Beilstein Beine marsch, Wasser platsch!

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Mit Schwung wird das Wasser seitlich über die Schulter in die Kübel auf den Waagen befördert. Foto: KS-Images.de

Beilstein - Schwül hängt die Luft über den Weinbergen bei der Burg. Und obwohl sich die Temperaturen nur im oberen Zwanzigerbereich bewegen, hat man das Gefühl, dass jede einzelne Faser der Kleidung am Körper klebt. 27 sportliche Menschen ficht das aber nicht an. Im Gegenteil. Sie fiebern der Unterländer Buttenolympiade entgegen. Und der eine oder die andere inspiziert schon einmal die Strecke. Mit langen Schritten, wie der Storch im Salat, überquert ein hochgewachsener junger Mann die Bierbänke. Ein anderer hüpft unterdessen mit beiden Beinen über die Hindernisse. Noch können die beiden lachen, denn ihre Rücken sind noch frei von den schweren Butten, die Jahr für Jahr von der Freiwilligen Feuerwehr mit Wasser gefüllt werden.

Die Spannung steigt, als Inge Claus zum Mikrofon greift. „Klein, aber fein sind wir heute“, sagte sie und spielt darauf an, dass heuer weniger Teilnehmer am Start sind als in den vergangenen Jahren. Wenig später gibt die Feuerwehrfrau Franziska Pfizenmayer das Startsignal: „Auf die Plätze, fertig, los!“ Die ersten beiden Läuferinnen, die Schwestern Rita Schmoll und Ute Dischinger, kurbeln rasch die mit 30 Litern gefüllten grünen Butten nach oben, beim Aufsetzen lassen sie sich helfen. Mit weit nach vorne gestreckten Armen, um das Gewicht auszubalancieren, machen sie sich dann auf die ansteigende Strecke. Erst geht es vorsichtig über die Bierbänke, dann über eine Wippe, bei den rebenumkränzten Torbögen ist Bücken angesagt. Als nächstes wartet ein quergestellter Hänger, der glücklicherweise mit Stufen auf beiden Seiten ausgestattet ist. Kurz vor dem Torbogen, der den Eingang zum Burggelände markiert, warten auf umgedrehten Kisten Weingläschen auf die beiden Läuferinnen. Ein Schluck, und weiter geht es auf das letzte Steilstück der 111  Meter langen Strecke.

Ab hier übernehmen Bürgermeister Patrick Holl und die neue Weinprinzessin Claudia I. die weithin schallende Moderation. So können auch die Zuschauer, die weiter unten stehen oder es sich unter dem weißen Schirmdach schmecken lassen, das Geschehen zumindest akustisch noch verfolgen. Auf den Shirts der Schwestern mischen sich Schweiß und verschüttetes Wasser.

Doch nun naht das Ziel: Eine Leiter führt einen weiteren Hänger hinauf, auf dem auf Waagen leere Bottiche stehen. Noch eine leichte seitliche Drehung, und schon ergießt sich das kühle Nass aus den Butten dort hinein. Dann noch ein beherzter Satz auf den Boden, und erst jetzt stoppen Harry Selzer, Wolfgang Löbich und Fritz Ruoff die Zeit.

Doch nicht nur auf die kommt es bei der Unterländer Buttenolympiade an. Es geht auch darum, unterwegs möglichst wenig Wasser zu verschwappen. Denn jeder Liter, der auf der Strecke bleibt, gibt vier Punkte Abzug.

Anfeuerungsrufe kommen nicht nur von den Moderatoren, sondern auch von Zuschauern entlang der Strecke. Mit großen Augen und wie die Hühner auf der Stange sitzen die Jüngsten der Familie Schmoll auf einer Bierbank und warten auf den Lauf von Papa, Mama, Tante oder Onkel. „Für uns ist das ein Familienausflug“, erklärt Senior Otto Schmoll, der einst selbst beim Buttenlauf mitgemacht hat. Inzwischen laufen zwei Töchter und drei Söhne mit.

Auch für viele andere ist der Buttenlauf ein Familienereignis. Und manche Läufer sind schon von Kindesbeinen an mit dabei. Aus den fünf Litern Wasser sind inzwischen bei den Herren 50, bei den Senioren 40 Liter und bei den Damen 30 geworden – „das ist die Last des Alters“, scherzt Inge Claus –, der Spaß ist derselbe geblieben. Der Bürgermeister indes möchte auf diese Art von Vergnügen lieber verzichten. „Unsere große Tochter wiegt 30 Kilogramm, das ist schon ganz schön schwer“, erklärt er. Und die Tochter hält sich fest, die schwappt nicht herum wie das Wasser.

Unter erschwerten Bedingungen laufen auch fünf Feuerwehrleute: Sie tragen ihre Einsatzkleidung samt Helm. Einer von ihnen, Kevin Bannasch, hat Geburtstag und bekommt ein spontanes Zuschauerständchen. Und er darf sich am Ende als Schnellster seiner Kameraden über Platz 6 freuen.

Kurzfristig hat sich Philippe Picard zum Lauf entschlossen. Der Franzose kommt aus der Partnergemeinde Pontault-Combault und trägt ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft – eine schöne Geste.

Die Namen der Gewinner der Buttenolympiade hat man in Beilstein schon öfter gehört. Bei den Herren siegt Michel Rieker, bei den Senioren Reiner Friedemann und bei den Damen Corinna Reiner. Doch eigentlich sind alle Gewinner. Auch wenn nur jeweils der Erstplatzierte die Trophäe, einen geschnitzten Buttenträger, mit nach Hause nehmen darf.