Antisemitischer Spruch an Garagenwand Schmiererei mit „inhaltlich neuer Qualität“

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Quelle: Unbekannt

Ein antisemitischer Spruch an einer Garagenwand hat Betroffenheit ausgelöst. Die Polizei kann sich auf den Vorfall keinen Reim machen.

Marbach - Wer macht so etwas? Die Frage dürfte sich nicht nur Altbürgermeister Herbert Pötzsch gestellt haben, der auch Vorsitzender des Pädagogisch-Kulturelles Centrums Ehemalige Synagoge Freudental ist. Eine zum Hörnlesweg gerichtete Garagenwand in der Fohlenbergstraße wurde laut polizeilichen Ermittlungen zwischen Freitag, 14 Uhr, und Samstag, 13.20 Uhr, mit einem antisemitischen Spruch beschmiert.

„Mich hat das zutiefst betroffen gemacht“, so Pötzsch, der noch unter dem Eindruck des Verbrechens von Hanau steht. Und er fragt sich in einem Leserbrief an unsere Zeitung, ob so etwas auch in Marbach passieren könne: „Es scheint unvorstellbar, und doch: Denselben Ungeist gibt es auch hier. Wie sonst ist es zu erklären, dass wenige Tage nach dem Massaker in Hanau an eine Garagenwand am Hörnlesweg ein zutiefst menschenverachtender, antisemitischer Text gesprüht wird?“, fragt sich Herbert Pötzsch.

Auf Betreiben der Polizei wurde der Schriftzug vom Eigentümer der Garage noch am Samstag notdürftig übermalt, ebenso die Ziffernfolge „187“, die sich an einer Wand auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand. „Diese Zahlenkombination gilt bei Straßengangs im Allgemeinen als Drohung“, sagt Peter Widenhorn, Sprecher der Polizeidirektion in Ludwigsburg. Nicht zu verwechseln sei sie mit der Zahlenfolge 18, die für die Initialen Hitlers stehe – die Eins für das A als ersten Buchstaben im Alphabet, die Acht für das H. Die 187 gebe es sicher in der Region auch an anderen Stellen, so der Polizeisprecher. Was jedoch an der Garagenwand im Marbacher Süden mit silberner Farbe aufgesprüht wurde, „das hat inhaltlich schon eine neue Qualität“, so Widenhorn – wenn man hierbei überhaupt von Qualität sprechen könne.

Warum die Schmiererei gerade dort aufgetaucht ist, sei unklar, so Widenhorn: „Wir können uns keinen Reim darauf machen.“ Dort in der Nähe gebe es nichts, was einen Anhaltspunkt bieten könne.

Andreas Seiberling, der Leiter des Ordnungsamts Marbach, kann auch nur sagen, dass der Schriftzug drei Stunden nach der Entdeckung übermalt worden und so weitgehend unleserlich gemacht worden sei. Er war etwa fünf Meter lang und bedeckte nahezu die ganze Garagenseitenwand. Unterzeichnet hat der unbekannte Sprayer mit dem Kürzel „Rey Misterio“, was übersetzt aus dem Spanischen etwa „Rätselkönig“ bedeutet. Rey Misterio ist aber auch ein US-amerikanischer Wrestler. Der allerdings dürfte kaum der Täter in Marbach gewesen sein.

Wer hinter der Schmiererei steckt, dieser Frage versucht das Staatsschutzdezernat der Kriminalpolizeidirektion Böblingen auf den Grund zu gehen. Der Staatsschutz wird bei politisch motivierter Kriminalität aktiv. Zeugen werden gebeten, die Kriminalpolizei, Telefon 0 70­ 31 / 13 00, zu kontaktieren. Den Sachschaden beziffert der Eigentümer auf etwa 500 bis 600 Euro.