Am Freibad im Bottwartal Pop und Poesie auf dem Parkplatz

Von
Kilian Mohns während des Autokonzerts auf dem Freibadparkplatz. Foto: avanti

Das Evangelische Jugendwerk Marbach/CVJM organisiert einen Gottesdienst und Konzerte auf dem Parkplatz des Mineralfreibads Oberes Bottwartal.

Beilstein/Oberstenfeld - Endlich ist wieder buntes Treiben und Leben auf den Parkplatz des Mineralfreibads Oberes Bottwartal zurückgekehrt. Mit viel Mut und Pioniergeist haben die Verantwortlichen des Evangelischen Jugendwerks und der lokalen CVJM-Organisationen der 19 Kirchengemeinden aus dem Bezirk Marbach ein ganz neues Veranstaltungsformat erfolgreich erprobt, unterstützt von ganz vielen ehrenamtlichen Helfern.

Für ihre Risikobereitschaft werden die Macher unter der Leitung von Bezirksjugendreferent Johannes Stelzner bereits am Vormittag belohnt: Zum Gottesdienst kommen rund 200 Besucher. Oder sollte man hier besser von Autoinsassen sprechen? Bis zu 120 Autos wären laut den aktuellen Vorschriften zulässig. Die Besucher kommen im eigenen Auto, haben sich vorher online angemeldet, das ausgedruckte Ticket dabei, das gescannt wird, und bekommen frisch desinfizierte Kopfhörer gereicht. Wer möchte, wird noch mit einem Snackpaket verpflegt.

Um 15 Uhr folgt ein Familien-Mitmachkonzert mit ungefähr 120 Besuchern. Mike Müllerbauer sorgt für Inhalt und Stimmung. „Wir haben ordentlich aufgefahren“ umschreibt Stelzner das professionelle Technikaufgebot. Eine mobile Trailerbühne mit großer Leinwand samt Licht- und Bühnentechnik wie bei großen Konzerten steht am westlichen Parkplatzrand. Dahinter sorgt ein leistungsstarker, doch fast nicht hörbarer mobiler Stromerzeuger für Energie. Patrick Schober ist für die Bühnentechnik und Beleuchtung zuständig und strahlt. Seine Begeisterung über seine 60 LED-Scheinwerfer ist ihm anzusehen. Für himmlischen Überblick sorgt dagegen Andreas Vogt mit einer semiprofessionellen Drohne. In Echtzeit werden dank seines Engagements Luftbilder auf die Leinwand gefunkt. Selten sieht man live so schöne Bilder vom Bottwartal. Selbst für menschliche Bedürfnisse ist gesorgt – mit einem mobilen Toilettenwagen. Möglich wurde das dank vieler Gönner und Firmen, die diese Idee bereitwillig unterstützt haben.

Der Höhepunkt der Veranstaltungen beginnt am Abend. Ab 19.20 Uhr treffen die ersten Besucher ein. Man sieht Kennzeichen aus Ludwigsburg, Waiblingen, Backnang und Heilbronn. Selbst aus Aalen und dem Lahn-Dill-Kreis in Hessen sind zwei junge Frauen dabei. Robert dagegen kommt aus der Region und hat sich als Parkplatzeinweiser förmlich aufgeblasen. Ein kleiner Ventilator plustert ihn in seinem Anzug zu beachtlichem Umfang auf. Professionell weist er die 75 Besucher zu ihren Stellplätzen ein. Das Kreuz auf seiner Baseballmütze signalisiert bereits Inhalte des späteren Programms.

Und die Stimmung bei so einem Autokonzert? In der ersten Hälfte betreten Micha Kunze und Kilian Mohns mit den Zuschauern gemeinsam Neuland. Die Nervosität ist bei Künstlern wie Zuschauern spürbar. Wie zeigt man Gefühle, wenn man nicht klatschen kann? Wie erkennt man als Künstler, ob es dem Publikum gefällt? Zuerst zaghaftes, später mutigeres Hupen und Lichtzeichen wollen noch erprobt werden. Provokante Texte wie „Die Abschaffung des Menschen“ von Kunze, kombiniert im Wechsel mit teils selbst komponierten Liedern wie „Relative“ über Liebe und Frustration stimmen ein. Gefühlt steigt dann mit Sonnenuntergang die Stimmung, als wabernder Nebel nun von der besser sichtbaren Lichttechnik für viel Stimmung sorgt. Und viele sind einfach froh, wieder einmal „Gemeinschaft und Zusammenhalt in echt zu erleben“, meint René Böckle. Später sorgt er als DJ Faith für Unterhaltung und „ist schon gespannt, wie Party unter diesen Umständen funktioniert.“ Er hat elektrische Tanzmusik mitgebracht aus den Charts und legt Lieder mit christlichen Texten auf.

Dem zwölfjährigen Joshua und seiner Mutter hat es auf jeden Fall gefallen, wie vielen anderen Besuchern auch. Doch im Gegensatz zu ihnen feiert Joshua heute obendrein seinen 12. Geburtstag. Mit einem langanhalten Hup- und Blinkkonzert gratulieren ihm die Konzertbesucher. Durch die Windschutzscheibe sieht man zwei strahlende und glückliche Gesichter.