Abschied in Steinheim Mr. EmKärrele macht nach zehn Jahren Schluss

Von
Das war’s: Der heute 80-Jährige Foto: Werner Kuhnle

Mit 70 Jahren verwandelte Rolf Häußermann einen Bauwagen in einen Aufenthaltsort für Kinder, die er dort dann betreute. Nun wird ihm die Aufgabe zu viel. Doch niemand findet sich, der übernehmen will.

Steinheim - Allein die Zahlen lesen sich bei Rolf Häußermann schon etwas kurios. Mit 70 Jahren nämlich hat der heute 80-Jährige ein kleines pädagogisches Erfolgsmodell in Steinheim gestartet: das EmKärrele. Da war der gelernte Werkzeugmacher schon längst in Rente. Doch weil sein Herz für Kinder schlägt, hat Häußermann das Alter ignoriert und für die Evangelisch-methodistische Gemeinde in Steinheim etwas begonnen, das zehn Jahre lang wie am Schnürchen lief. Zum EmKärrele, Em ist das Kürzel für die evangelisch-methodistische Kirche, kamen nämlich immer wieder freitags die Kinder zu ihm und seinem Team. Aber nicht nur Kinder der freikirchlichen Glaubensgemeinschaft. Der Bauwagen, liebevoll Kärrele genannt, stand inmitten einer Wiese und sollte für alle Kinder Steinheims offen sein.

Häußermanns Frau Gisela hatte die Idee dazu. Ausgehend von der „Sonntagsschule“, wollte sie auch solche Kinder angesprochen wissen, die nicht die Kinderkirche besuchten. Bei einem Darmstädter Bauunternehmer wurde Rolf Häußermann schließlich fündig. Der hatte den Bauwagen vor mehr als zehn Jahren als Büro genutzt und ihn schließlich zum Verkauf angeboten. „Wir haben ihn dann für unsere Zwecke ausgebaut“, erzählt der fidele Senior im Rückblick und zählt eine kleine Küche, Klo und Bänke zum Hochklappen, sowie Tische, auf denen eifrig gebastelt werden konnte, als Inventar auf. Immerhin passten bis zu 25 Kinder samt deren Betreuer, Winfried Glock und die Gitarre spielende Renate März etwa, in den Bauwagen, der zum gemeinsamen Spielen, Singen und Basteln einlud. „Und zu einer kleinen Andacht.“ Außer in der Winterzeit, da blieb der Bauwagen geschlossen. Bis Anfang März, wenn sich die Kinder wieder auf dem Stellplatz, den der Steinheimer Fritz Thum bis heute zur Verfügung stellt, einfanden.

Der Nikolaustag aber war stets der offizielle Jahresabschluss. Doch nicht beim EmKärrele, sondern beim Steinheimer Arkadien-See. Dort fand ein Fest statt, das viele Kinder, etwa 70 bis 100 an der Zahl, anlockte. Häußermanns Stimme bekommt einen warmen Ton, wenn er davon erzählt. Denn der Nikolaus sollte oftmals aus einem besonderen Gefährt aussteigen: etwa aus einem Polizeiwagen, einem Traktor oder einem Motorrad mit Seitenwagen. Häußermann selbst hatte nur einmal den Nikolaus gemimt – dann nie wieder. Die Kinder hatten ihn dann doch allzu schnell erkannt.

Doch nach zehn Jahren soll nun mit allem Schluss sein. Rolf Häußermann wird der Dienst zu viel. Und niemand findet sich, der hauptverantwortlich seine Aufgabe übernehmen will. Es ist ja nicht nur der Nachmittag, der ihn von 15 Uhr an bis 18  Uhr festhält, wenn die Kinder, in zwei Altersgruppierungen und Zeitspannen aufgeteilt, zum EmKärrele kommen. Die Vorbereitung, das Planen, was gemacht wird, und die Materialbeschaffung, das alles ist ein Aufgabenkomplex, der auch dazugehört. „Es schlaucht a bissle“, sagt Häußermann dezent, der fühlt, dass „mir inzwischen alles nicht mehr so leicht von der Hand geht“. Er selbst hat fünf Enkel. Das Jüngste, ein Mädchen mit zehn Jahren, ist sein „Schlombel“, wie er zärtlich sagt. Die Arbeit geht ihm indes nicht aus.

Seine Frau Gisela, „ohne die ich das alles gar nicht hinbekommen hätte“, steht treu sorgend an seiner Seite. Er ist für all das dankbar. Auch für die „Begabung, einen leichten Zugang zu Kindern zu haben“. Die werden Rolf Häußermann, der über sich sagt: „Ohne Kinder kann i fast net sei“, bestimmt ebenso vermissen. Denn eines war sicher: Der Betreuer hat sie bei den Eltern nie verpetzt. „Wir haben etwaige Schwierigkeiten immer unter uns ausgemacht“, sagt Rolf Häußermann mit einem Gefühl der Verbundenheit. Das Nikolausfest am See wie auch die traditionelle Legostadt in den Sommerferien – das will Rolf Häußermann weiterhin organisieren.