. Sei es über einen städtebaulichen Wettbewerb oder über einen Stadtentwicklungsauftrag. Darüber möchte ich mit dem Gemeinderat reden. Es macht wenig Sinn, sich über die spezielle Trasse einer Bahn zu unterhalten, wenn es kein generelles Go auf der Basis einen positiven Kosten-Nutzen-Effektes, auch bei den Betriebskosten, gibt.