Abbruch der Fußballsaison Sogar eine Sammelklage steht im Raum

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Nach dem Abstieg vor gut einem Jahr droht dem TGV Beilstein (rot) ein weiteres Jahr in der Kreisliga B.Auch der Club L’Italiano Großbottwar (blau) wird nach jetzigem Stand nicht aufsteigen. Foto: Archiv (avanti)

Im Amateurfußball macht sich Widerstand breit gegen das drohende Modell des Saisonabbruchs.

Großbottwar/Beilstein - An diesem Mittwoch will der Vorstand des Württembergischen Fußballverbands (WFV) eine Beschlussfassung für den dann im Juni anstehenden Verbandstag zum weiteren Fortgang der unterbrochenen Saison 2019/20 vorlegen. Zwei Vorschläge standen bislang im Raum. Zu diesen konnten alle Vereine im Rahmen einer Anhörung Stellung nehmen: Entweder Saisonabbruch bei Aussetzung des Abstiegs und Aufstieg der jeweils nach einer Quotientenregelung besten Teams jeder Spielklasse oder aber alternativ die Fortsetzung der Runde ab September.

Gegen das als wahrscheinlicher geltende Modell des Saisonabbruchs gibt es jedoch schon jetzt erhebliche Widerstände, denn viele Vereine sehen sich dadurch um ihre sportlichen Chancen gebracht. „Wenn es zu diesem Beschluss kommt, hat das nichts mehr mit den Werten des WFV zu tun. Diese sagen klipp und klar, dass Fairness und Sportlichkeit die obersten Leitlinien sind. Dieser Beschluss hätte aber mit Fairness nichts zu tun, denn uns würde die greifbare Chance zum Aufstieg genommen“, sagt etwa Franco Basile, der in Personalunion Vorstand und Trainer des B-Ligisten Club L’Italiano Großbottwar ist. In der Staffel B2 Enz-Murr rangiert sein Team drei Zähler hinter dem FV Oberstenfeld auf dem zweiten Platz und würde damit leer ausgehen. Besonders pikant: Beide Titelkonkurrenten haben in dieser Saison überhaupt nicht gegeneinander gespielt. Erst Mitte März war der letzte Vorrundenspieltag geplant, an dem der Club L’Italiano den FVO zu Gast gehabt hätte. „Wir hätten sie geschlagen. Ich hatte meine Jungs richtig fit“, ist Basile überzeugt, doch drei Tage vor dem Topduell wurde der Spielbetrieb gestoppt.

„Alles, was man sich erarbeitet hat, und alles, was die Spieler geleistet haben, soll jetzt umsonst gewesen sein. Ich appelliere an den WFV, mit Verstand an die Sache heranzugehen und kein fatales Signal zu senden. Es muss einfach eine Entscheidung auf sportlichem Weg zustandekommen, deshalb wollen wir unbedingt die Saison zu Ende spielen“, sagt Basile mit Nachdruck. Zudem: Da wohl so schnell kein Impfstoff zur Verfügung stehe, wisse niemand, ob im Herbst nicht die von vielen Experten befürchtete zweite Infektionswelle kommt und erneut der Fußballbetrieb ausgesetzt werden muss. „Da anulliere ich doch lieber die Saison 2020/21, die noch gar nicht begonnen hat“, gibt er weiter zu bedenken.

Am gleichen Strang zieht auch der TGV Beilstein. Zwar führt man aktuell die Staffel B1 Unterland an, doch aufsteigen würde der TGV im Falle des Saisonabbruchs nicht. Denn der Tabellenzweite TSV Weinsberg liegt bei einem Spiel weniger nur einen Zähler zurück und hätte damit nach der Quotientenregelung (Anzahl der Spiele geteilt durch Punkte) die Nase vorne. „Dabei haben wir sogar das direkte Duell gegen sie gewonnen“, fügt TGV-Abteilungsleiter Wolfgang Behr an. Wie auch der Club L’Italiano ist man inzwischen Teil eines losen Netzwerks von Vereinen aus ganz Württemberg, die sich vehement gegen das diskutierte Modell des Saisonabbruchs aussprechen, und in dem auch über eine mögliche gemeinsame Sammelklage vor dem Verbandsgericht nachgedacht wird. „Für uns wäre das alles doppelt bitter, denn im Sommer kommen erstmals nach Jahren wieder viele A-Junioren hoch. Nur bei einem Aufstieg in die Kreisliga A könnten wir aber im Bezirk Unterland eine zweite Mannschaft anmelden. So lange wir B-Ligist sind, gibt es da nur die Reserverunde, in der aber kaum Spiele stattfinden. Für unseren aufrückenden Nachwuchs wäre das keine Perspektive“, erzählt Behr und betont: „Unsere aktuellen Spieler wollen alle unbedingt weiterspielen.“

Als Alternativmodell bringt der TGV die Lösung ins Spiel, die der schleswig-holsteinische Verband gefunden hat. „Dort steigen auch die Tabellenzweiten auf, sogar wenn sie eigentlich noch durch eine Relegation müssten. Dann hätte man zwar im nächsten Jahr einen verschärften Abstieg, doch da im WFV sowieso zur Saison 2020/21 eine Gebietsreform geplant ist, könnte man in deren Rahmen vieles wieder begradigen“, hofft Behr.