Ältester Oberstenfelder Heimatforscher wird 100 Jahre alt

Von Oliver von Schaewen
Ernst Schedler hat immer gerne Gruppen durch die Stiftskirche geführt. Foto: Werner Kuhnle

Der Oberstenfelder Ernst Schedler feiert seinen 100. Geburtstag. Der Heimatforscher und langjährige Schulrektor blickt auf ein bewegtes Leben zurück.

Oberstenfeld - Nicht jedem ist es vergönnt, 100 Jahre alt zu werden. Ernst Schedler hat es geschafft. Und auch, wenn er derzeit viel Ruhe braucht und es nicht zu einem Pressegespräch kommt, ist ein solcher Jubiläumsgeburtstag Anlass genug, viel aus dem Leben des ältesten Oberstenfelders zu erzählen, denn Ernst Schedler, Träger der Bürgermedaille, ist im Ort eine Institution.

Der Jubilar hat mit seinen vier Bänden zur Ortsgeschichte vielen Oberstenfeldern den Blick für die Details der lokalen Historie geweitet. So etwas wie ein Steckenpferd war dabei die Stiftskirche, das Wahrzeichen der Bottwartalkommune – Schedler führte immer wieder Gruppen durch das rund 1000  Jahre alte Gotteshaus. Den Aufbau eines Heimatarchivs im Rathaus hatte sich der langjährige Rektor nach dem Ausscheiden aus der Schule im Jahr 1982 vorgenommen. Er leistete ganze Arbeit.

Der Forscherdrang hält den pensionierten Lehrer jung

Nicht zuletzt sein steter Forscherdrang hielt den pensionierten Lehrer jung. „Durch die Arbeit in den Archiven, auch in Stuttgart, hatte er viele Kontakte“, berichtet seine Tochter Irmtraud, die sich seit Kurzem verstärkt um ihren Vater kümmert.

Die Lebensgeschichte von Ernst Schedler beginnt in Schorndorf. Dort wurde er 1921 als drittes von sechs Kindern eines kaufmännischen Angestellten und seiner Frau geboren. „Es gab in der Familie immer ein Mädchen und einen Jungen, die einander besonders zugetan waren“, erzählt Irmtraud Schedler. Er stammte aus einem christlichen Elternhaus, besuchte die Jungschar, nahm gerne an Sport, Geländespielen und Bibelarbeit teil. 1934 hieß es allerdings auf dem Sportplatz „antreten“: Die Jungen mussten die Hemden der Hitlerjugend anziehen.

Schedler überlebte fünf Jahre russische Kriegsgefangenschaft

Das Abitur machte Schedler 1940 in Bad Cannstatt. Kurz darauf musste er in die Wehrmacht. Der 18-Jährige kam später an die Front nach Russland, wurde als Infanterist dreimal verletzt und verbrachte fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft 600 Kilometer nördlich von Moskau. Eine schwere Zeit, die der junge Mann aber bewältigte.

Den Entschluss, Lehrer zu werden, fasste der Heimkehrer Anfang der 1950er-Jahre bei einer Jugendfreizeit in Heilbronn. Schedler konnte mit Kindern umgehen, hielt die Balance zwischen Strenge und lustigen Momenten. Sein Forscherdrang und seine gütige Grundhaltung übertrugen sich. Er wirkte zunächst in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb und kam in den 1960er-Jahren nach Oberstenfeld. „Ich hatte zum ersten Mal nicht alle vier Schuljahre in einer Klasse“, erinnerte sich der Rektor im Ruhestand.

Der ehemalige Bürgermeister als Nachbar und Freund

Der vielseitig interessierte Mann mischte auch in der Kommunalpolitik mit. So wurde er 1971 als Kandidat der Freien Wähler in den Gemeinderat gewählt und konnte sich dort bis 1984 für den Ausbau der Grund- und Hauptschule einsetzen. Der Bau von drei Gebäudeteilen fiel in seine Ära. Dass der damalige Bürgermeister in der Panoramastraße ein guter Freund und Nachbar wurde, stärkte den verwitweten Pensionär.

Der Glaube an Gott ist Ernst Schedler ein steter Begleiter geblieben. Schon als Lehrer wirkte er in der evangelischen Kirchengemeinde als Chorleiter und Organist. „Herr Schedler ist für die Gemeinde ein besonderer Glücksfall“, sagt der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann. „Sein außerordentliches ehrenamtliches Engagement ist unübertreffbar.“ Die Bürger hätten ihm sehr viel zu verdanken.