Aktuell kaum Wohnland in Marbach verfügbar Räte wollen Finger von Baupflicht lassen

Von
In Marbach sind Bauplätze momentan Mangelware. Foto: /(Werner Kuhnle)

Aktuell gibt es keine einzige zusammenhängende Fläche in Marbach, die als Wohnland genutzt werden könnte. Die Idee eines Puls-Vertreters, ein Baugebot zu verhängen, wurde aber nicht angenommen.

Marbach - In ganz Marbach steht aktuell keine einzige zusammenhängende Fläche mehr zur Verfügung, die man in Wohnland ummünzen könnte. Und auch die Zahl der Baulücken wurde in den vergangenen Jahren gehörig reduziert, hob Elena Schubert vom städtischen Bauamt am Donnerstag im Ausschuss für Umwelt und Technik in ihrem Bericht über die Flächen-Potenziale auf der Gemarkung hervor. Zugleich ist der Druck auf dem Immobilienmarkt unvermindert hoch. Vor diesem Hintergrund regte Benjamin Flaig von Puls an, darüber nachzudenken, ein Baugebot zu erlassen. Eine Idee, für die er aber keine Unterstützung erhielt.

Flaig hatte seinen Vorstoß damit begründet, dass in der Summe bei den Baulücken doch eine recht große Fläche zusammenkomme, auf der Häuser entstehen könnten. Die 2,4 Hektar, die Schubert für Marbach errechnet hatte, entsprächen nahezu dem Ausmaß des in Rielingshausen geplanten Wohngebiets Keltergrund. „Wir könnten also ruhig über ein Baugebot nachdenken“, schlussfolgerte der Puls-Vertreter. „Das ist ein sehr hartes Instrument, das vielleicht von einer Handvoll Kommunen in Baden-Württemberg in die Hand genommen wird“, erwiderte daraufhin der stellvertretende Bauamtsleiter Ralf Lobert. Der eine oder andere Grundstücksbesitzer mache zudem bislang bei einem Umlegungsverfahren nur mit, um das Gesamtvorhaben nicht zu gefährden. Dieser Personenkreis wolle eine Fläche zugeteilt bekommen, ohne dort gleich die Bagger anrücken zu lassen. Würde man nun mit einem Baugebot Druck entfachen, könnten sich diese Eigentümer künftig querstellen und die Ausweisung von Neubaugebieten blockieren. Davon abgesehen schreibe man die Leute auch an, auf deren Parzellen Wohnungen hochgezogen werden könnten, ergänzte der Bauamtsleiter Dieter Wanner. „Das ist der weiche Weg“, stellte er fest. Würde man Flaigs Vorschlag aufgreifen, wäre damit ein „massiver Eingriff in Eigentumsrechte“ verbunden.

Auch Jochen Biesinger von der CDU riet davon ab, ein so scharfes Schwert zu bemühen. Wenig prickelnd findet er es allerdings ebenfalls, alternativ die grüne Wiese zu versiegeln oder jene Grundstücke in Wohngebieten zu sehen, bei denen sich seit Jahren nichts bewegt. „Das Ziel müsste deshalb sein, Baugebiete nur zu entwickeln, wenn wir im Besitz der Flächen sind. Dann haben wir es in der Hand und können Grundstücke mit einem Baugebot etikettieren“, erklärte er. Biesinger ging aber nicht nur auf den Vorstoß von Flaig ein, sondern nahm auch die spezielle Situation in Rielingshausen in den Fokus. Auf den ersten Blick sei es „erschreckend“, dass dort laut den Zahlen von Elena Schubert noch 3,8 Hektar im Bereich der Innenentwicklung ausgeschöpft werden könnten. Aber das relativiere sich wohl dadurch wieder, dass darin eine große Betriebsfläche inbegriffen sei. Das bestätigte Elena Schubert. Rund zwei Hektar nimmt in der Aufstellung demnach das Areal des Obsthofs Eisenmann ein – sodass in Rielingshausen eine Restmenge von 1,8 Hektar an unerschlossenen Grundstücken bleibt.

Alles in allem sind im Stadtteil seit 2011 genau 16 Prozent aller Parzellen aus dieser Kategorie für den Wohnungsbau urbar gemacht worden. Die Quote in Marbach lag bei 100 Prozent. Von den Baulücken wurden im selben Zeitraum in der Kernstadt 30 Prozent mit Häusern bestückt, in Rielingshausen 60 Prozent. „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, meinte Heinz Reichert von der SPD im Hinblick auf die akquirierten innerstädtischen Potenziale. In Marbach wie im ganzen Landkreis herrsche ein wahnsinniger Druck auf dem Immobilienmarkt. Folglich müsse man auch über die Ausweisung neuer Wohngebiete nachdenken.

Jürgen Waser von den Grünen gab im Laufe der Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der Innenentwicklung allerdings auch zu bedenken, dass brachliegende, zusammenhängende Flächen in einer Stadt zugleich als Rückzugsorte für Tiere und grüne Lunge dienten.