Bahnhofstraße in Erdmannhausen Gemeinde will sich gegen Sperrung stemmen

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Für die Baufirmen wäre es am einfachsten, ihre Utensilien außerhalb der Baustelle zu lagern. Foto: KS-Images.de

Wegen des Baus eines Seniorenheims in Erdmannhausen soll es Einschränkungen geben. Dass die Bahnhofstraße acht Monate lang zur Einbahnstraße wird, „kann nicht unser Interesse sein“, sagt Bürgermeister Marcus Kohler.

Erdmannhausen - Die Bahnhofstraße in Erdmannhausen erhitzt derzeit die Gemüter im Ort. Denn sie soll halbseitig gesperrt werden, sodass nur Einbahnstraßenverkehr in Richtung Bahnhof möglich ist – und das von kommendem Montag an bis zum 30. September. So verkündete es zumindest der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) auf seiner Homepage Anfang der Woche.

Inzwischen ist klar, dass die Sperrung in dieser Form vermutlich nicht kommen wird. Am Donnerstagmittag veröffentlichte die Gemeinde Erdmannhausen eine Richtigstellung: „In den sozialen Medien kursieren derzeit falsche Meldungen über eine kommende Straßensperrung in der Bahnhofstraße“, heißt es nun seitens der Gemeinde. Und weiter: „Wegen einer großen Baumaßnahme wurde beim Landratsamt in Ludwigsburg eine halbseitige Straßensperrung von Februar bis circa September dieses Jahres beantragt.“ Konkret geht es um den Bau des Seniorenheims Haus Edelberg der Orpea-Gruppe, der nun starten soll (wir berichteten).

Allerdings, so betont der Bürgermeister Marcus Kohler, sei es derzeit noch nicht abschließend geklärt, in welcher Weise der Straßenverkehr von der Baumaßnahme beeinflusst werden wird. Eine halbseitige Sperrung mit Einbahnstraßenverkehr über diesen langen Zeitraum sei sicher keine optimale Lösung. „Das kann nicht unser Interesse sein“, so Kohler. Nachvollziehbarerweise handle es sich bei einer solchen Sperrung um die einfachste Lösung für die Baufirma, die so ihren Kran und weitere Utensilien neben der Baustelle auf Gehweg und Straße lagern kann, räumt der Bürgermeister ein. „Aber für uns als Gemeinde ist das undenkbar. Für die Bewohner und auch aus Klimaschutzgründen“, erklärt er, denn der Verkehr müsste dann ja im weiten Bogen über die Riedstraße und durch den ganzen Ort geführt werden, um in die Bahnhofstraße zu kommen.

Undenkbar ist die halbseitige Sperrung über mehrere Monate auch für Regina Glock von der gleichnamigen Bäckerei mit einer Filiale in der Bahnhofstraße. „Dann können wir zumachen“, sagt sie. Durch Corona habe man ohnehin schon erhebliche Einbußen, wenn der Verkehr nur noch die Bahnhofstraße hinunter fließen darf, fielen viele weitere Kunden weg. „Wir leben von den Kunden, die morgens auf dem Weg ins Geschäft bei uns anhalten.“ Und die kämen eben meist „von unten“, also aus Richtung Schweißbrücke.

Die Gemeinde will sich daher und aus den anderen Gründen dafür einsetzen, „dass eine beidseitige Befahrung auch während des Baus möglich bleibt und so der Verkehr in keine Fahrtrichtung umgeleitet werden muss“, heißt es in der Richtigstellung. Hierzu sei man im engen Austausch mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes und den Verantwortlichen des geplanten Bauvorhabens. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen, und wir werden alles dafür tun“, sagt Marcus Kohler.

Er hofft außerdem, dass der Verkehr in der Bahnhofstraße während der Arbeiten auch ohne Baustellenampel fließen kann. „Wir hoffen, dass der Begegnungsverkehr auf Sicht möglich sein wird.“

Eine endgültige Entscheidung in der Sache muss allerdings das Landratsamt, das für die Bahnhofstraße als Kreisstraße zuständig ist, fällen. „Den Äußerungen von Bürgermeister Kohler ist nichts hinzuzufügen“, heißt es seitens der Kreisbehörde.  „Die Information des VVS war falsch und der Hinweis ist inzwischen aus der App und der Homepage entfernt“, informiert Frank Wittmer von der Pressestelle des Landratsamtes. Und weiter: „Wegen der Vollsperrung ab 8. Februar Richtung  Kirchberg und der damit zusammenhängenden Umleitung des Busverkehrs über die Bahnhofstraße in Erdmannhausen wird es erst ab April zu verkehrsrechtlichen Maßnahmen dort kommen.“ Aufgrund der Situation, zum Beispiel dem vorhandenen Bahnübergang, müsse eine Lösung gefunden werden, die allen verkehrsrechtlichen und eisenbahnrechtlichen Vorgaben entspricht, erläutert Wittmer. „So ist zum Beispiel zu berücksichtigen, dass sich kein Rückstau bis in den Bereich des Bahnübergangs bilden darf.  Zum weiteren Vorgehen stehen wir in Kontakt mit der Gemeinde Erdmannhausen.“ Nicht umhin kommen die Erdmannhäuser zumindest um eine halbseitige Sperrung der Bahnhofstraße an zwei Tagen in der kommenden Woche. Denn am 3. und 4. Februar wird der Kran für die Baustelle des Seniorenheims aufgestellt.