Beilstein Leerlauf ist in der Langhansstadt ein Fremdwort

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Blick auf die Burg Beilstein von oben Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Beilstein - Die Kommunalpolitik in Beilstein wird seit vielen Jahren von einer Maxime bestimmt: Immer nur ein Großprojekt zur selben Zeit! Ein Vorsatz, der die neuen Gemeinderäte durchaus vor knifflige Entscheidungen stellen könnte, wie auch Bürgermeister Patrick Holl weiß: „Es gibt mehrere große Themen, die weiter fortgeführt werden müssen.“ Vorne an steht dabei das Neubaugebiet Hartäcker, das schon bald konkrete Form annehmen soll, so Holl: „Der Bebauungsplan soll noch vor der Kommunalwahl in Kraft treten.“ Darauf folgt dann unter Regie der Neuräte die Umlegung, bei der auch die Stadt selbst zum Zuge kommen könnte. Sollte dies der Fall sein, müssten die Räte aber überlegen, nach welchen Kriterien sie Grundstücke an die Bauherren verkaufen: „Das wäre aber der letzte Akt.“ Neben dem Neubaugebiet gibt es noch eine weitere Fläche, die die Räte weiterhin beschäftigen wird: Das freie Areal nahe des Kinderhauses. Hier wäre das Potenzial für Innenentwicklung da. Und: „Es gibt im Flächennutzungsplan noch ein Baugebiet.“

Doch bevor dieses ins Auge gefasst wird, sollte das Thema „Gewerbe“ angegangen werden. Aktuell liefen Gespräche zu einer Erweiterung des Gebiets Köchersgrund nach Westen, erklärt Holl. „Dabei geht es vor allem um ortsansässige Interessenten.“ Der Bedarf an Fläche sei vorhanden und ein Handeln daher nun erforderlich. Doch wenn es um das Gewerbegebiet geht, spielt auch immer noch ein weiteres Großprojekt eine gewichtige Rolle: Die Bottwartalbahn. Deren mögliche Trasse verläuft nämlich im selben Areal und soll freigehalten werden: „Die anvisierte Erweiterung wäre derzeit als Kompromiss noch vereinbar.“

Über kurz oder lang müssen die Räte aber eine Entscheidung treffen, wie es hier weitergehen kann. Derzeit laufen Studien, welche die Machbarkeit der Bahn prüfen. Wenn die Ergebnisse stimmen, müsste eine Streckenführung in der Langhansstadt festgezurrt werden: „Es geht hier darum, ob die Gleise planerisch weiter von Beilstein abgerückt werden oder am Siedlungsrand verlaufen sollen.“ Dabei gibt es schon heute unterschiedlichste Auffassungen, die in Einklang gebracht werden müssten.

Nicht zu vergessen ist darüber hinaus die seit langer Zeit vorhandene Forderung nach einer Umgehungsstraße, die ebenfalls Fläche in Anspruch nehmen würde. Denn nachdem die Schadstoffwerte entlang der Hauptstraße eingehalten werden und ein Lärmaktionsplan für Tempo 30 gesorgt hat, gibt es kaum noch zeitnahe Optionen zur Verbesserung, weiß Patrick Holl: „Das Problem von 16 000 Autos am Tag bleibt aber.“ Querungshilfen sollen mehr Ruhe bringen und Ampeln dabei helfen, Kreuzungen im Stadtgebiet zu entlasten.

Ein Sorgenkind, das aber noch vor dem 26. Mai angegangen wird, bildet hierbei die Kreuzung aus Forstbergweg und Talstraße, die zu den Supermärkten und dem neuen Kinderhaus im Birkenweg führt. Und hier wartet schon das nächste Thema, so Holl: „Die Kinderbetreuung ist Dauerbrenner.“ Kurz nach Einweihung des Neubaus sind die Kapazitäten wieder ausgeschöpft. Aus der Sicht des Rathauschefs ist das aber kein Dauerzustand, auch wenn zwar durch das Neubaugebiet Familien nachkommen: „Andere Wohngebiete entwachsen dafür dem Kindergarten-Alter. Irgendwann wird das Potenzial auch erreicht sein.“ Konkrete Zukunftspläne gebe es hier noch keine.

Anders sieht es bei den Schulgebäuden in Beilstein aus. Grundschule wie auch das Herzog-Christoph-Gymnasium haben ihre besten Zeiten lange hinter sich. Es steht eine umfassende Sanierung ins Haus. Zwar gebe es hohe Zuschüsse, weswegen eigentlich die „Gunst der Stunde“ genutzt werden sollte. Andererseits müssten Eigenanteile in Millionenhöhe gestemmt werden.

Nicht die einzige aktuelle Sanierung. Der Ortskern von Schmidhausen ist jetzt Teil des Landessanierungsprogramms und „das wird uns auf 10 bis 15 Jahre langfristig beschäftigen“, erklärt Bürgermeister Holl. Entschieden werden muss nicht nur, ob und welche privaten Vorhaben gefördert werden sollen, sondern auch, ob die Stadt selbst aktiv wird und Wege, Straßen oder Plätze in Schuss bringt – auch hier greift wieder der Knackpunkt „Eigenanteile“. Fördergelder regnet es zudem auch für den DSL-Ausbau in den Teilorten, bei dem eine „Extrarunde“ gedreht wurde, da es neue Förderangebote gegeben hat. Hier soll ein Spatenstich im Herbst 2019 erfolgen, „aber ich bin verhalten optimistisch“, so Holl. Es gibt also viel zu tun: „Wir können gut Zeit zum Verschnaufen brauchen.“

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