Amateur-Fußball in der Region Mehr als eine halbe Saison ist wohl nicht machbar

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Es wird wohl noch einige Wochen dauern, bis wieder der Ball rollt. Foto: Archiv (avanti)

Im Amateurfußball wird maximal die Hinrunde zu Ende gespielt. Davon gehen zumindest die Trainer der Bezirks- und A-Ligisten aus dem Verbreitungsgebiet aus.

Marbach - Seit Ende Oktober herrscht im Amateurfußball coronabedingter Stillstand: keine Spiele, kein Training. In den Spielplänen sind die nächsten Partien sowohl in der Bezirksliga als auch in der Kreisliga A1 Enz-Murr für den 28. Februar angesetzt. Doch daran glaubt niemand mehr. „Wie soll das gehen? Das reicht niemals“, sagt Mauro Pedace, Trainer von A-Ligist TSV Affalterbach. „Bis Mitte Februar ist der Lockdown, und wir können ja nicht mit einer Woche Vorlauf starten – selbst wenn wir dann wieder auf die Plätze dürften.“

Thomas Lembeck, sein Kollege von Bezirksligist TSV 1899 Benningen, hat sogar „offiziell gehört, dass der Februar vom Tisch ist. Die Spielpläne sind lediglich noch nicht geändert.“ Für ihn – wie auch für alle seine Kollegen – ist klar: Eine komplette Saison wird es nicht mehr geben. „Die Bezirksliga hätte dann schon zehn Nachholspiele“, gibt Lembeck zu bedenken. Selbst die Variante, dass nur die Hinrunde gespielt wird und anschließend noch eine Auf- und Abstiegsrunde erfolgt, hält er für unwahrscheinlich. Ähnlich sieht es auch Björn Kugler, Trainer des aktuellen A-Liga-Dritten SGV Murr: „Das Mindestziel sollte sein, die Hinrunde fertig zu spielen.“ Dann wäre es nämlich laut Statuten möglich, die Runde mit Auf- und Absteigern zu werten. „Aber dafür müssten wir spätestens im April starten.“Andreas Wick, Coach der SG Steinheim/Erdmannhausen, ist selbst da skeptisch: „Ich sehe es eher in Richtung Mai. Ich habe die Befürchtung, dass der Amateursport als Letztes wieder zugelassen wird. Es wird wohl ähnlich wie im Mai 2020 erst einmal unter Auflagen das Training erlaubt werden, dann in Kleingruppen und ohne Kabinenbenutzung. Und Letzteres geht halt eher, wenn es wieder etwas wärmer ist. Außerdem weiß man ja noch nicht, wie sich der Verlauf jetzt aufgrund der Mutationen des Virus weiter entwickelt.“ Zumindest die Hinrunde könne man bei einem Start im Mai „vielleicht noch mit ein paar Englischen Wochen durchbekommen. Aber dann dürfte auch nichts mehr passieren.“

Der Marbacher Coach Matteo Battista gibt hierbei zu bedenken, dass man „bei möglichen Englischen Wochen bitte auch an die Gesundheit der Spieler denken soll. Natürlich ist die Belastung nicht so intensiv wie im Profifußball. Aber die Spieler sind ja auch keine Profis und haben neben dem Fußball ja alle auch noch einen Job oder ein Studium.“ Auch Battista sieht einen möglichen Neustart „zumindest nicht Anfang April. Denn bei vier Wochen Vorbereitungszeit müssten wir ja dann ab Anfang März auf den Platz dürfen – und das sehe ich noch nicht.“

So weit, so unklar – oder wie Björn Kugler es formuliert: „Es steht alles in den Sternen.“ Im schlimmsten Fall, wenn man nämlich merkt, dass selbst die Hinrunde nicht zu Ende zu bringen ist, würde wohl die Saison komplett annulliert. „Bis 15. Juli muss wohl laut Statuten alles erledigt sein – inklusive möglicher Relegationsspiele“, sagt Matteo Battista. Klappt das nicht, würde also im Spätsommer mit der gleichen Konstellation wie ein Jahr zuvor neu gestartet. Dem GSV Höpfigheim, derzeit auf einem Abstiegsplatz in der Kreisliga A, käme eine Annullierung rein sportlich gesehen natürlich entgegen. „Aber ich würde natürlich auch gerne wieder Fußball spielen“, stellt Spielertrainer Norman Röcker klar. „Wir sind auf alles vorbereitet, die Jungs halten sich über Läufe einigermaßen fit. So richtig anziehen werden wir das Training aber erst wieder, wenn wir wissen, wann es weitergeht.“

Denn einig sind sich alle Coaches, dass es für den Neustart einen gewissen Vorlauf braucht. „Wenn man wie seinerzeit nach dem ersten Lockdown erstmal nur in Kleingruppen starten muss, dann benötigt es sicherlich vier Wochen“, findet Mauro Pedace und fügt hinzu: „Wir hatten ja im Juli quasi einen Kaltstart, und das war schon grenzwertig, gerade im Hinblick auf die Verletzungsgefahr.“ Ein klein wenig entspannter sieht Björn Kugler die Frage nach der nötigen Vorbereitung: „Drei Wochen sollten es schon sein. Wenn es allerdings für alle gleich ist, dann ist mir das auch relativ egal, dann können wir auch mit zwei Wochen Vorlauf starten. Wie es dann aber um die Qualität der Spiele bestellt ist, steht auf einem anderen Blatt.“Nach Plan individuell trainiert wird beim SGV derzeit nicht: „Wir wollen uns dann steigern, wenn wir wissen, wann es wieder losgeht“, sagt Kugler und merkt an: „Fußballer finden ja erfahrungsgemäß nur wenige sportliche Betätigungen ohne Ball, die ihnen Spaß machen. Aber die meisten aus der Mannschaft tun schon etwas für sich.“ Matteo Battista hat seinen Spielern dagegen Trainingspläne an die Hand gegeben, „und zweimal pro Woche treffen sich die meisten mit Athletiktrainer Dominik Gallert zum Online-Workout“. Etwas skeptischer ist diesbezüglich Mauro Pedace: „Ich halte nichts davon, irgendwelche Pläne vorzugeben. Diejenigen, die sich daran halten würden, die absolvieren ihr Pensum eh von alleine. Und der Rest macht so oder so nichts.“ Thomas Lembeck will mit den Benningern im Februar mit einer Laufchallenge und gemeinsamem Onlinetraining wieder einsteigen, ähnlich ist es bei der SG Steinheim/Erdmannhausen: „Wir haben bis Ende des Jahres Pläne rausgegeben, seither ist Pause. Aber im Februar soll es dann wieder losgehen“, berichtet Andreas Wick.

Erwartungsgemäß wenig hat sich in der Lockdown-Pause personell getan. Der TSV 1899 Benningen hat mit Ron Moj einen dritten Keeper geholt, „der hoffentlich den internen Konkurrenzkampf etwas anfeuert“, sagt Thomas Lembeck. Eine Verstärkung für die Innenverteidigung oder das defensive Mittelfeld vermeldet Andreas Wick für die SG Steinheim/Erdmannhausen: „Marius Seegers vom SV Riet wird zu uns stoßen.“ Einen Abgang muss hingegen der GSV Höpfigheim verschmerzen: „Ibrahim Akkurt ist studienbedingt nach Mannheim gegangen. Das trifft uns schon hart, denn er war eine wichtige Stütze in unserer Defensive“, erklärt Norman Röcker. Bei allen anderen Teams bleibt der Kader unverändert.