Auto-Ersatzteile als Plagiate Fälscher stehen auf Mercedes-Teile

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Selbst Bremsscheiben werden von Produktfälschern angeboten – diese können ein erhebliches Sicherheitsrisiko bergen. Foto: dpa/Felix Kästle

Bei 650 Razzien beschlagnahmten Behörden 1,9 Millionen Teile – Tendenz steigend. Der Online-Handel erleichtert Produktfälschern das Geschäft.

Ob Bremsscheiben, Räder oder Karosserie- und Lenkungselemente – es gibt kaum Autoteile, die nicht von Produktfälschern nachgemacht werden. Mercedes-Benz ist davon in hohem und steigendem Maß betroffen. Mehr als 1,86 Millionen Produktfälschungen wurden im vergangenen Jahr von Zoll- und Strafverfolgungsbehörden beschlagnahmt. Das sind sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dafür wurden mehr als 650 Razzien vorgenommen.

Kriminelle Gruppen am Werk

Mercedes sieht hinter den Fälschungen hoch kriminelle Gruppen am Werk. „Die Fälscherindustrie hat die Strukturen des organisierten Verbrechens und erzielt oft höhere Gewinne als der Drogenhandel“, sagt Renata Jungo Brüngger, im Mercedes-Vorstand für Integrität und Recht zuständig. Anders als gefälschte Uhren oder Luxushandtaschen gefährdeten Ersatzteil-Plagiate nicht nur den Ruf des Markeninhabers, sondern auch die Sicherheit der Kunden. Produkttests mit gefälschten Ersatzteilen, die sich optisch kaum von einem Originalteil unterscheiden lassen, erbrächten zum Teil erschreckende Ergebnisse. Auch die Lieferketten seien nicht in Ordnung. In vielen Fällen ließen organisierte Fälscher die Ware unter unwürdigen Bedingungen ohne Rücksicht auf Menschenrechte, Umweltstandards und Arbeitsschutz produzieren.

Online-Handel erleichtert Verkauf

Den Fälschern sei in den vergangenen zwei Jahren die Pandemie zugute gekommen, in der sie zunehmend Online-Plattformen und Social-Media-Kanäle genutzt hätten, um ihre gefälschte Ware anzubieten. Da die Waren sehr kurzfristig auf den Plattformen eingestellt und abgesetzt werden könnten, sei die Recherche für Markenschützer deutlich aufwendiger.

Alarmsignale für Fälschungen, die auch Kunden wahrnehmen könnten, seien ein deutlich niedriger Preis, Auffälligkeiten in der Produktqualität und der Verkauf über dubiose Online-Quellen. Zuweilen würden sogar Produkte als Originalteile angeboten, die Mercedes selbst gar nicht herstelle.